Kommentar: Gegensätze unter den Erzrivalen

MANUELA HARANT 30.12.2014

Da ist er wieder: Der deutsche Fehlstart in die Vierschanzentournee. Same procedure as every year, und das schon zwei Tage vor Silvester. Die Deutschen schaffen es trotz starker Vorleistungen in dieser Saison mit immerhin zwei Weltcupsiegen nicht, sich auf die Vierschanzentournee einzustellen. Erstmals in dieser Saison schaffte es kein deutscher Springer unter die Top Ten - und das ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt.

Dass die DSV-Adler im Probedurchgang noch glänzten und dann aber im Wettkampf die Nerven versagten, zeigt, wie es um die Psyche von Severin Freund und Co. bestellt ist. Dort gilt es jetzt anzusetzen und aus den restlichen drei Wettbewerben in Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen noch das Beste zu machen - wenn schon nicht im Kampf um den Gesamtsieg, dann wenigstens um die Ehre.

Doch je länger der letzte Erfolg zurückliegt - es sind jetzt schon zwölf Jahre -, desto schwerer wird es. Der Druck, auch auf Bundestrainer Werner Schuster, lastet immer mehr auf der vermeintlichen Skisprung-Nation Deutschland.

Gegenteilig die Situation beim Erzrivalen Österreich: Die Alpenrepublik hat sich vom mäßigen Saisonauftakt mit dem schlechtesten Teamergebnis der Historie - Rang acht - nicht aus dem Konzept bringen lassen und den Neubeginn unter Trainer Heinz Kuttin durchgezogen. Belohnt wurden sie mit dem ersten Doppelsieg der Saison genau zur rechten Zeit.

Sie haben sich etwas getraut, die Österreicher. Aus einer Position der Stärke heraus haben sie die Zusammenarbeit mit Erfolgscoach Alexander Pointner beendet, um mit Kuttin neue Impulse zu setzen und sich für die Zukunft zu rüsten. Ein Mut, von dem die Deutschen ebenso weit entfernt sind, wie Severin Freund gestern von einer Spitzenplatzierung.