Oberstdorf Katastrophaler Wettkampf

Vor der grünen Linie des Führenden gelandet: Severin Freund enttäuschte beim Auftaktspringen in Oberstdorf mit dem 13. Platz.
Vor der grünen Linie des Führenden gelandet: Severin Freund enttäuschte beim Auftaktspringen in Oberstdorf mit dem 13. Platz. © Foto: dpa
SID/MHA 30.12.2014
Das hatten sich die deutschen Skispringer ganz anders vorgestellt. Beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee stürzen sie ab und büßen alle Chancen ein. Jubeln darf der Österreicher Stefan Kraft.

Severin Freund schüttelte enttäuscht den Kopf, Richard Freitag verschwand schmollend in den Katakomben: Die beiden besten deutschen Skispringer haben zum Auftakt der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf eine heftige Bruchlandung hingelegt und schon nach dem ersten Springen kaum noch Chancen auf den insgeheim erhofften Gesamtsieg.

Beim ersten Weltcup-Sieg des Österreichers Stefan Kraft musste sich Mitfavorit Freund als bester DSV-Adler mit Rang 13 begnügen. Freitag landete eine Woche nach seinem Sieg in Engelberg sogar nur auf dem 15. Rang. "Wir haben einen katastrophalen Wettkampf gemacht Ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt, dass unsere Topleute so schlecht skispringen können", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Auch Skiflug-Weltmeister Freund war nach Flügen auf 126 und 124,5 Meter bitter enttäuscht. Im Probedurchgang hatte er mit 138,5 Metern noch den weitesten Sprung aller Teilnehmer geschafft. "Wir sehen schon seit Jahren dämlich aus bei der Tournee. Auf die Gesamtwertung muss man da nicht mehr schauen", sagte der 26-Jährige. Mit 255,0 Punkten lag Freund deutlich hinter Kraft. Der 21 Jahre alte Shootingstar siegte mit 291,9 Zählern vor seinem Teamkollegen Michael Hayböck (285,0) und dem Slowenen Peter Prevc (283,9).

Der wie Freund stark eingestufte Freitag (251,4) fand ebenfalls deutliche Worte zum deutschen Desaster. "Die Köpfe können wir nicht in den Sand stecken und auch nicht in den Schnee - das ist zu kalt. Wir müssen sehen, dass wir den Arsch wieder hochkriegen", sagte der Sachse: "Wir haben noch einige Springen vor uns, auch wenn wir einigen Boden verloren haben."

Einen noch schwärzeren Tag erwischte Simon Ammann. Der Mitfavorit aus der Schweiz, der im Vorjahr in Oberstdorf noch gewonnen hatte, stürzte nach der Landung und schaffte es nicht in den zweiten Durchgang. Alle Hoffnungen auf eine gute Gesamtplatzierung begraben musste auch Markus Eisenbichler. Der Aufsteiger der bisherigen Saison musste lange auf dem Balken warten, "hüpfte" wegen der verschneiten und langsamen Spur nur auf 107 Meter und verpasste den zweiten Durchgang.

Wie schon beim abgebrochenen Springen am Sonntag richtete sich der Blick der Organisatoren fast ständig gen Himmel. Fis-Renndirektor Walter Hofer hatte im Vorfeld klar gemacht, dass es keinen dritten Versuch in Oberstdorf geben werde. Am Ende wurde die befürchtete "Dreischanzentournee" aber abgewendet.

Auf die DSV-Adler wartet nun das von Freund so ungeliebte Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Auf der Olympia-Schanze hat der Niederbayer in seiner Karriere erst einmal ein Top-Ten-Ergebnis erzielt, im vergangenen Winter verpasste er sogar den zweiten Durchgang.

Tim Fuchs chancenlos

Ausgeschieden Erwartungsgemäß keine Chance hatte Tim Fuchs vom SC Degenfeld im K.o.-Duell gegen den Weltcup-Führenden Anders Fannemel. Der 17-Jährige, der sich etwas überraschend für das Auftaktspringen in Oberstdorf qualifiziert hatte, schied mit 103 Metern (76,6 Punkte) als 47. unter den insgesamt 50 Startern im ersten Durchgang aus. Die nächste Chance erhält der Stubersheimer aber schon morgen in der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen.

MHA