Paris Klub der dreisten Lügner

Alle nicht ganz sauber: Der französische Radprofi Laurent Jalabert (rechts) mit Jan Ullrich und Erik Zabel fahren auf der 17. Etappe der jetzt nachgewiesen Epo-verseuchten Tour de France von 1998. Foto: dpa
Alle nicht ganz sauber: Der französische Radprofi Laurent Jalabert (rechts) mit Jan Ullrich und Erik Zabel fahren auf der 17. Etappe der jetzt nachgewiesen Epo-verseuchten Tour de France von 1998. Foto: dpa
Paris / SID 25.07.2013
An einem schwarzen Tag für den weltweiten Radsport sind die Doping-Lebenslügen zahlreicher früherer Topstars entlarvt worden. Wieder geht es um die deutschen Fahrer Jan Ullrich und Erik Zabel.

Die Doping-Lebenslügen von Jan Ullrich und Erik Zabel sind endgültig entlarvt, die Vergangenheit des Radsports hat sich an einem schwarzen Tag beispielloser Enthüllungen als vollends verseucht erwiesen. Ullrich, Zabel, Marco Pantani, Mario Cipollini und Dutzende weitere Topstars waren bei der Tour de France 1998 mit Epo gedopt. Das ergibt sich aus einem gestern veröffentlichten Bericht der französischen Anti-Doping-Kommission vor dem Senat in Paris.

Vor allem die vermeintlich goldene Ära des deutschen Radsports war demnach nichts anderes als Lug und Trug. Über viele Jahre hatten Ullrich, Deutschlands einziger Tour-de-France-Sieger, und Zabel, der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikots, ihre Unschuld beteuert. Dabei haben sie offensichtlich dreist gelogen: Der einstige Saubermann Zabel, als er 2007 unter Tränen verkündete, elf Jahre zuvor ein einziges Mal Epo probiert zu haben - und Ullrich, der fast schon als Lebensprinzip seine Vergangenheit verklärt. Gegen beide liegen nun erstmals positive Tests vor - das ist der eigentliche Sprengstoff der Pariser Enthüllungen. Auch der frühere Edelhelfer Jens Heppner ist überführt.

Die Ertappten schwiegen sich gestern aus. Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, sagte, die jüngsten Meldungen aus Paris seien "ein weiterer Beleg für das "verseuchte" Jahrzehnt", glaubt aber weiterhin an eine dopingfreie Gegenwart des Radsports: "Für die Gegenwart und die Zukunft des Radsports hat dies keine Bedeutung." Der Pariser Bericht beruht auf 2004 vorgenommenen Analysen 1998 und 1999 entnommener Proben. Damals wurde noch nicht auf Epo getestet, 2004 fielen dann fast alle Nachtests positiv aus. Der französische Ausschuss machte es sich zur Aufgabe, diese anonymen Tests konkreten Radfahrern zuzuordnen. Rund 60 Athleten, angeblich nicht nur aus dem Radsport, sollen als Betrüger enttarnt worden sein, noch nicht einmal von einem Drittel sind bislang die Namen durchgesickert. Doch bereits diese Liste liest sich wie ein Who is Who des Profi-Radsports der 90er Jahre: Neben Ullrich, stehen darin auch der 2004 verstorbene 98er-Gesamtsieger Pantani, Weltmeister wie Laurent Jalabert (Frankreich) und Abraham Olano (Spanien), Sprintstars wie Zabel und Cipollini, Klassiker-Spezialisten wie Andrea Tafi (Italien) - in allen Bereichen wurde massiv manipuliert. Lance Armstrong wirkt plötzlich nur noch wie die Spitze des Eisbergs.

Ullrich war im Februar 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Wegen der Verwicklung in die Fuentes-Affäre wurde er zu einer zweijährigen Sperre rückwirkend ab 22. August 2011 verurteilt. Sämtliche Resultate seit dem 1. Mai 2005 wurden gestrichen, den Toursieg von 1997 durfte Ullrich behalten. Ob es Möglichkeiten gibt, ihm sein Olympiagold von Sydney 2000 abzuerkennen, will das IOC eingehend prüfen. Bei der Aberkennung von Medaillen gilt eine Verjährungsfrist von acht Jahren. Doch im Fall Lance Armstrong, der im Januar gestand, seit 1998 mit Dopingmitteln betrogen zu haben, strich das IOC den Namen des Olympiadritten 2000 im Zeitfahren daraufhin aus der Ergebnisliste.

Stichwort: Epo
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