Skispringen Katharina Althaus feiert Olympia-Silber

Pyeongchang / Von Manuela Harant 13.02.2018

Erst musste sie viele Minuten in der Kälte frieren, und dann hatte sie auch noch erschwerte Bedingungen: Carina Vogt ist zum ersten Mal seit Olympia 2014 in Sotschi bei einem Großereignis geschlagen worden, konnte dem einzigen Skisprung-Wettbewerb der Frauen in Pyeongchang aber doch noch einige positive Seiten abgewinnen. Allem voran natürlich die Silbermedaille ihrer Teamkollegin Katharina Althaus.

Mit Platz zwei in der olympischen Entscheidung setzte Althaus die deutsche Schanzenparty in Südkorea eindrucksvoll fort. 48 Stunden nach Wellingers Coup verhinderte nur die überragende Norwegerin Maren Lundby, dass Senkrechtstarterin Althaus die Nachfolge von Carina Vogt als Olympiasiegerin antrat. Vogt blieb als Fünfte vier Jahre nach ihrem Sotschi-Gold diesmal ohne Medaille, freute sich aber herzlich mit der völlig überwältigten Althaus.

Kindheitstraum verwirklicht

„Das Gefühl war mega“, sagte das nur 1,57 m große Sprungwunder Althaus nach den Silberflügen: „Als ich die Anzeigentafel gesehen habe, wusste ich, dass ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist. Als dann das ganze Team gratuliert hat, das kann man nicht beschreiben. Jetzt wird gefeiert wie in Bayern – also gescheit! Mit Bier!“ Im Deutschen Haus wurde dann aber doch erstmal eine Magnumflasche Sekt geköpft (Info).

Wehmut über die verpasste Goldchance gab es bei Althaus nicht, schließlich trennten sie nach zwei starken Sprüngen letztlich stolze sechs Meter von Lundby. Die Japanerin Sara Takanashi auf Platz drei lag wiederum klar hinter Althaus zurück.

Erfolgscoach Andreas Bauer war mit Silber überglücklich und überschüttete Althaus mit Lob: „Katharina ist in unserem Team der Sonnenschein, sie ist immer gut drauf, bringt Spaß und Humor in unser Team, trainiert immer fleißig, hat sich technisch enorm weiterentwickelt.“ Nicht nur der Bundestrainer glaubt, dass Althaus die Zukunft gehört. „Mit 21 Jahren Silber bei Olympia, das ist ja auch nicht schlecht“, sagte Vogt: „Da wird noch was kommen.“

Für Sotschi-Olympiasiegerin und Doppel-Weltmeisterin Carina Vogt selbst hatte derweil in Pyeongchang alles so gut begonnen, im Training war Vogt zweimal auf Platz zwei gelandet. Doch im Wettkampf verlor die „Frau für die Großereignisse“, die Weltmeisterschaften und Olympia dominiert hatte, das Glück. Lange musste sie warten, bis sie auf den Balken durfte – sehr lange. Eine Springerin vor ihr bekam wegen der schwierigen Wetterverhältnisse mit Wind und Schneefall keine Freigabe. Als Vogt dann endlich dran war, hatte sie gerade im Vergleich zu den Topspringerinnen auch nicht die besten Bedingungen. „Ich habe meinen Körper kaum noch gefühlt. Aber man wusste ja, dass man sich hier auf sowas einstellen muss“, wollte Vogt das jedoch nicht als Ausrede gelten lassen.

Gänsehautmomente durfte die Springerin des SC Degenfeld dennoch erleben: Zum einen beim Zittern und Jubeln mit Teamkollegin Katharina Althaus, zum anderen, weil Goldspringer Andreas Wellinger kurz vor ihrem Einsatz noch in die Kabine gekommen was, um Glück zu wünschen. „Das hat mich sehr überrascht und sehr beeindruckt“; sagte Vogt, die in Waldstetten bei Schwäbisch Gmünd wohnt. „Dann konnten wir ihm auch endlich persönlich gratulieren.“ Die Skispringerinnen sind im Gegensatz zu den anderen Sportlern nämlich aus logistischen Gründen nicht im olympischen Dorf untergebracht, sondern ein paar Kilometer entfernt in einem Hotel.

Wellinger in der Kabine

Das gesamte Männer-Team samt Bundestrainer Werner Schuster harrte zudem im Skisprung-Stadion aus, um Katharina Althaus und Co. anzufeuern und ihrerseits für ihre guten Leistungen zu gratulieren. „Hut ab, ich habe jetzt noch ein bisschen Gänsehaut“, sagte Vogt sichtlich gerührt von der Anerkennung durch ihre weitaus populäreren Kollegen: „Da freut man sich schon wieder auf nächstes Jahr, wenn man mit ihnen zusammen springen kann.“ Das ist dann wieder beim Mixed im Rahmen der nächsten Weltmeisterschaften möglich.

Für Althaus und Vogt begannen damit die olympischen Ferien. Sportlich sind die Spiele für die Springerinnen nach nur einem Wettkampf vorbei, nach der langen Silber-Sause bleibt Zeit, Fan zu sein. „Wir werden uns einiges anschauen. Vor allem die Kombinierer und unsere Springerjungs“, sagte Vogt. Die deutsche Schanzenparty von Pyeongchang ist schließlich noch lange nicht vorbei. Katharina Althaus und Carina Vogt können mit  „ihren“ Jungs jetzt noch besser feiern als zuvor.

„Hab einfach nur no plärra müssen“

Herzlicher Empfang im Deutschen Haus: Carina Althaus durfte mit ihren Teamkollegen natürlich auch im Basislager der Medaillengewinner nur ein paar Kilometer gegenüber der Schanze feiern. „I hab gsehen, dass i hinter der grünen Linie lande und an saubern Telemark nabracht hab. Da hab i gwusst, des is a Medaille“, erzählte die euphorisierte Allgäuerin auf der Bühne: „Na hab i einfach nur no plärra müssen“. Judo-Olympiasieger Ole Bischof übergab der 21-Jährigen die Magnum-Sektflasche, die Althaus vor allem über Carina Vogt entleerte. Die Biathleten, die gestern zweimal zugeschlagen hatten, waren schon auf dem Heimweg.

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