Hockey-WM in Indien Nur deutsche Fans sind vor Ort Mangelware

Gegen Europameister Niederlande setzte sich die deutsche Mannschaft mit 4:1 überraschend deutlich durch. Das Bild zeigt Marco Miltkau (schwarzes Trikot) in Aktion gegen den Erzrivalen.
Gegen Europameister Niederlande setzte sich die deutsche Mannschaft mit 4:1 überraschend deutlich durch. Das Bild zeigt Marco Miltkau (schwarzes Trikot) in Aktion gegen den Erzrivalen. © Foto: Frank Uijlenbroek/Worldsportpics/dpa
Bhubaneshwar / sid 08.12.2018

Im Kalinga-Stadium hüpft ein Mann im pinken Trikot zwischen indischen Hockeyfans auf und ab und wedelt frenetisch mit seiner schwarz-rot-goldenen Fahne. Als bislang einziger deutscher Fan jubelt der Vater von Hockey-Nationaltorhüter Tobias Walter seinem Sohn zu, der seine erste WM als Nummer eins spielt und mit den „Honamas“ kurz vor dem direkten Viertelfinaleinzug steht.

„Mein Papa ist bisher das einzige deutsche Elternteil hier in Indien“, erzählt Walter dem Sport-­Informations-Dienst SID: „Dem geht es aber wunderbar, er hat schon viele Kontakte geknüpft.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass Pa­pa Wolfgang Walter auch nach dem letzten Vorrundenspiel am Sonntag (12.30 Uhr MEZ/DAZN) gegen den Außenseiter Malaysia wieder auf der Bühne mit Fremden feiern wird, ist hoch. Denn Deutschland fehlt nur ein Punkt zum Gruppensieg und dem damit verbundenen Einzug unter die letzten Acht.

„Ich denke, dass ich meine Jungs nicht großartig gegen Malaysia motivieren muss. Es ist ein WM-Spiel“, sagte Bundestrainer Stefan Kermas: „Es geht für uns auch darum, im Rhythmus zu bleiben“. Mit dem Gruppensieg umginge die DHB-Auswahl ein Überkreuz-Duell, eine Art Achtelfinale, und hätte damit vier Ta­ge Zeit zur Regeneration. „Das Spiel muss eine Vorbereitung auf die kommenden Knock-out-Spiele sein“, untermauerte Walter die Trainer-Aussagen: „Wir werden klar auf Sieg spielen.“

Die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes ist nach dem Auftaktsieg gegen Pakistan (1:0) und dem überraschend deutlichen 4:1 gegen den Europameister Niederlande bislang ungeschlagen. Am Triumph gegen den Erzrivalen hatte Walter mit seinen starken Paraden großen Anteil. „Es ist einfach geil, mein erstes großes Turnier als Nummer eins zu spielen“, sagte der 28-Jährige, der bei Highlights wie den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro oft das Schicksal als Nummer zwei trug und nicht zum Einsatz kam.

Von Nervosität ist bei dem Torhüter, der seit Anfang der Saison beim belgischen Erstligisten KHC Dragons die Pfosten sichert, aber keine Spur. Vor den Spielen sei er „eigentlich nie richtig aufgeregt“. Gegen die Niederlande „vielleicht etwas mehr, aber es hielt sich in Grenzen, ehrlich gesagt“, sagt Walter in nüchternem Ton.

Bei einem Gruppensieg würden die deutschen Männer erst wieder am 13. Dezember um den Halbfinaleinzug spielen. Bis dahin wäre also noch genug Zeit für die restlichen deutschen Hockey-Fans und Elternteile, die Reise nach Indien anzutreten und Papa Walter auf der Tribüne zu unterstützen.

Bundestrainer fordert Fokus auf Gruppenfinale

Coach Stefan Kermas hat sein Team nach dem 4:1-Sieg über die Niederlande dazu aufgefordert, die Konzentration im letzten Vorrunden-Spiel bei der Hockey-Weltmeisterschaft in Indien hochzuhalten. „Wir müssen uns jetzt auf das Malaysia-Match fokussieren, in dem es für den Gegner um die letzte Chance auf die Playoffs geht. Da müssen wir genauso unsere Leistung abliefern, sonst war der tolle Sieg gegen die Holländer nichts wert“, sagte der Bundestrainer vor dem Gruppenfinale am Sonntag (12.30 Uhr).

Deutschland reicht bereits ein Unentschieden zum Gruppensieg, der die direkte Qualifikation für das Viertelfinale bedeutet. dpa

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