Neujahrsspringen Freitag lässt sich beim Neujahrsspringen feiern

Abflug ins Menschenmeer: Richard Freitags Sprung auf Platz zwei sahen beim Neujahrsspringen 21.000 Menschen.
Abflug ins Menschenmeer: Richard Freitags Sprung auf Platz zwei sahen beim Neujahrsspringen 21.000 Menschen. © Foto: Getty
Manuela Harant 02.01.2018
Obwohl er von Kamil Stoch geschlagen wird, hat Richard Freitag bei der Vierschanzentournee noch einige Trümpfe in der Hand.

Richard Freitag genoss den Aufenthalt in der „Leader’s Box“ in vollen Zügen. Während der spätere Sieger Kamil Stoch oben wegen schwieriger Windbedingungen bange Minuten verbrachte, stand bereits fest, dass der Sachse mit seinem grandiosen zweiten Sprung auch in Garmisch-Partenkirchen auf dem Podium landen würde. In der langen Wartezeit feierten Fans und Stadionsprecher den Mann im Gelben Trikot schon wie den Gesamtsieger. „Ich habe das Stadion selten so voll gesehen“, sagte Freitag euphorisch, und sah sich insofern doch als Garmisch-Sieger – der Herzen: „Mit den Fans die Stimmung zu genießen, ist das Schönste, das es gibt. Dieses gute Gefühl möchte ich mitnehmen“, sage der 26-Jährige mit Blick auf den weiteren Tournee-Verlauf.

Der Wahl-Oberstdorfer konnte gut verschmerzen, dass ihn erneut der Pole Stoch in die Schranken gewiesen und seinen Vorsprung in der Gesamtwertung auf 11,8 Punkte ausgebaut hat. Die positive Nachricht des Tages aber war, dass Freitag die zweite Station in Serie als Erfolgserlebnis für sich verbuchen konnte. Auch in Oberstdorf war der Weltcup-Führende trotz schlechterer Windverhältnisse bei seinen Sprüngen auf Rang zwei gelandet.

Verfolger mit viel Rückstand

Vor dem Bergisel-Springen am Mittwoch und Donnerstag in Innsbruck (jeweils 14 Uhr/ZDF und Eurosport) scheint es auf einen Zweikampf zwischen Stoch (563,1 Punkte) und Freitag (551,3) hinauszulaufen. Dahinter folgt schon mit gehörigem Abstand eine Dreier-Gruppe mit David Kubacki (526,3), Junshiro Kobyashi (526,3) und Anders Fannemel (525,5). „Es wird eng bleiben. Und wer die Tournee kennt, weiß, dass jeder Sprung zählt“, sagte Freitag, warnte aber auch vor den Verfolgern: „Auch wir zwei brauchen uns da vorne nicht in Sicherheit zu wiegen. Die anderen werden genauso wenig locker lassen.“

Bundestrainer Werner Schuster räumt Freitag im Zweikampf mit dem Polen gute Chancen ein: „Die beiden springen absolut auf Augenhöhe. Und jetzt kommen zwei Schanzen, an die Richard gute Erinnerungen hat. Da hat er einige Trümpfe in seiner Hand.“ Freitag siegte vor drei Jahren in Innsbruck und beendete damals eine fast zehnjährige Durststrecke der Deutschen bei der Tournee. Und auch in Bischofshofen landete er in den vergangenen Jahren fast immer in den Top Ten. „Allerdings würde es mich sehr überraschen wenn in Innsbruck schon etwas entschieden würde“, so Schuster, der auch mit der Teamleistung in Garmisch zufrieden war. Karl Geiger holte mit Rang sieben sein drittes Top-Ten-Ergebnis in diesem Winter. Stephan Leyhe, Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler schlossen auf den Rängen zehn, elf und 14 ab. Sie alle liegen in der Gesamtwertung noch in Schlagdistanz zum Podium.

Favoriten fallen zurück

In Oberstdorf allerdings hatten die DSV-Adler mit den schwierigen Bedingungen zu kämpfen, Haupt-Leidtragender der ständig wechselnden Windbedingungen waren Mitfavoriten wie der als Weltcup-Dritter gestartete Daniel Andre Tande (237,7), der Tournee-Sieger 2016 Peter Prevc und eben auch Andreas Wellinger (254,0), die den Kampf um den Tournee-Gesamtsieg allesamt schon nach dem Auftakt abhaken mussten.

Bundestrainer streicht Siegel und Wank

Ohne die Schwarzwälder David Siegel und Andreas Wank fährt der Deutsche Ski-Verband zu den beiden österreichischen Tournee-Springen. Bundestrainer Werner Schuster musste den deutschen Kader für die österreichischen Stationen und die folgenden Weltcups auf sieben Springer verkleinern muss und da hatte sich weder Siegel mit den Plätzen 38 (Oberstdorf) und 28 (Garmisch) noch Wank mit Rang 33 und 32 empfehlen können. „Da müsste einer schon unter die besten 20 kommen“; erklärte Schuster. Neben den Topleuten Freitag, Wellinger, Eisenbichler, Geiger und Leyhe entschied er sich für Routinier Pius Paschke und Youngster Constantin Schmid. mha