Der Prozess um einen der größten Skandale im Weltsport gegen den früheren Leichtathletik-Weltverbandspräsidenten Lamine Diack in Paris zieht sich weiter hin.

Dem 86 Jahre alten Senegalesen werden nach vierjährigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in einer 90-seitigen Anklageschrift Betrug, Geldwäsche, Korruption und Veruntreuung vorgeworfen. Der erste Verhandlungstag vor der 32. Strafkammer des Pariser Gerichts, zudem Diack selbst erschien, ging kurz nach Eröffnung schnell zu Ende. Der Prozess soll nun vom 3. bis 22. Juni richtig beginnen.

Grund für die Verschiebung seien Verfahrensfragen, begründete die Vorsitzende Richterin Rose-Marie Hunault die Entscheidung. Die Staatsanwälte hätten neue Beweise und Dokumente - drei dicke Aktenordner - erst wenige Stunden vor Prozessbeginn am Montagvormittag erhalten. Sie enthielten auch Aussagen, die Diacks Sohn Papa Massata gegenüber Ermittlern im Senegal machte, sowie Bankdaten von drei seiner Beratungsfirmen. Der Filius gilt als Drahtzieher der dunklen Machenschaften im Hintergrund. Interpol hat einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Er lebt im Senegal, das bisher eine Auslieferung verweigert hat.

Diack Senior, der auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees war, wurde im November 2015 verhaftet und stand seitdem unter Hausarrest. Bei einer Verurteilung drohen dem Ex-Bürgermeister von Dakar, der den Weltverband von 1999 bis 2015 anführte, zehn Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe.

Zusammen mit ihm und seinem Sohn angeklagt sind wegen Beihilfe zum Betrug weitere Personen. Dies sind der frühere Leiter der Anti-Doping-Abteilung des Weltverbandes, Gabriel Dollé, Diack-Anwalt Habib Cissé sowie der ehemalige Schatzmeister der IAAF (heute World Athletics), Walentin Balachnitschew, und der ebenfalls aus Russland stammende Langstrecken-Cheftrainer Alexej Melnikow.

„Die Zeitdauer der Ermittlungen ist ungewöhnlich lang gewesen. Wenn sie gerechtfertigt ist, werden die Vorwürfe schwerwiegend sein“, befand Clemens Prokop, der viele Jahre zu Diacks Zeiten Präsident des deutschen Verbandes war. „Und sie betreffen ein Kernstück des sportlichen Lebens, die Chancengleichheit.“

Laut Anklage soll der Diack-Clan rund 3,45 Millionen Dollar an Schmiergeld für die Vertuschung von Dopingfällen erpresst haben. Zudem soll nicht nur bei der Vergabe der Leichtathletik-WM 2019 an Katars Hauptstadt Doha Bares in ihre Taschen geflossen sein.

Bei dem Prozess dürfte es auch um Bestechung bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 an Rio und 2020 an Tokio gehen. Diack und sein Sohn sollen mit Stimmenkauf die Wahlen zugunsten von Rio und Tokio beeinflusst haben. „Wenn sich der Verdacht in dem Verfahren bewahrheiten sollte, würde ein dunkler Schatten auf die Sommerspiele in Tokio fallen“, sagte Prokop. Außerdem könnte es noch Konsequenzen für Personen haben, die in den Diack'schen Fall verstrickt sind und noch in leitenden Position in Sportorganisation sind, meinte er.