Bietigheim-Bissingen Schwarz läuft Spitzengruppe davon

Die Sieger des 34. Silvesterlaufs: Rico Schwarz vom ASV Erfurt (Foto links, Mitte) jubelt mit den Zweitplatzierten Dickson Kurui (links) und Timo Göhler. Auf dem Foto rechts Alina Reh vom TV Erbach, die schon 2013 die Frauenwertung in Bietigheim gewonnen hat.
Die Sieger des 34. Silvesterlaufs: Rico Schwarz vom ASV Erfurt (Foto links, Mitte) jubelt mit den Zweitplatzierten Dickson Kurui (links) und Timo Göhler. Auf dem Foto rechts Alina Reh vom TV Erbach, die schon 2013 die Frauenwertung in Bietigheim gewonnen hat. © Foto: Avanti
CLAUS PFITZER 02.01.2015
Rico Schwarz hat nach 2012 erneut den Bietigheimer Silvesterlauf gewonnen. Nach einem spannenden Rennen siegte der Erfurter in 33,39 Minuten vor dem Kenianer Dickson Kurui und Timo Göhler. Die Frauenwertung gewann wie im Vorjahr Alina Reh vom TV Erbach.

Zu den knapp 3200 Voranmeldungen kamen am Tag vor dem Lauf und an Silvester noch knapp 500 Nachmeldungen hinzu. Gewertet wurden bei den Männern und Frauen zusammen 3222 Teilnehmer.

Nach dem Wintereinbruch in den vergangenen Tagen herrschten am Lauftag Temperaturen von knapp über zwei Grad. Mit dem Startschuss von Oberbürgermeister Jürgen Kessing setzte leichter Schneeregen ein. Die 11,1 Kilometer lange Strecke, die sich aus zwei Runden über 4,8 Kilometer und 6,3 Kilometer zusammensetzte und entlang des Sportparks Ellental, den Bürgergarten und die Altstadt führte, war bestens präpariert und vollkommen eis-und schneefrei.

Rico Schwarz vom ASV Erfurt wiederholte seinen Sieg aus dem Jahr 2012, als er gleich bei seinem Bietigheim-Debüt als Erster ins Ziel kam. 2013 belegte Schwarz Platz zwei und benötigte 33,20 Minuten. Diesmal waren es 19 Sekunden mehr. "Jetzt möchte ich nur noch ordentlich feiern. Das wird eine lange Nacht. Ich hoffe, dass ich pünktlich zur Feier daheim bin", meinte Schwarz strahlend nach seinem Triumph. Nach der Siegerehrung durch Oberbürgermeister Kessing und Jürgen Scholz, den Präsidenten des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV), setzte sich Schwarz ins Auto und fuhr Richtung Erfurt. "Ich hoffe, dass ich es in zweieinhalb Stunden schaffe", plante er auch auf der Straße ein ordentliches Tempo vorzulegen.

"Die Strecke war super präpariert und die Stimmung hier ist einfach der Hammer", lobte Schwarz die Organisatoren und die Zuschauer entlang der Strecke. Nach einer Verletzungspause konnte der Erfurter sein Leistungsvermögen selbst nicht so richtig einschätzen. "Ich wusste nicht, was ich bringen kann, wusste aber wie stark die anderen sind. Vor einem Timo Göhler hatte ich großen Respekt und Markus Weiß-Latzko hat immer wieder angegriffen. Ich hatte aber gute Luft und habe meine Chance am Ende genutzt", beschrieb Schwarz das Rennen.

Schon frühzeitig nach dem Start hatte sich die Schwarzwaldstraße hoch ein Feld mit sechs Läufern abgesetzt. Neben Schwarz, dem in Frankfurt lebenden Kenianer Kurui und Göhler, der für das in Großbottwar ansässige Therapie-Rehazentrum Siegele an den Start ging, waren Markus Weiß-Latzko vom Sparda-Team Rechberghausen, Simon Stützel (ebenfalls TherapieReha Siegele) und Julian Flügel (LG Tells Finanz Regensburg) in der Spitzengruppe dabei. Zwischen dem führenden Sextett und dem Verfolgerfeld hatte sich als einsamer Läufer Frederik Unewisse von den Laktat-Knallern eingerichtet. Diese sieben Läufer gingen schon mit gehörigem Abstand bei Bad am Viadukt in die zweite Runde. Etwa 500 Meter vor dem Ziel setzte sich Schwarz etwas ab und lief mit einem Abstand von fünf Sekunden ins Ziel. Dort nahm ihn mit Reiner Müller der erste Bietigheimer Silvesterlaufsieger von 1981 in Empfang. Nach Schwarz erreichten zeitgleich Kurui und Göhler (33,44 Minuten) das Ziel, Rang vier mit zwei Sekunden Rückstand ging an Weiß-Latzko, Fünfter wurde mit weiteren vier Sekunden Rückstand Stützel, der wiederum Flügel knapp hinter sich gelassen hatte. Der Abstand von gerade mal 14 Sekunden zwischen dem Sieger Schwarz und dem Sechstplatzierten Flügel dokumentiert das enge und spannende Rennen.

