Colin Kaepernick NFL: Diskriminierungs-Debatte vor dem Saisonstart

Ulm / Tobias Knaack 06.09.2018

Natürlich geht es um den Quarterback. Case Keenum wechselt von Minnesota nach Denver; Kirk Cousins packt seine Sachen in Washington und nimmt dessen Platz in Minnesota ein; und Alex Smith verlässt Kansas City, um Cousins in der Hauptstadt zu ersetzen. Vor dem Start der neuen Saison in der US-Football-Liga NFL könnte man trefflich über die große Rochade hochdotierter Spielmacher reden – und darüber, was das für die Spielzeit 2018 heißt. Im Mittelpunkt aber steht ein Quarterback, der gar nicht mehr auf dem Feld steht, sondern nur noch abseits für Aufsehen sorgt: Colin Kaepernick. Der ehemalige Spielmacher der San Francisco 49ers hat gerade einen Werbevertrag mit Sportartikelhersteller Nike unterschrieben.

Eine Schwarz-Weiß-Diskussion

Das ist nicht spannend, weil Kaepernick viel Geld verdient, obwohl er sportlich keine Rolle mehr spielt. Nein, der Vertrag ist ein Statement, schließlich ist Kaepernick einer der umstrittensten Sportler der USA. 2016 hatte er vor einem Spiel bei der Nationalhymne  gekniet, um Polizeigewalt gegen Schwarze anzuprangern. Kaepernick, 30, Sohn einer Weißen und eines Afroamerikaners, ist seither entweder gefragter Gesellschaftskritiker oder Vaterlandsverräter. Dazwischen gibt es: nichts. Eine Schwarz-Weiß-Diskussion im doppelten Sinne.

Nike ist mit dem Deal ein  Marketing-Coup gelungen – und die Wiederbelebung der seit mehr als zwei Jahren schwelenden Debatte pünktlich zum NFL-Start. Der Sport spielte da zuletzt nur eine Nebenrolle. Dabei gäbe es gerade aufgrund der Wechselperiode genug Spannung. Etwa die Frage, welche der Conferences, aus denen am Ende die Super-Bowl-Teilnehmer kommen, die stärkeren Teams stellt. Experten halten die NFC, die National Football Conference, für stärker als die AFC, die American Football Conference. In der NFC werden den Atlanta Falcons um Quarterback Matt Ryan, den Green Bay Packers mit Spielmacher Aaron Rodgers sowie den Los Angeles Rams gute Chancen eingeräumt, in den Super Bowl einzuziehen.

Die 53. Auflage findet im Februar übrigens in Atlanta statt. Für die Falcons könnte es also ein „Finale daheim“ geben. Champion Philadelphia, New Orleans, Seattle, Tampa Bay sowie Dallas sind ebenfalls Kandidaten für die Playoffs. Der Weg nach Atlanta führt laut NFL-Insider Gregg Rosenthal aber über Atlanta.

In der AFC wird die Frage einmal mehr lauten: Wer kommt an den New England Patriots vorbei? Das Team, eine Art Bayern München des American Football, prägt die Liga seit mehr als anderthalb Dekaden. Gemeinsam mit Coach Bill Belichick orchestriert Tom Brady, der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten, Jahr für Jahr eine explosive Offensive. Fünf Super-Bowl-Siege seit 2002 sprechen eine klare Sprache. Doch eine weitere Finalteilnahme – es wäre die dritte in Folge – dürfte dieses Jahr schwerer werden als zuletzt. Insbesondere die Los Angeles Chargers um Spielmacher Philip Rivers gelten als erster Herausforderer. Weitere Playoff-Kandidaten sind Jacksonville, Tennessee, Kansas City, Baltimore und Pittsburgh.

Der Auftakt in der Nacht auf Freitag (2.20 Uhr MESZ, live auf ran.de) ist ein NFC-Kracher: Titelverteidiger Philadelphia empfängt mit Atlanta ein Team, das bereits in den vergangenen Jahren immer wieder als Titelkandidat galt – und 2017 schon kurz vor dem Gewinn der Vince-Lombardi-Trophy stand. Doch Ryan und Co. verspielten gegen die Patriots eine 25-Punkte-Führung und verloren am Ende 28:34.

Vor dem ersten Spiel der neuen Saison wird mit Spannung auf Champion Philadelphia geschaut: Stamm-Quarterback Carson Wentz ist nach schwerer Verletzung noch nicht wieder fit – und Super-Bowl-Held Nick Foles außer Form. Er wird am Donnerstag aber als Starter auflaufen.

Aus deutscher Perspektive geht der Blick vor allem nach Green Bay und San Francisco: Bei den Packers hat Passempfänger Equanimeous St. Brown den Sprung in den 53-Mann-Kader geschafft und Linebacker Mark Nzeocha gehört bei den 49ers zum Aufgebot. Andere Talente wie Moritz Böhringer (ehemals Schwäbisch Hall), Christopher Ezeala, Eric Nzeocha oder Kasim Edebali haben es nicht in die Kader ihrer Teams geschafft.

Die besten Chancen auf einen Start am ersten Spieltag hat Mark Nzeocha in San Francisco; Aussichten auf einen Super-Bowl-Ring indes dürfte nur St. Brown mit den Packers haben. Bis nach Atlanta aber ist es ein weiter Weg. Und der wird auch in der Saison 2018 wieder von den Quarterbacks bereitet. Und definitiv noch weiter ist der Weg in der von Kaepernick angestoßenen Debatte.

Das Ziel heißt Atlanta

Aufbau 32 Teams spielen in der NFL. Sie verteilen sich auf zwei Conferences, die National Football Conference (NFC) und die American Football Conference (AFC). In NFC und AFC spielen je 16 Teams, die wiederum in vier Divisionen antreten.

Ablauf Bis Ende des Jahres wird die sogenannte Regular Season ausgespielt, an insgesamt 17 Spieltagen: Jedes Team tritt 16 mal an und hat eine Woche spielfrei. Im Januar beginnen die Playoffs – vom Wild-Card-Weekend führen sie über die Divisional Round und die AFC- und NFC-Championship-Spiele bis in den Super Bowl in Atlanta. tk

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