Knutschen und Kokain

Gerold Knehr über freigesprochene Doper
Gerold Knehr über freigesprochene Doper © Foto: Gerold Knehr
Gerold Knehr 17.07.2017

Positiv getestet und dennoch vom Vorwurf des Dopings freigesprochen – jenseits des Atlantiks hat das zweimal funktioniert. Der betroffene Athlet hatte jeweils eine – sagen wir mal heikle Erklärung für sein Vergehen, dem die Kontrolleure nicht nachgehen konnten. Der Amerikaner Gil Roberts, der in Rio Gold mit der 4x400-m-Staffel gewonnen hatte, begründete seinen positiven Befund  mit „leidenschaftlichen Küssen“ zwischen ihm und seiner Freundin. Die hatte ein Gicht-Medikament eingenommen – nicht wegen eines dicken Zehs, sondern gegen eine Nasennebenhöhlenentzündung. Bei „wiederholten und intensiven Küssen“ müsse das Medikament, das als Maskierungsmittel auf der Dopingliste der Wada steht, in seinen Körper geraten sein, beteuert Roberts.

Ähnlich war der Fall des Stabhochsprung-Weltmeisters von 2015, Shawn Barber. Er war vor den Olympischen Spielen 2016 positiv auf Kokain getestet worden. Das Ergebnis sei dadurch zustande gekommen, dass er sich vorher mit einer Prostituierten vergnügt habe, welche die Droge konsumiert habe. Barber wurde ebenfalls nicht gesperrt – und outete sich später als homosexuell.

Deutsche Sportler sollten sich besser nicht auf derart schlüpfrige Begründungen verlassen. Seit Erscheinen des Liedes „Küssen verboten“ der „Prinzen“ weiß hierzulande schließlich jeder: „Keiner der mich je geseh’n hat, hätte das geglaubt: Küssen ist bei mir nicht erlaubt.“