"Es war mein erster Start hier in Bietigheim und es war toll. Die Zuschauer sind einmalig", freute sich der 23-jährige Kenianer Kurui über seinen zweiten Platz und die tolle Stimmung.

Bei den Frauen siegte erneut Alina Reh vom TV Erbach.

Silvesterlauf-Splitter

Rekordläufer Peter Bäuchle von der LG Filder, der diesmal für Heart&Sole an den Start ging, ist alleiniger Rekordmann beim Bietigheimer Silvesterlauf. Der 61-Jährige hat alle 34 Läufe absolviert. Diesmal belegte er in 58,59 Minuten Rang 1519. In der Altersklasse 60 bedeutete die Zeit Rang 33.

Vorausfahrer Rolf Zinßer und Gebhard Binder fuhren auch in diesem Jahr dem Läuferfeld mit ihren Begleitfahrzeugen voraus, gefolgt von einer Fahrradstaffel, deren Mitglieder schon beim ersten Aufstieg in der Schwarzwaldstraße kräftig in die Pedale treten mussten. Binder fährt seit Jahrzehnten der Läuferschar voraus und schaut, dass die Strecke frei ist. Zinßer ist Mitbegründer des Silvesterlaufs und als langjähriger Laufchef noch immer ein wertvoller Ratgeber rund um den Lauf.

Meisterleistung Eine Meisterleistung hatten die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs unter ihrem Leiter Hermann Großmann abgeliefert. Nach dem Wintereinbruch am Wochenende leistete die Großmann-Crew ganze Arbeit und sorgte durchgehend für eine schnee- und eisfreie Strecke. Dafür gab es Lob von allen Seiten, ob von den Läufern, den Organisatoren oder den Zuschauern.

Mitläufer In seiner aktiven Zeit als Fußball-Profi und Nationalspieler war Thomas Hitzlsperger nie ein Mitläufer. In diese Rolle schlüpfte der 32-jährige Bayer jetzt beim Silvesterlauf. Hitlzsperger wurde mit dem VfB Stuttgart einst deutscher Meister und belegte mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim-WM Rang drei und bei der Europameisterschaft zwei Jahre später den zweiten Platz. In Bietigheim kam er nach 52,01 Minuten ins Ziel und belegte Platz 723. Nur als Zuschauer an der Strecke dabei war Zweitliga-Profi Benedikt Röcker von der Spvgg Greuther Fürth, der den Heimaturlaub in Löchgau zu einem Abstecher zum Silvesterlauf nutzte.

Schnellläufer Viel Beifall erntete Joachim Kölz nach seinem Zieleinlauf. Der Bietigheim-Bissinger Bürgermeister kam nach 48,58 Minuten ins Ziel. Das brachte ihm Rang 421 in der Gesamtwertung und Platz 38 in der Altersklasse 50. Mit einer so guten Zeit hatte er vor dem Start nicht gerechnet. "Diesmal werde ich kaum unter 50 Minuten bleiben. Ich war den ganzen Dezember über erkältet", erzählte Kölz vor dem Start. In vier Jahren könnte er gegen den Sersheimer Amtskollegen Jürgen Scholz antreten. Der Präsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV) und ehemalige Top-Sprinte, hat für 2018 seine Teilnahme angekündigt. Vor dem Startschuss gab Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing, früher selbst Leichtathlet, den Läufern im Gespräch mit dem einmal mehr souverän unterhaltenden Silvesterlauf-Sprecher Michael Kloiber folgenden Rat mit auf die Strecke: "Nicht so schnell angehen lassen und auf jeden Fall ins Ziel kommen."

Ein Kommentar von Andreas Lukesch: Bietigheims größtes Ereignis

Gut, Bietigheim-Bissingen hatte Avicii und hat den Pferdemarkt, aber der Silvesterlauf ist ungeschlagen das Top-Ereignis. Das Lauf-Event ist der beste Bietigheim-Botschafter und ein Verdienst, der den Veranstaltern, der Stadt, vor allem aber den Bietigheimern nicht hoch genug anzurechnen ist. Selten erhält man bei Laufveranstaltungen - noch dazu bei mitunter ungünstigen Witterungsbedingungen - so viele positive Rückmeldungen wie beim Bietigheimer Silvesterlauf. Auch Läufer finden immer einen Kritikpunkt und fanden ihn auch vor Jahren, bevor der Streckenlauf verändert wurde. Jetzt aber scheint alles perfekt. Für die Besucher am Straßenrand ist der Silvesterlauf der perfekte Einstieg in die Party zum Jahreswechsel und für die Läufer der bestmögliche Jahresausklang. Nur größer sollte die Veranstaltung nicht werden. Das selbst gestecke Oberziel von 4500 Teilnehmern muss nicht erreicht werden. Schon jetzt sind einige Streckenabschnitte mitunter zu eng für die Masse. Weniger ist da deutlich mehr. Dann bleibt der Silvesterlauf eine Liebhaber-Veranstaltung mit Profis und Freizeitläufern an einem ganz besonderen Tag.