Ulm / MANUELA HARANT  Uhr
Der deutsche Leichtgewichts-Doppelvierer gehört bei der Ruder-WM in vier Wochen zu den Medaillenfavoriten. Die Form für den Kampf um Gold holt sich das Quartett zwischen Ulmer Münster und Friedrichsau.

Ganz locker und leicht sieht es aus, wie der deutsche Frauen-Doppelvierer über das glatte Wasser gleitet. Doch jedes der vier Leichtgewichte leistet rund 280 Watt bei jedem Schlag. Begleitet von den Kommandos von Trainer Marcus Meier setzen Lena Müller und Leonie Pieper vom Ulmer Ruderclub Donau (URCD) sowie Anja Noske (Saarbrücken) und Katrin Thoma (Frankfurt) immer wieder zum Zwischenspurt an. Es geht am Ulmer Münster vorbei, am Maritim Hotel, an der Friedrichsau, doch für die Postkarten-Idylle haben die Vier keinen Blick. „Die Hände zusammenführen – und ab geht’s“, ruft Meier dem Quartett vom Motorboot aus zu.

In vier Wochen soll der Leichtgewichts-Doppelvierer (Durchschnittsgewicht 57 kg pro Ruderin) so weit sein, dass er bei den Ruder-Weltmeisterschaften im französischen Aiguebelette ab 30. August um die Goldmedaille mitrudert. „Eine Medaille, eigentlich sogar eine ,bessere’ Medaille ist das erklärte Ziel“, sagt URCD-Coach Marcus Meier, der zum ersten Mal bei einer WM für ein spezielles Boot verantwortlich zeichnet. Diese und nächste Woche rudern die Hoffnungsträgerinnen noch die Donau rauf und runter, dann geht es nach Rostock ins Trainingslager und am 12. August geht’s dann schon nach Aiguebelette.

Dass der leichte Doppelvierer keine olympische Bootsklasse ist, stört weder Ruderinnen noch Trainer, im Gegenteil. „Es ist etwas Besonderes, mit einer Vereinskollegin im Boot zu rudern. Diese Möglichkeit bietet nur der Doppelvierer“, sagt Lena Müller, die sonst mit der Saarbrückerin Anja Noske im olympischen Doppelzweier die deutschen Farben vertritt. Doch aus gesundheitlichen Gründen hatte das Duo im Frühsommer noch nicht die erforderliche Form und rutschte ins zweitwichtigste Mannschaftsboot im Skull-Rudern.

Das macht den Frauen-Doppelvierer, der vergangenes Jahr in Amsterdam WM-Bronze gewonnen hat, umso stärker. „Letztes Mal saßen schon Leonie Pieper und Katrin Thoma mit im Boot. Da sie jetzt noch durch zwei der besten deutschen Leichtgewichte verstärkt werden, haben wir schon eine Art Favoritenrolle“, gesteht Meier. Allerdings gibt es noch den Unsicherheitsfaktor, dass noch nicht alle Nationen ihre WM-Besetzungen gemeldet haben. „Die Niederlande sind sicherlich ein schwerer Gegner. Aber wir müssen sowieso mehr auf uns schauen“, sagt Meier.

Der Trainingsplan steht: Aktuell geht es noch um Kondition und „Bootsfindung“, das harmonische Rudern im Team. Pro Woche reißt das Quartett auf dem drei Kilometer langen Donau-Abschnitt ein Pensum von rund 280 km herunter. Je näher es Richtung WM geht, desto mehr stehen Wettkampfhärte und Spritzigkeit im Vordergrund.

Um nicht „betriebsblind“ zu werden, hat sich Meier auch ein paar Tipps vom stellvertretenden URCD-Vorsitzenden und Bundesstützpunktleiter Raimund Hörmann geholt, der 1984 Olympiasieger im Doppelvierer wurde. „Er schaut noch einmal anders auf das Boot. Nicht als Trainer, sondern als Sportler“, sagt Meier. „Es ist interessant zu sehen, wie sich unsere Perspektiven ergänzen.“ Und falls das Quartett in vier Wochen tatsächlich den Titel holt, dann ist sicher: Der Grundstein dafür wurde auf dem Ulmer Donauwasser gelegt.