Ski Alpin Nach Neureuthers Verletzung ist David Ketterer zur Stelle

In Levi zeigte David Ketterer bis zu seinem Fehler ein starkes Rennen. Zehn Tore vor dem Ziel hatte er die fünftbeste Zeit. 
In Levi zeigte David Ketterer bis zu seinem Fehler ein starkes Rennen. Zehn Tore vor dem Ziel hatte er die fünftbeste Zeit.  © Foto: Parkkinen
Von Marius Faller 30.11.2017
Ski Alpin. Nach dem Kreuzbandriss von Superstar Felix Neureuther stehen nun die anderen deutscher Fahrer in der Verantwortung. Einer von ihnen ist der gebürtige Schwarzwälder David Ketterer. Der setzt bei seinen Rennen auf Risiko.

In der Physik wird oft von Reibung, Beschleunigung, Geschwindigkeit und Zeit gesprochen. Im Gegensatz zu anderen Physikstudenten erfährt David Ketterer diese Faktoren allesamt am eigenen Leib – nach der Vorlesung auf dem College in Colorado geht es für den Technik-Spezialisten direkt auf die Piste. Dort setzte der 24-Jährige zuletzt ein Ausrufezeichen: Beim Weltcup-Auftakt im finnischen Levi ging Ketterer mit der Startnummer 31 in das Rennen und konnte im ersten Durchgang zehn Tore vor dem Ziel die fünftbeste Zwischenzeit aufweisen. Dann schied er jedoch durch einen Fehler aus. In Zukunft will der Hochemminger länger im Rennen bleiben, ohne seinen riskanten Fahrstil aufzugeben.

Herr Ketterer, wie haben Sie den Unfall von Felix Neureuther erlebt?

David Ketterer: Wir haben zusammen in Copper Mountain trainiert. Ich wollte mich gerade zur Heimfahrt aufmachen, da sehe ich, wie Felix vom Hang kommt. Anschließend habe ich ihm noch im Hotel geholfen.

Was bedeutet seine Verletzung für das deutsche Team?

Es ist immer wichtig wenn man jemanden wie Felix hat, der Rennen gewinnt, und von dem man sich im Training viel abschauen kann. Aber wir wollen zeigen, dass es noch mehr Deutsche gibt, die schnell Ski fahren können.

... was Sie in Levi schon getan haben. Wie ärgerlich war das Ausscheiden?

Es war sehr ärgerlich, gerade weil ich so schnell unterwegs war. Für das Selbstvertrauen war es jedoch gut zu sehen, dass ich den Speed habe, um ganz vorne mitzufahren.

Wollten Sie möglicherweise zu viel?

Auch mit ein bisschen Abstand denke ich, dass es die richtige Herangehensweise war. So will ich fahren, ich will Risiko gehen.

Sie sind viel unterwegs, bleibt da noch Zeit für Heimatbesuche?

Ich studiere ja in den USA, bin im August rüber geflogen und werde voraussichtlich das nächste Mal an Weihnachten zuhause sein. Es ist gerade sehr viel zu tun mit Studium und Weltcup.

Was waren die Gründe für den Studienbeginn in Colorado?

Ich wollte immer studieren. Mich weiterzubilden entspricht meinem Naturell. Physik interessiert mich sehr und so kann ich nach meiner Karriere einen Beruf ausüben, der mich weiterbringt.

Was sprach für die USA – und somit gegen Deutschland?

Das System in den USA ist besser darauf ausgelegt, Studium und Sport zu kombinieren.  Wenn ich nicht mit dem deutschen Weltcupteam unterwegs bin, trainiere ich mit der Collegemannschaft.

Wie schaffen Sie es, den Kopf trotz College-Stress mit Klausuren frei für die Rennen zu haben?

Ich will jede Minute zum Trainieren oder Lernen nutzen. Ein Geheimrezept habe ich nicht, man muss alles einfach abarbeiten.

Zurück zum Weltcup. Was sind Ihre langfristigen Ziele?

Ich versuche mich recht wenig an irgendwelchen Ranglisten oder Ergebnissen zu orientieren.

Woran dann?

Man hat als Sportler ja das Gefühl, wann man sich am Limit bewegt und weiß, wann man seine 100 Prozent abgerufen hat. Das sind die Ziele, auf die ich mich am meisten fokussiere. Wenn ich daran weiter arbeite, wird es auch an Ergebnissen nicht mangeln.

Wissen Sie schon, wie viele Slalomfahrer nach Pyeongchang reisen?

Zu Olympia fährt, wer die Norm erreicht und wenn es mehr als vier sind, fahren die besten Vier.

Haben Sie Olympia im Hinterkopf?

Das ist für jeden Sportler ein Traum. Im Endeffekt fährt man zu Olympia, wenn man schnell Ski fährt, und deshalb liegt mein Fokus auf dem schnellen Skifahren.

Der slalomfahrende Physikstudent

David Ketterer wurde am 22. Juni 1993 geboren. Er stammt ursprünglich aus Hochemmingen bei Bad Dürrheim. Aktuell steht für ihn Slalom im Fokus, langfristig sieht er sich eher im Riesenslalom. Das Rennen in Levi war seine dritte Weltcupteilnahme. Am Sonntag will er in Beaver Creek an den Start gehen, zuletzt war er jedoch leicht am Rücken verletzt. mf