Eiskunstlauf Pause für Olympiasieger Savchenko/Massot

München / Manuela Harant 18.05.2018

Nein, Aljona Savchenko hat auch mit 34 Jahren noch lange keine Lust, ihre Schlittschuhe an den Nagel zu hängen, das hat jeder im gut gefüllten Presseraum des Olympiastützpunktes Bayern gespürt. Doch sie ist Paarläuferin und damit auf ihr Team angewiesen. Und das hat sich nach dem olympischen Gold-Coup von Pyeongchang mit ihrem Partner Bruno Massot in alle Windrichtungen verteilt. So stand die Wahl-Oberstdorferin gestern ein bisschen alleine da, als sie sagte: „Wir machen eine Wettkampfpause, aber ich vermisse den Wettkampf schon jetzt.“ Deshalb ging sie bewusst nicht den Schritt des eigentlich von allen erwarteten Rücktritts vom Spitzensport.

Ihrem wortkargen Pendant Massot scheint aber etwas anders zu gehen: „Es waren zuletzt sehr anstrengende Jahre. Ich hatte eine Woche Urlaub, aber das war zu wenig. Deshalb fällt mir diese Pause nicht schwer“, sagte der Franzose auf Englisch – und zeigte seine neuen Prioritäten auf: „Ich ziehe in die Schweiz und freue mich im Oktober freue auf mein erstes Kind.“

Das klang so gar nicht nach Wettkampfkribbeln, und auch wenn die beiden vorerst zusammen eine Showvorführung nach der anderen bestreiten – einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt hat das eingebürgerte Traumpaar der deutschen Eiskunstlaufszene seit Olympiasieg und WM-Gold im Frühjahr nicht mehr. Sogar Erfolgstrainer Alexander König hat sich bereits umorientiert und soll in Berlin etwas Neues aufbauen.

Denn der nationale Dachverband Deutsche Eislauf-Union bereitet sich auch schon auf die Zeit nach Savchenko vor und will in der Hauptstadt eine neue Anlaufstelle für talentierte und internationale Paarläufer aufbauen. Schließlich ist eine „Wettkampfpause auf unbestimmte Zeit“ zu vage, um bei den nächsten Spielen in Peking 2022 von der dann 38-jährigen Savchenko noch einmal eine Medaille zu erwarten.

Erste Versuche als Trainerin

Allerdings haben schon so manche Sportler ihr Comeback gewagt, und das trotz offiziellem Rücktritt, den es für Savchenko offenbar unbedingt zu vermeiden galt: „Wir wollen uns alles offen halten. Es ist alles machbar“, sagte die Deutsch-Ukrainerin, die neben den Auftritten unter anderem bei Holiday on Ice auch ihren ersten Trainerjob angenommen hat: Das US-Paar Alexa Scimeca-Knierim und Chris Kierim will sich unter ihren Fittichen verbessern.

Vielleicht findet die ehrgeizige Aljona Savchenko ja hier ihre neue Erfüllung. Schließlich geht es dann auch wieder um Wettkämpfe. „Ich brauche ein Ziel, für das ich arbeiten kann“, betont die elffache WM-Medaillengewinnerin. Und wenn sie dieses Ziel gefunden hat, kann der Abschied auf Raten womöglich zu einem Neuanfang werden.

Drei Fragen an Erfolgstrainer Alexander König

1 Wie bewerten Sie die Wettkampfpause von Aljona Savchenko und Bruno Massot?  Für jeden Athleten, der so viel erreicht hat, ist es eine Wahnsinns-Herausforderung, irgendwann die Brücke ins normale Leben zu schlagen. Da kommt es auf den richtigen Pegel der Belastung an. Manche machen zu viel, andere zu wenig. Aber ich stehe ihnen auch hier gerne mit Rat und Tat zur Seite. Und vielleicht haben sie in einem Jahr alles so gut verarbeitet, dass sie wirklich mit neuen Kräften und ohne Druck noch einmal angreifen wollen.

2 Sie sind aber bereits in ihre Heimat Berlin zurückgezogen. Welche Aufgaben liegen jetzt vor Ihnen?
Ich bin jetzt seit 14 Tagen in meiner alten, neuen Heimat und endlich wieder mit meiner Familie vereint, was sehr schön ist. Darüber hinaus arbeite ich dort mit dem zweiten deutschen Paar, Annika Hocke und Ruben Blommaert. Nach ihrem 16. Platz in Pyeonchang kann es für sie noch einen großen Schritt nach vorne gehen.

3 Und was ist Ihre Vision vom neuen Trainingszentrum in Berlin?
Ich möchte dort zwei Dinge verwirklichen: Zum einen die Talente schon im frühen Kindesalter zu fördern und zum anderen das Zentrum für Spitzenläufer aus anderen Ländern zu öffnen.

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