Tennis Senioren-WM Lokalmatador Alexander Windisch zu seinem Viertelfinal-Aus

Alexander Windisch zog die Zuschauer bei der Tennis-Senioren-WM in  seinen Bann.
Alexander Windisch zog die Zuschauer bei der Tennis-Senioren-WM in  seinen Bann. © Foto: Matthias Kessler
Neu-Ulm / Helen Weible 23.08.2018

Alexander Windisch zieht die Zuschauer bei der Tennis-Senioren-WM in seinen Bann. Im Achtelfinalspiel gegen Henrik Holm reihten sich gut 200 Zuschauer um den Court bei der Anlage des NTK Blau-Weiß, um keinen Schlag des braun gebrannten Junggebliebenen zu verpassen. Mit der Cappy verkehrt herum auf dem Kopf überzeugt er beim 7:6, 6:3. Als amtierender Europameister wäre er der Topanwärter auf den M-50-WM-Titel gewesen. Gestern hatte Jorge Tagliaferro aber etwas dagegen. 6:1, 1:6, 7:5 hieß es für den Spanier nach sieben Stunden mit einigen Unterbrechungen. Trotz einer Zerrung im zweiten Satz warf der an fünf gesetzte Spanier Windisch aus dem Rennen. Während der zweiten Turnierwoche sprach der 50-Jährige über seine Tennis-Vergangenheit und -Gegenwart.

Wie steht es um das Niveau bei dieser WM, nachdem sie anfangs glasklare Siege feiern konnten?

Alexander Windisch: Es ist oft so, dass man die ersten Runden relativ easy gewinnt. Aber ab den letzten 16 kommen nur gute Spieler, da gibt es kein leichtes Match mehr. Es gibt zwei Sorten von Spielern: die Ehemaligen, die es noch drauf haben und die Unbekannten, die frisch und ausgeruht dazukommen.

Hätten Sie gedacht, dass Sie jemals bei einer Tennis-WM um den Titel mitspielen, noch dazu daheim, in Ulm und Neu-Ulm?

Nein, ehrlich gesagt, vor ein paar Jahren hätte ich das nicht gedacht. Zu der Zeit, als ich mir die zwei neuen Hüften einbauen lassen habe, war ich für sieben, acht Jahre kaum auf Tennisplätzen unterwegs, hab keine Turniere gespielt. Mit meinen Töchtern habe ich etwas gespielt. Ich war mit ihnen auch auf Turnieren unterwegs. Florian Ebner, der für die WM hauptverantwortlich ist, hat mich eines Tages dazu bewegt, nach Südfrankreich zu fahren, und ein Turnier zu spielen. Da hab ich gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht spiele. Vor drei Jahren bin ich dann in die Senior Tour eingestiegen. Erst habe ich Spieler der niedrigen Kategorie besiegt, aber dann auch Grade-A-Matches gewonnen. Die letzten zwei Jahre läuft es bekanntlich richtig gut.

Aktuell sind Sie drittbester Spieler der Welt hinter Marco Filippeschi (51) aus Italien, der inzwischen ausgeschieden ist und Terry Deeth (50) aus Australien. Wie stehen die Chancen, wieder ganz oben zu stehen?

Der WM-Sieg gibt am meisten Punkte für diese Rangliste. Mit Turnieren kann ich den Vorsprung kaum aufholen. Insofern: Wer die WM gewinnt, ist weiter vorne. Mit dem Australier teile ich mir gerade immer die Plätze zwei und drei. Darum war das Turnier hier auch so wichtig.

Sind Sie ein Weltenbummler?

Im Jahr spiele ich sieben, acht Turniere, die meist eine Woche dauern. Ich suche mir  aber ausschließlich in Europa aus. Im Herbst wären auch eine Hand voll Turniere in Südamerika, aber das ist mir zeitlich ein zu großer Aufwand. Ich möchte die Orte mit dem Flugzeug schnell erreichen können. Finnland war schön, direkt am Meer und sehr ruhig, da hab ich jetzt zwei Mal einen Matchball gehabt und das Finale verloren. Werde nächstes Jahr wieder hinfahren und hoffentlich gewinnen.

Wie steht Ihre Familie zum Tennis?

Meine Töchter haben beide auch sehr gut Tennis gespielt. Mittlerweile sind sie in einem Alter, wo sie weniger Lust darauf haben, sie sind nicht so enthusiastisch dabei wie ich (lacht). Meine Frau spielt auch für sich, hat aber mehr Berührung zum Sport durch ihr Sportmode-Label Sportkind.

