Genf Michael Schumachers Schicksal

Genf / SID/EB 29.12.2014
Am 29. Dezember 2013 nahm das Leben von Michael Schumacher eine dramatische Wendung. Heute jährt sich der folgenschwere Skiunfall des Formel-1-Rekordweltmeisters zum ersten Mal. Mit Kommentar von Thomas Gruber: Warmherzige Momente.

Für einen Moment herrschte Schockstarre - in diesem Augenblick, in dem aus Ahnung Gewissheit, in dem das Unmögliche Realität geworden war - und nach dem nichts mehr so sein sollte wie zuvor im Leben von Michael Schumacher: Der tragische Skiunfall des Formel-1-Rekordweltmeisters am 29. Dezember 2013 im französischen Meribel sorgte für Bestürzung und Fassungslosigkeit, aber auch rund um den Globus für Anteilnahme. "KeepFightingMichael", kämpfe weiter - das war und ist das Motto aller Freunde und Fans des großen Sportlers und Familienvaters.

Wie es Michael Schumacher wirklich geht, das wissen nur die engsten Vertrauten - und die schweigen. "Michael macht Fortschritte, die der Schwere seiner Verletzung angemessen sind. Es wird ein schwerer und langer Weg", sagte Sabine Kehm vor rund einem Monat. Sie, die Managerin, spricht in der Öffentlichkeit für die Familie - wenn auch selten.

Geschuldet ist dies auch dem Medienhype in den ersten Tagen nach dem Unfall. Reporter und Kamerateams belagerten das Krankenhaus in Grenoble, in dem Schumacher nach zwei Operationen im Koma lag. Neue Gerüchte machten quasi stündlich die Runde, Ärzte mussten Pressekonferenzen geben.

Schließlich bat Corinna Schumacher Anfang Januar eindringlich: "Verlassen Sie die Klinik. Bitte lassen Sie auch unsere Familie in Ruhe." Trotzdem wurde jede Einzelheit des schicksalhaften Tages untersucht und bewertet. Fuhr Schumacher zu schnell? Fuhr er, wo er nicht hätte fahren dürfen? Wer trägt die Schuld? Die Staatsanwaltschaft Albertville trug alle Fakten und Zeugenaussagen zusammen, sah sich die Bilder von Schumachers Helmkamera an, untersuchte Skier, Bindung, den zerstörten Helm - und kam schließlich zu einem nüchternen Ergebnis: Michael Schumacher hatte einfach unfassbares Pech.

Er, der bei mehr als 300 Rennen in der Formel 1 von schlimmen Unfällen verschont geblieben war, stürzte beim entspannten Skifahren mit Familie und Freunden unglücklich, schlug auf einen Felsen und zog sich dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu.

Es sollten nach dem Unfallbericht noch Wochen vergehen, bis es die ersten Nachrichten gab, die ein wenig Hoffnung versprachen. Ende Januar wurde die Aufwachphase eingeleitet, doch erst Mitte Juni hieß es dann offiziell: Michael ist nicht mehr im Koma.

Schumacher wurde für Rehabilitationsmaßnahmen von Grenoble nach Lausanne verlegt und durfte im September schließlich in sein eigenes Haus am Genfer See zurückkehren.

Dort kämpft er um die Rückkehr in ein normales Leben, unterstützt von seiner Familie und vermisst von seinen Freunden.

Es gibt sehr wenige Personen, über die man nicht einmal zuverlässig weiß, ob sie sich nur wichtig machen wollen, die berichten, sie hätten Schumacher gesehen: Im Rollstuhl sitzend, nicht einmal in der Lage - weder zu sprechen, noch sich selbstständig zu bewegen.

"Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dir heute persönlich diesen Preis überreichen zu können. Du hast als Mensch, aber auch als Sportler Großes erreicht", sagte der viermalige Champion Sebastian Vettel in seiner Laudatio bei der Bambi-Verleihung im November über den Preisträger, der auch ein Jahr nach jenem schicksalhaften Moment einen festen Platz in den Herzen und Gedanken vieler Menschen hat.

Kommentar von Thomas Gruber: Warmherzige Momente

Nein, eine Rolle sollte es nicht spielen, ob jemand Motorsport mag oder nicht, wenn über das Schicksal des Michael Schumacher gesprochen wird. Der Rekord-Weltmeister der Formel 1 verunglückte verhängnisvoll beim Freizeitsport. Es bleibt bis jetzt ein unvermutet intensives Mitgefühl.

Wer sich im vergangenen Jahr im Umfeld der Formel 1 bewegte, der wurde zuallererst nicht etwa in der Mehrheit auf den Titel-verteidigenden und Vierfach-Champion Sebastian Vettel angesprochen, auch nicht auf die Mercedes-Dominanz. Die erste seriös gestellte Frage abseits des Small-Talks lautete stets: "Wissen Sie etwas Neues von Michael? Wie geht's ihm?" Die sonst so skrupellose, eiskalte Formel-1-Branche hat dadurch auf groteske Weise sogar warmherzige Erfahrungen gemacht.

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