Herr Rudziok, Mona Steigauf vom USC Mainz ist als Geschäftsführerin beim SSV 46 eingestiegen, Sie waren auch beim USC Mainz und sind jetzt in Ulm. Ein Zufall?
JULIAN RUDZIOK: Witzigerweise ja. Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Verein bei Marburg, dem FV Wallau. Wir waren so ums Jahr 2000 kurz beim selben Trainer aktiv: Otmar Velte. Da war ich etwa 16, aber Mona hat dann schon bald ihre Leichtathletik-Karriere beendet. Schließlich haben wir uns beim USC Mainz wieder getroffen, wo sie ebenfalls Geschäftsführerin war.

Und bei der Deutschen Meisterschaft im Juli hatten Sie beide in Ulm quasi Ihren Vorstellungstag?
Da gab es Gespräche mit Mona. Das war genau der Tag, als ich Wolfgang Beck (Leichtathletik-Abteilungsleiter des SSV 46, Anm. d. Red.) zugesagt habe. Als ich sein Angebot bekam, mich zu bewerben, musste ich nicht lang überlegen. Es ist eine tolle Aufgabe, obwohl ich als Referent bei der Trainerakademie des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Mainz viereinhalb Jahre lang einen interessanten Job hatte.

Wie sind Ihre ersten direkten Eindrücke von der Ulmer Leichtathletik?
Nach der Phase des Kennenlernens sind wir jetzt zur normalen Trainingsarbeit übergegangen. Von Mittwoch an geht es mit einem 19-köpfigen Team ins beim SSV 46 gewohnte Trainingslager nach Montegordo an Portugals Algarveküste.

Mehrkampf ist die Ulmer Domäne. Wo liegen Ihre Schwerpunkte?
Ich habe in den letzten zwei Jahren in Mainz auch Mehrkämpfer trainiert, komme aber aus dem Sprint- und Sprungbereich. Das hat für mich auch hier Priorität, zumal wir mit Christopher Hallmann einen hervorragenden Mehrkampftrainer haben. Wir kennen und schätzen uns übrigens seit der A-Trainer-Ausbildung in Mainz. Mein Schwerpunkt sind künftig der Nachwuchsbereich U 18 und U 20 sowie das Training der Aktiven im Sprint und Sprung plus der weibliche Mehrkampf-Bereich. Sehen muss man allerdings auch unser gesamtes Trainerteam, mit dem wir hier in Ulm stark aufgestellt sind, um insgesamt rund 30 Leistungssportler gut betreuen zu können. Das ist schon eine prima Truppe.

Die Ziele sind hoch gesteckt. Der SSV 46 will mindestens einen Zehnkämpfer zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio schicken. Wie sehen Sie die Perspektiven?
Das ist jedenfalls absolut nicht utopisch. Arthur Abele hat ein bemerkenswertes Comeback gefeiert. Mathias Brugger war als junges Talent schon bei der EM 2012 dabei. Tim Nowak, unser WM-Dritter bei den Junioren, könnte vielleicht für die große Überraschung sorgen. Im Zehnkampf weiß man nie, was passiert. Die nationale Konkurrenz ist groß, sie beflügelt alle. Aber bei nur zwei großen Qualifikationswettkämpfen entscheidet sich dann am Ende, wer die Tickets bekommt.

Sie sind Nachfolger von Stefan Preß, der schon vor einem halben Jahr - für viele überraschend - beim SSV 46 aufgehört hat. Bleibt dadurch jetzt viel aufzuholen?
Es war ganz sicher ein schwieriges Jahr. Aber das Team hier hat sehr gut funktioniert und die Situation aufgefangen. Sonst wäre bestimmt nicht mehr so viel da, wie jetzt noch da ist. Trotzdem ist ein bisschen was auf der Strecke geblieben. Vergleicht man die Leistungen von 2013 und 2014, muss man feststellen: Bei den meisten Athleten stagniert es, oder sie haben sich leicht verschlechtert. Allerdings zeigen mir der Trainingseinsatz und die technischen Möglichkeiten, was künftig möglich ist. Das stimmt mich sehr, sehr positiv.

Wie sehen Sie den Stellenwert Ulms für die deutsche Leichtathletik?
Durch die Deutschen Meisterschaften ist der Stützpunkt Ulm in aller Munde. Die Unterstützung der Stadt und die generellen Möglichkeiten hier sind gut. Das kennt man aus der Leichtathletik auch anders. Wir müssen uns jetzt sportlich dahin weiterentwickeln, flächendeckend gute Leistungen abrufen zu können, um zum Beispiel bei einer DM mit mehr Einzelsportlern vertreten zu sein.

Bisher ragen vor allem die Erfolge der Zehnkämpfer heraus.
Absolut. Und der DLV belohnt diese Leistungen auch. Unsere Mehrkämpfer sind fester Bestandteil der Nationalmannschaft ihrer Altersklassen.

Wie zeigt sich das in der Kader-Einstufung?
Arthur Abele, der EM-Fünfte, rückt in den A-Kader auf. Tim Nowak kommt in den B-Kader, in dem aktuell schon Mathias Brugger steht. Manuel Eitel, der deutsche U-18-Meister, ist nun im C-Kader. Dazu kommen Hochspringer Benno Freitag und Wurftalent David Hirschmann: Beide werden vom C- in den B-Kader hochgestuft. Und Wolfgang Beck sagt zu Recht: Wir sind in die Champions League der Zehnkämpfer aufgestiegen.