Leichtathletik EM Christina Schwanitz: Silber nach Unfall und Babypause

Kugelstoßerin Christina Schwanitz gewinnt im Olympiastadion EM-Silber.
Kugelstoßerin Christina Schwanitz gewinnt im Olympiastadion EM-Silber. © Foto: Michael Kappeler
Berlin / DPA/SWP 09.08.2018

Zuerst war Enttäuschung: Lange saß Kugelstoßerin Christina Schwanitz mit der Deutschlandfahne ummantelt und mit Tränen auf der Bank. Im letzten Durchgang des Finals bei der Leichtathletik-EM in Berlin beendete die Polin Paulina Guba mit 19,33 Metern den Traum vom dritten Titel für Schwanitz in Serie.

Nach den 19,19 Metern im ersten Versuch konnte die 32-jährige Chemnitzerin sich nicht mehr steigern und musste mit Silber zufrieden sein. Dritte wurde die Weißrussin Aiona Dubitskaja mit 18,88 Metern. Sara Gambetta aus Halle landete mit 18,09 Metern auf Rang fünf.

„Wenn man weiß, dass man locker einen dreiviertel Meter weiter stoßen kann, ist das ärgerlich“, haderte Schwanitz sichtlich enttäuscht. „Wenn man aber bedenkt, dass ich letztes Jahr Mama von Zwillingen geworden bin.... Ich hab' mich unheimlich schwer getan. Die Leistung war doof.“

In Rekordzeit zurück in die Weltklasse

Als Titelverteidigerin ist man zwar automatisch Anwärterin auf die nächste Goldmedaille. Dies galt für Zwillingsmutter Schwanitz nach einer einjährigen Babypause nicht unbedingt. Die Weltmeisterin von 2015 musste Ehemann, Kinder und Hochleistungstraining unter einen Hut bringen - und kehrte dennoch im Rekordtempo in die Weltklasse zurück.

Bei den deutschen Meisterschaften vor anderthalb Wochen in Nürnberg wuchtete sie die Kugel sogar über 20,06 Meter - soweit schaffte es keine andere Frau vor der EM. Das sei für sie „utopisch“ gewesen. „20 Meter: Dafür musste ich die letzten Jahre ganz schön arbeiten“, meinte Schwanitz, die nach dem Stoß zum zehnten nationalen Titel schnell wusste, was von ihr bei der EM wieder erwartet wurde: „Jetzt ist eine Medaille quasi Pflicht. Es ist auch mein großer Wunsch.“

Autounfall durckreuzt Pläne beinahe

Ein Auffahrunfall auf dem Weg ins „Aktuelle Sportstudio“ des ZDF nach dem Sieg von Nürnberg hätte den Wunsch um ein Haar durchkreuzt. Doch auch ein erlittenes Schleudertrauma und eine Kapselverletzung an der rechten Stoßhand stoppten Schwanitz nicht auf dem Weg zur EM. Nur drei Tage pausierte die Bundeswehrsoldatin, um sich „von dem großen Schock“ zu erholen.

Qualifikation geschaftt

Die Qualifikation am Mittwoch dürfte deshalb ein größerer, vor allem die Nerven auf die Probe stellender Anfang gewesen sein. Doch die Frohnatur mit schallendem Lachen meisterte diese Hürde souverän mit dem ersten Stoß über 18,83 Meter. „Es war recht locker, schnell und zum Genießen“, sagte Schwanitz.

Die ihr eigene mentale Kraft und starke Zuversicht schöpft sie auch aus einer großen Zufriedenheit. Nie habe sie geglaubt, Weltmeisterin werden und zweimal hintereinander den EM-Titel gewinnen zu können. „Deshalb habe ich mir gesagt, wenn es klappt, klappt es.“ Und wenn nicht? „Wenn es nicht klappt, machst du einen auf Familie und kümmerst dich um deine berufliche Situation.“

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