Inwiefern sind Sie mit Ihrer Werbeagentur bei der WM involviert?

Wir haben alle Logos und Grafiken und all das Sichtbare für die WM entworfen. Mein Teil war auch, die Präsentationen vorzubereiten, um die von Florian Ebner und Sabine Schmitz initiierte WM-Bewerbung zu unterstützen. Im Vorfeld gab es eine Menge zu tun, auch noch in der ersten Woche.

Wieviele Jahre haben Sie den Schläger schon in der Hand?

Angefangen hat alles in Ehingen. Trainer Slobodan Radulovic, der mittlerweile verstorben ist, war mir wie ein Vater. Als ich mit zwölf angefangen habe und wie ein Verrückter mit der Ballmaschine trainiert habe, war ich mehr auf dem Tennisplatz als in der Schule.  Die anderen sind ins Freibad und ich bin zum TC Ehingen abgebogen. Radulovic war derjenige, der mich immer unterstützt und meine Leidenschaft forciert hat. Später haben wir noch Trainingscamps in Kroatien und Slowenien organisiert, er ist dann nach Biberach gewechselt, aber wir hatten ständig Kontakt und wenn wir uns sahen, haben wir immer zusammen Tennis gespielt. Wenn er noch leben würde, wäre die WM hier sicherlich eine tolle Sache für ihn.

Sie sind beinahe vom selben Jahrgang wie Boris Becker (1967). Erzählen Sie von Ihren Begegnungen mit ihm.

Gegen Boris Becker habe ich nie gespielt, aber häufiger mit ihm trainiert. Das war zu meiner Zeit mit Iphitos München.  Als Becker in München gelebt hat, hat er sich ein paar Sparringspartner vom Bundesliga-Team herausgepickt. Mit Michael Stich war ich ja in der Mannschaft, auch mit dem ehemaligen Davis-Cup-Spieler Bernd Karbacher sowie dem Schweden Stefan Erikson. Das war eine erfolgreiche Zeit, da ich mit dem Team 1990 Deutscher Meister geworden bin.

Als Senior auf diesem Niveau – was muss man eigentlich wöchentlich tun, um den Weltranglistenplatz zu halten?

Am besten ist es, jeden Tag Tennis zu spielen und drei oder vier Mal zum Fitness zu gehen. Dadurch, dass ich selbstständig bin, kann ich auch mal über die Mittagszeit rausgehen und etwas für meinen Körper tun. Ich nehme mir immer die Zeit dazu.

Tennis mit zwei künstlichen Hüftgelenken – funktioniert das gut?

Bei mir hat die Operation und die Reha sehr gut funktioniert. Ich habe zwei McMinn-Prothesen mit einem Abstand von knapp zwei Jahren bekommen, 2012 und 2014. Hier liegt der mit einer Metallkugel verkleidete Hüftknochen in einer metallenen Hüftpfanne. Es wird dabei wenig Knochen entfernt. Mit den Gelenken kann ich alle Bewegungen ausüben. Man vergisst es sogar, dass man eine neue Hüfte hat.

Haben Sie Vorteile gegenüber Ihren Konkurrenten?

Ich muss mehr Dehnübungen machen als die anderen und ich muss mich morgens länger einspielen. Also nein, ich habe keine Vorteile.

Besteht noch viel Kontakt zur alten Heimat in Ehingen?

Weniger. Mein Vater hat unser Haus am Stoffelberg zwar noch, ist aber selten daheim. Mit den Sandkastenfreunden von früher treffe ich mich eher unterwegs, auf dem Oktoberfest oder zum Skifahren.

Zur Person

Alexander Windisch lernte beim TC Ehingen Tennisspielen. Mit 17 erlebte er sein erfolgreichstes Jugendjahr, als er bei keinem Turnier zu schlagen war. Der Abiturient spielte dann in Ulm und Neu-Ulm, ehe er bis in die Bundesliga-Mannschaft von Iphitos München aufstieg und an der Seite von Michael Stich aufschlug. Mit dem bayerischen Team gewann er 1990 die Deutsche Meisterschaft. Windisch lebt in Augsburg mit Frau Gabi und den Töchtern Zoe (17) und Emily (14). Er ist Inhaber der Agentur Capeeshee.

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