Lange blieben die beiden Freundinnen eng umarmt am Netz stehen. Angelique Kerber hatte ihr Spiel auf Sand gegen Andrea Petkovic im Achtelfinale des Tennis Porsche Grand Prix mit 6:2, 6:4 für sich entschieden. Mit heiserer Stimme sagte die ehemalige Nummer eins zufrieden: „Wir waren beide erst nervös. Petko hat mir nichts geschenkt. Ich hab es dann geschafft, in den wichtigen Momenten, das Heft in die Hand zu nehmen.“ 

Die an fünf gesetzte Kerber bekommt es am Freitagabend im Viertelfinale des Stuttgarter Turniers mit Kiki Bertens (Niederlande) zu tun, die die Schweizer Hoffnungsträgerin Linda Bencic 4:6, 6:3, 6:4 niedergerungen hatte. Erneut gehe es laut Kerber nur ums „Überleben“, da sie nach ihrer Grippe noch längst nicht bei ihrem vollen Leistungsvermögen angekommen sei.

Vor 4500 Zuschauern in einer ausverkauften Arena holte sich Kerber das erste Break mit einem Crossvolley aus scharfem Winkel. Doch ihre Fed-Cup-Kollegin hatte die richtige Antwort mit dem Rebreak. Obwohl Petkovic ihr Spiel offensiv und kreativ aufzog, konnte sie die fokussierte „Angie“ nicht daran hindern, in einer halben Stunde den ersten Satz zu entscheiden. Aus einer verdienten 2:1-Führung in Satz zwei zog Petkovic nicht genug Stärke; mit viel Übersicht legte die Wimbledonsiegerin vor und verwandelte den vierten Matchball. „Ich hab zu viele Bälle verpasst“, sagte die Darmstädterin, die sich nie aufgab. Im Doppel bleibt Petkovic dem Turnier erhalten und kämpft um den Halbfinaleinzug.

Bescheidene Japanerin

Keine Sandplatzliebhaberin ist die Nummer eins der Welt, Naomi Osaka. Ihre Bilanz auf körnigem Untergrund ist auch nicht die beste. Und mit der Star-Rolle tut sich die stets demütig wirkende und leise sprechende Osaka zudem schwer. Doch mit dem 6:4, 6:3-Auftaktsieg über die Taiwanesin Su-Wei Hsieh zeigte die Japanerin, dass sie in Stuttgart durchaus zurecht kommt. Und behält dank dieses Sieges auch weiterhin ihre Topplatzierung. Mit blitzschnell ausgeführten Aufschlägen um die 185 km/h platzierte sie sieben Asse und dominierte die Partie durchweg, obwohl ihre Gegnerin „mehr riskiert habe“. In der Runde der besten Acht steht sie nun der Kroatin Donna Vekic gegenüber, die gegen die Russin Daria Kasatkina beim 6:1, 7:5 keine Mühe hatte. Für Osaka gilt weiter das Motto, „Spaß zu haben“, wie sie es bescheiden formulierte.

Siegemund fehlt Konstanz

Für Lokalmatadorin Laura Siegemund war nach einer starken Leistung in ihrem Auftaktmatch bereits im Achtelfinale Schluss. Die Weltranglisten-13. Anastasija Sevastova hatte mit 6:4, 6:3 dafür gesorgt, dass die Metzingerin nun auf anderen Turnieren wichtige Punkte für die Rangliste sammeln muss. „Das zweite Match hat mir gezeigt, dass mir noch die Konstanz fehlt. Ich habe zu viele Schwankungen drin“, sagte die Nummer 99 der Welt. Bei ihrer Comeback-Mission komme es vor allem auf die Spielpraxis an. Sie werde auch bei ITF-Turnieren melden, beschrieb die 31-Jährige zuversichtlich ihre Pläne. Dann sollen auch wieder Siegemunds Service besser funktionieren und ihre gefühlvoll vorgetragenen Stopps nicht am am Netz hängen bleiben. Sevastova trifft im Viertelfinale nun auf die Tschechin Petra Kvitova.

Görges hat Verletzung offenbar unterschätzt


Notlüge Die deutschen Spielerinnen machen sich rar beim Stuttgarter WTA-Turnier. Etwas kurios ging es bei Julia Görges zu. Die Fed-Cup-Spielerin, die bislang ein holpriges Jahr 2019 erlebt, hatte wegen Problemen mit den Halswirbeln und drei tauben Fingern an der rechten Schlaghand in der ersten Runde aufgegeben. Vor dem Turnierstart hatte sie auf die Frage nach ihrer Gesundheit behauptet, dass es ihr gut gehe. „Seit genau 16 Tagen habe ich Probleme“, gab Görges dann zu, es war eine Notlüge. Es sei ihr unbedingter Wunsch gewesen, das Heim-Turnier nicht zu verpassen: „Wir haben alles probiert“, sagte sie. hel