Ulm Rola El-Halabi steigt im Januar in den Ring

Früher Sparringspartnerinnen, heute Gegnerinnen: Rola El-Halabi (rechts) boxt im Januar gegen Lucia Morelli.
Früher Sparringspartnerinnen, heute Gegnerinnen: Rola El-Halabi (rechts) boxt im Januar gegen Lucia Morelli. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / MANUELA HARANT 05.11.2012
Rola El-Halabi ist bald zurück. Am Montagnachmittag hat die Ulmer Boxerin den Termin und die Gegnerin ihres Comeback-Kampfes verkündet.

Freudestrahlend stellte Rola El-Halabi vor rund 50 versammelten Journalisten in ihrem Café „Rolabar“ fest: „Schon wieder sind mehr gekommen, als wir gedacht haben. Das ist schön.“ Kein Wunder, schließlich war nach mehr als eineinhalb Jahren seit dem Attentat ihres Stiefvaters mit Schüssen auf El-Halabis Knie und die rechte Hand der große Tag gekommen: Die am 1. April 2011 vor einem WM-Kampf schwer verwundete Profiboxerin gab offiziell ihr Comeback am 12. Januar in der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena bekannt. Dann will sie ihren WIBA-Gürtel, der während der langen Zwangspause El-Halabis nicht angegriffen werden durfte, verteidigen.

Und die ehemalige Doppel-Weltmeisterin im Leichtgewicht (61,2 kg) macht es sich dabei alles andere als leicht. Gegnerin wird die amtierende WFC-Weltmeisterin im Junior-Weltergewicht (63,5 kg), Lucia Morelli, sein. „Wir waren selbst überrascht, dass Rola auf uns zukam. Schließlich hätte sie weitaus leichtere Gegnerinnen wählen können“, sagte Morellis Manager Rolf Wittmeier. Die Herausforderin kommt aus Karlsruhe und war früher des öfteren Sparringpartnerin von Rola El-Halabi. Das soll am 12. Januar vor maximal 7000 Zuschauern in der Arena aber keine Rolle spielen. „Natürlich will ich den Kampf gewinnen“, sagt die 33 Jahre alte Deutsch-Italienerin Morelli – Schiebung oder Absprachen, das gäbe es im sonst wenig beachteten Frauenboxen ohnehin nicht.

Früh war klar, dass die Ratiopharm-Arena der geeignete Ort für das Comeback sein wird, das möglicherweise sogar live im Fernsehen übertragen wird. „Ein halbes Jahr nach dem Attentat war die Arena fertig. Da war für mich klar: Wenn ich jemals in den Ring zurückkehre, dann hier, zu Hause, wo ich mich wohlfühle, und nicht irgendwo auf der Welt.“ Ihr Ziel sei es, sich bis zum Kampf in der Arena „wie im eigenen Wohnzimmer“ zu fühlen. Das gilt insbesondere für die Umkleidekabine. Dieser Ort ist nach wie vor mit dem schlimmsten Tag ihres Lebens verknüpft: „Ich habe mir die Kabine schon ausgesucht. Aber mir ist schon jetzt klar, dass das Drumherum für mich schwieriger zu bewältigen sein wird als der Kampf selbst.“

El-Halabi geht davon aus, dass sie ihren Titel erfolgreich verteidigen wird: „Der Gegner darf für mich gar keine Rolle spielen. Ich bereite mich auf den Kampf genauso vor wie vor zwei Jahren.“ Damals war sie auf dem Höhepunkt ihrer Boxkarriere, aber noch nicht halb so bekannt wie heute. Erst durch den Angriff ihres Stiefvaters Hicham El-Halabi in der Umkleidekabine vor einem WM-Kampf erlangte Rola El-Halabi traurige Berühmtheit. Eine Geschichte, über die sie jetzt gar nicht mehr so gerne reden will, mit der sie aber trotzdem immer wieder konfrontiert wird: „Meine elf Narben erinnern mich jeden Tag daran. Aber ich kämpfe weiter und sehe das Positive: Ich lebe, ich kann laufen und ich kann jetzt sogar wieder boxen. Das ist wie eine zweite Geburt für mich.“

Trotz zertrümmerter rechter Schlaghand trainiert Rola El-Halabi inzwischen wieder wie jede andere Profi-Boxerin auch. Während sie noch vor wenigen Monaten noch gar keine Faust formen konnte, schlägt die 27-Jährige jetzt schon ordentlich zu. „Auch wenn es noch häufig schmerzt: Im Training können wir keine Rücksicht mehr auf die Hand nehmen. Das geht bei der Vorbereitung auf einen Kampf auch nicht“, erklärt El-Halabis Trainer Jürgen Grabosch, der immer wieder auch psychologisch auf seinen Schützling einwirken muss.

Im Kampf selbst soll das aber keine Rolle mehr spielen. Rola El-Halabi und Lucia Morelli kennen sich gut, die beiden sind sich früher in Sparringkämpfen oft im Ring gegenüber gestanden. Wieder ein Fakt, der deutlich macht: Rola El-Halabi setzt auf Vertrautes. Damit will sie die dunkle Vergangenheit ein für allemal hinter sich lassen – am liebsten mit der Reaktivierung ihres „stillgelegten“ WM-Titels.

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