Eiskunstlauf Olympia: Nordkoreas Auftritt perfekt inszeniert

Stärkster Auftritt in dieser ­Saison: Tae Ok Ryom und Ju Sik Kim.
Stärkster Auftritt in dieser ­Saison: Tae Ok Ryom und Ju Sik Kim. © Foto: Peter Kneffel/dpa
Pyeongchang / Manuela Harant 15.02.2018
Im olympischen Paarlauf lösen die Nordkoreaner Ryom und Kim organisierte Begeisterung aus. Die Südkoreaner jubeln mit.

Der historische Moment im olympischen Eiskunstlauf war penibel organisiert. Als Tae Ok Ryom und seine Partnerin Ju Sik Kim ihr Kurzprogramm mit einer fehlerfreien Darbietung beendet hatten, brachen 250 junge Nordkoreanerinnen, allesamt in der roten Nationalfarbe gekleidet und mit Fähnchen bestückt, in grenzenlosen Jubel aus. Doch nicht irgendwie, sondern nach einer genauen Choreographie: Auf Kommando erst die Fähnchen zehn Sekunden horizontal schwenken, dann vertikal, und schließlich wieder horizontal.

Noch bevor das Eis für die nächste Gruppe aufbereitet war,  ging es für Kim Jong-uns Vorzeigemädchen samt einer fast ebenso großen Horde an Betreuern und Sicherheitskräften zurück in den Bus. Authentisch machte diesen skurrilen Auftritt in Pyeongchang lediglich, dass auch die südkoreanischen Zuschauer fleißig mitjubelten. Insgesamt dauerte die Inszenierung nicht viel länger als eine Viertelstunde. Doch die zumindest sportliche Wiedervereinigung des geteilten Landes war wieder um eine Geschichte reicher.

Dass sich das nordkoreanische Paar mit Saisonbestleistung für die Kür heute ab 10.30 Uhr (2.30 MEZ) qualifiziert hatte, geriet zur Nebensache. Neben acht weiteren Athleten im Ski Alpin, Shorttrack und Langlauf sowie zwölf Vertreterinnen im vereinten koreanischen Eishockeyteam sind sie die einzigen Vertreter aus dem Norden, die an Olympia in Südkorea teilnehmen dürfen.

Wie sich Ryom und Kim sich nach ihrem flotten, modernen Auftritt zum Beatles-Hit „A day in the life“ fühlten, wurde dagegen nicht deutlich. Hektisch führte eine Pressesprecherin das Paar aus Pjöngjang, das von einem Kanadier trainiert wird, durch die Fernsehinterviews. „Bitte schnell, bitte schnell“, weist die resolute Damen die Moderatoren gleich vorab in die Schranken. Schließlich zwei kurze Fragen, zwei kurze Antworten: „Wir sind sehr glücklich, hier mit anderen Nationen im Wettbewerb zu stehen“, sagte Ju Sik Kim. „Wir sind sehr glücklich, dass uns die südkoreanischen und nordkoreanischen Fans anfeuern. Wir fühlen die Kraft und Energie der koreanischen Zuschauer.“ Nachfragen? Keine.

Eine Umdrehung fehlt

Von alledem bekam das deutsche Paar Aljona Savchenko und Bruno Massot wenig mit. Die beiden lieferten ihre Darbietung als vorletztes und damit favorisiertes Paar zwischen zwei Vertretern der „Olympischen Athleten aus Russland“ ab. Allerdings patzte der Franzose beim Salchow und schaffte nur zwei statt drei Umdrehungen. Savchenko reagierte gefasst: „Es war ein Fehler, da kann man nix machen“, sagte die 34-Jährige.

Coach Alexander König ging dagegen mit seinem Schützling hart ins Gericht: „Aus einem dreifachen den zweifachen zu machen, das ist die Höchststrafe.“ Damit landete das Paar, das in Oberstdorf trainiert, zunächst auf Rang vier – mit großem Abstand zu den führenden Chinesen und Russen, allerdings in Schlagdistanz zum kanadischen Duo.

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