Raumgreifende 2,60 Meter lang ist ein Schritt, den Felix Franz bei einem Rennen über 400 Meter Hürden macht. Mit riesigen Schritten nähert sich das Aushängeschild der Leichtathletik-Gemeinschaft Neckar-Enz auch seinem sportlichen Mega-Ziel: die Olympischen Sommerspiele 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro.

Das zu Ende gehende Jahr ist für den seit August in Bietigheim-Bissingen lebenden Franz sehr erfolgreich verlaufen. Nach dem gewonnenen Titel bei der U-23-DM in Wesel wurde er im Ulmer Donaustadion auch bei den Aktiven in seiner Paradedisziplin deutscher Meister - in einer Zeit von 49,34 Sekunden. Drei Wochen später trumpfte der 21-Jährige im August dann bei der EM in Zürich groß auf. Im Halbfinale stellte er mit 48,96 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit auf und stürmte ins Finale, wo er Fünfter wurde.

In der aktuellen Weltrangliste wird Franz als schnellster Deutscher und sechstbester Europäer auf Platz 21 geführt. Überhaupt ist er erst der neunte Deutsche, der die magische 400-Meter-Hürden-Marke von 49 Sekunden geknackt hat.

Kein Wunder also, dass viele Vereine ein Auge auf Franz geworfen haben und ihn am liebsten in ihrem Trikot sehen würden. Doch der Umworbene ist bodenständig und nicht auf Geld aus. "Die Angebote habe ich immer dankend abgelehnt", sagt der gebürtige Ludwigsburger, der an der Uni Stuttgart im siebten Semester Verfahrenstechnik studiert und außer in Bietigheim auch am Olympiastützpunkt in der Landeshauptstadt trainiert.

Um ihren Star zu halten, haben die LG und deren Förderkreis alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt und Sponsoren für ihn gesucht - und auch gefunden. Ein Pool regionaler Unternehmen unterstützt Franz inzwischen. Er ist somit der erste und bisher auch einzige Vertragsathlet der LG. Der Hürden-Spezialist, der seit diesem Jahr auch einen eigenen Manager hat, erhält einen monatlichen Betrag, der in erster Linie seine Unkosten deckt: Miete, Auto, Benzin und vor allem der Eigenanteil für die Trainingslager. Denn von der Deutschen Sporthilfe werden nur 20 Prozent dieser Reisen übernommen. "Mit dem Geld der Sponsoren mache ich kein Vermögen, aber es deckt die laufenden Kosten ganz gut", sagt Franz und betont: "Ich will mit dem Sport nichts verdienen." Ob er von Adidas oder Puma ausgerüstet wird, wird sich im Frühjahr entscheiden.

Der Aufwand ist für Franz mit der Zeit und den Erfolgen immer größer geworden. Statt zwei, drei Wochen geht er inzwischen zehn bis zwölf Wochen in ein Trainingslager. Und auch der Radius hat sich verändert. Statt Österreich heißen nun Lanzarote, Florida oder zuletzt Südafrika die Ziele. Am Kap der Guten Hoffnung trainierte der Bietigheimer drei Wochen als einer von 60 Athleten aus dem Topteam des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Der 100 Personen starke Tross umfasste auch alle Bundestrainer und gleich zwölf Physiotherapeuten. "Es war schön, mit dem ganzen Team einmal in einer entspannten und lockeren Atmosphäre zusammen zu sein. Da sieht man auch, dass die anderen Sportler oft dieselben Probleme haben wie man selbst", erzählt Franz.

Bei ihm ist das Problem der Rücken, sozusagen ein Familienerbstück. Jeden Montagmorgen fährt das Hürden-Ass daher nach Bruchsal, um sich von einem Spezialisten behandeln zu lassen. Franz trägt's mit Fassung. "Leistungssport ist nun mal kein Gesundheitssport. Da gibt es Verschleißerscheinungen. Von allen Leistungssportlern, mit denen ich trainiere, bin ich derjenige, der bisher die wenigsten Verletzungsprobleme hatte. Ich hatte zum Beispiel noch nie einen Muskelfaserriss", sagt der Student, der sehr auf seinen Körper achtet, denn: "Ich habe auch ein Leben nach dem Leistungssport und will mal nicht als Sportinvalide herumlaufen."

Ein besonders inniges Verhältnis hat Franz zu seinem LG-Trainer und Ziehvater Thomas Riegraf, bei dem er einst im Alter von vier Jahren mit der Leichtathletik angefangen hat. "Er gibt mir Sicherheit und ist für mich wie ein Vater. Diese Verbindung ist mir extrem wichtig", sagt der aufstrebende Athlet von der Enz. Abgesehen von Riegraf kümmern sich auch die Stützpunkttrainer Sven Rees und Marlon Odom um Franz den aufstrebenden Athleten von der Enz und geben Anregungen. Die Jahresplanung und den Hauptteil der Arbeit macht jedoch weiter sein Heimtrainer.

"Bei Felix muss man immer abwarten. Erst hat er eine hervorragendes Jahr und dann ein nicht ganz so gutes", sagt Riegraf. Ein nächster Meilenstein ist für Franz 2015 die U-23-EM im Juli in Tallinn (Estland). Bei seinem letzten Start im Juniorenbereich soll es endlich auch mal mit einer Medaille klappen. Ein weiterer wichtiger Wettkampf ist kurz darauf die deutsche Meisterschaft in Nürnberg, wo sich Franz für die WM in Peking qualifizieren will. Der ehrgeizige Sportler jedenfalls hat Blut geleckt. Sein Traum von Olympia wird immer realer.

LG-Team Olympia 2016

Die vier Vereine Die 1972 gegründete LG Neckar-Enz besteht aktuell aus den Vereinen TSV Bietigheim, Spvgg Besigheim, TSV Bönnigheim und VfL Gemmrigheim. Die Leichtathletik-Gemeinschaft hat insgesamt 1100 Mitglieder, je 30 Trainer mit und ohne Lizenz sowie 26 Trainingsgruppen, von den Läufern bis zu den Werfern.

Die Stars Die Spitzenathleten mit den besten Perspektiven bilden das Projektteam Olympia 2016. Dazu zählen neben Hürden-Ass Felix Franz auch Läuferin Daniela Ferenz, Stabhochspringerin Tamara Schaßberger und Zehnkämpfer Felix Hepperle. Im nächsten Jahr stößt auch 400-Meter-Spezialistin Nicole Ferenz zu diesem erlauchten Kreis der Topsportler.

Die Förderer Unterstützt wird die LG und speziell Aushängeschild Felix Franz von Förderern aus der Region, darunter die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, die Bietigheimer Wohnbau, die KSK Ludwigsburg, Weller Automobile, Bär, Olymp, Geiger Antriebstechnik und USU Software AG. ae

SWP