Oberstdorf Nordische Kombination: Die Leiden des Björn Kircheisen

"Ich muss mich anbieten, fix ist noch nichts": Björn Kircheisen, eigentlich Ersatzmann der deutschen Kombinierer, will nicht aufgeben. Foto: dpa
"Ich muss mich anbieten, fix ist noch nichts": Björn Kircheisen, eigentlich Ersatzmann der deutschen Kombinierer, will nicht aufgeben. Foto: dpa
Oberstdorf / KLAUS VESTEWIG 07.02.2014
Mit 13 Medaillen zählt Björn Kircheisen zu den erfolgreichsten nordischen Skisportlern weltweit. Der Winter aber hat für den Kombinierer flau begonnen. In Sotschi könnte es doch noch ein Happy-End geben.

Das kann sich sehen lassen: Björn Kircheisen hat bei sechs Weltmeisterschaften zehn Medaillen, davon vier in Einzelwettbewerben, gewonnen, dazu drei Plaketten bei drei Olympischen Spielen. All die Erfolge haben dem Nordischen Kombinierer in dieser Saison aber wenig genützt: Bei der Annäherung an seine vierte Olympia-Teilnahme hat sich 30-Jährige überaus schwergetan.

Vor allem beim Springen hat es für den bei Rückenwind besonders anfälligen Sachsen gar nicht gepasst. Erst am 22. Dezember schaffte der Routinier beim Schwarzwaldpokal in Schonach mit Platz sieben seine erste Top-Ten-Platzierung in diesem Winter.

"Es war keine einfache Saison. Es war von außen Druck da und von innen. Da geht auch das Laufen schlechter. Man kommt schnell in eine Spirale rein", sagt er beim Blick zurück und räumt ein: "Ich bin keine Maschine, ich kann nicht jedes Jahr 100 Prozent bringen. Ich muss akzeptieren, dass es so ein Jahr gibt." Die Leiden des Björn Kircheisen.

Obwohl die bisherige Korsettstange der deutschen Kombinierer am 4. und 5. Januar im russischen Tschaikowski zweimal Platz zwei belegte - freilich in Abwesenheit der gesamten Weltelite -, hatte er lange um das fünfte und letzte Olympia-Ticket der Kombis zittern müssen. Erst am 19. Januar bekam er von Bundestrainer Hermann Weinbuch grünes Licht. Die Begründung für den Zuschlag: Kircheisens läuferische Fähigkeiten wiegen auf der schweren Strecke in Sotschi mehr als die springerischen Vorzüge des 20-jährigen Baiersbronner Nachwuchsmannes Tobias Haug.

Top-Favorit Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Tino Edelmann und Fabian Rießle sind für die beiden Einzelwettbewerbe am 12. Februar (Normalschanze ) und am 18. Februar (Großschanze) sowie für die Staffel am 20. Februar (Großschanze) zunächst einmal fest nominiert, Kircheisen fällt die Rolle des Ersatzmannes zu.

"Ich möchte Olympia diesmal mehr genießen, das ist mir in den letzten Jahren nicht so gelungen. Ich freue mich, noch einmal dabei zu sein", beteuert Kircheisen. Ein fünfter Mann, der, zur Untätigkeit verdammt, gutgelaunt und anspornend die Wettkämpfe seiner Kollegen verfolgt, ist der sechsfache Junioren-Weltmeister und 16-fache Weltcupsieger aber wohl nicht. Schon beim letzten Weltcup vor Olympia hat er deutlich gemacht, dass er sich mit dem Reservistendasein nicht so ohne weiteres zufriedengibt. "Am Ende ist Sotschi entscheidend. Ich muss mich anbieten, fix ist noch nichts", sagt der Johanngeorgenstädter, dessen Freundin, die Snowboard-Riesenslalom-Weltmeisterin Isabella Laböck, sich ebenso für Sotschi qualifiziert hat.

Die beiden letzten Wettbewerbe in Oberstdorf haben in der Tat die Position Kircheisens verbessert. Der Breitnauer Rießle nämlich konnte in der Staffel, in der Kircheisen nicht aufgeboten war, weder an der Schanze noch auf der Skatingpiste vollauf überzeugen. Und tags darauf wurde Rießle, Achter nach dem Springen, Zwölfter, während Kircheisen, an der Schanze nur 27., die schnellste Zeit aller 45 Teilnehmer hinlegte und sich damit noch auf Position sieben katapultierte. Ein Aufrufezeichen. "Man weiß nicht, was vor Ort passiert", hat auch Rießle vorsichtig bemerkt.

Sollte also Rießle oder Edelmann in Sotschi in den Einzelrennen schwächeln, hätte Kircheisen eine sehr gute Chance, für den Mannschaftswettbewerb nominiert zu werden. Vor der Abfahrt am Samstag nach Sotschi haben die deutschen Kombis auf der großen Schattenbergschanze in Oberstdorf - die ähnelt der Großschanze in Sotschi - an der dringend nötigen Feinabstimmung beim Springen gefeilt. Zeigt bei Kircheisen die Formkurve beim Abschlusslehrgang weiter nach oben und bei Rießle nicht, wer weiß, ob der Altmeister nicht bereits in einem der beiden olympischen Einzelrennen ran darf.

Seine kämpferischen Qualitäten, wie in langen Jahren stets auf der Skatingpiste zu besichtigen, wird der Bundespolizist auch weiterhin in die Waagschale werfen. Seine klare Ansage an Trainerschaft wie Kollegen: "In jedem Jahr war der Saison-Höhepunkt schwierig. Das Letzte wird in Sotschi entschieden. Ich gebe nicht auf."

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