Bietigheim-Bissingen Interview mit Volker Schnabel: "Steelers hoffentlich bald in der DEL"

Der scheidende Steelers-Geschäftsführer Volker Schnabel vor der in seiner Amtszeit gebauten und eingeweihten EgeTrans Arena.
Der scheidende Steelers-Geschäftsführer Volker Schnabel vor der in seiner Amtszeit gebauten und eingeweihten EgeTrans Arena. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / CLAUS PFITZER 29.08.2013
Volker Schnabel hört zum 31. August als Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten Bietigheim Steelers auf. In seine Amtszeit fallen zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und der Bau der EgeTrans Arena. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über bewegte Zeiten bei den Steelers.

Herr Schnabel, die neue Arena steht, die Steelers sind erneut Meister und Pokalsieger und spielen in der DEL 2, die Sie mit initiiert haben. Handeln Sie nach dem Sprichwort, wonach man gehen sollte, wenn"s am schönsten ist?

VOLKER SCHNABEL: Da ist bestimmt eine große Portion Wahrheit dabei. Ich bin jetzt sechs Jahre da und das ist in dieser Branche schon relativ lange. In dieser Funktion und in diesen sechs Jahren hatte ich das Glück, die vier größten Erfolge der Steelers mitgestalten zu dürfen, so dass der Zeitpunkt nicht unglücklich ist, jetzt einen neuen Lebensabschnitt zu beschreiten.

Was hätten Sie gerne noch erledigt?

SCHNABEL: In der DEL zu spielen. Das wäre nochmal ein Reiz gewesen, andere Überlegungen anzustellen. Aber es ist frustrierend, wenn man trotz sportlichem Erfolg und einer tollen Infrastruktur nicht in der höchsten deutschen Eishockey-Klasse mitwirken kann, obwohl man sich zweimal sportlich dafür qualifiziert hat.

Gibt"s den oder die schönsten Augenblick in Ihrer Zeit bei den Steelers?

SCHNABEL: Ganz klar: Das sind die zwei Meisterschaften und die beiden Pokalsiege, die Einweihung und das Eröffnungsspiel der neuen Arena. Und dass es uns gelungen ist, das Olympia-Qualifikationsturnier hier nach Bietigheim zu holen, obwohl die Arena noch nicht komplett fertiggestellt war. Ich glaube schon, das sind ein paar Highlights, die man ein Leben lang nicht vergessen wird.

Was war die bitterste Stunde?

SCHNABEL: Es gab schöne und nicht so schöne Zeiten. Ich karte da aber nicht nach. Man hat möglicherweise Charaktere, ob Spieler, Trainer und Sportdirektoren oder andere Persönlichkeiten, getroffen, mit denen man nicht immer einer Meinung war. Geärgert hat mich, dass wir trotz sportlicher Qualifikation nicht am europäischen Wettbewerb teilnehmen dürfen. Da war das Turnier in Ungarn, das wir gegen starke Mannschaften gewonnen haben, ein kleiner Ersatz. Die positiven Seiten haben aber bei Weitem überwogen.

Sie haben in den sieben Jahren drei Trainer erlebt, mussten sich von Christian Brittig und Daniel Held trennen. Wie charakterisieren Sie diese drei Trainer?

SCHNABEL: Von Brittig und Held haben wir uns vorzeitig trennen müssen, weil die Zeit und die sportliche Erfolge nicht so passend waren, dass wir einfach handeln mussten. Sie waren alle für sich gute Charaktere. Lassen Sie uns das Positive herausheben. Ich war glücklich, als ich den Aufsichtsrat von Kevin Gaudet überzeugen konnte. Bei ihm hatte ich über meine Kontakte angefragt, ob er Interesse hätte, wobei ich so gar nicht damit gerechnet hatte. Wir konnten ihn aber letztendlich davon überzeugen, die Aufgabe in Bietigheim zu übernehmen. Ich glaube, dass das für die Trainerposition das Beste war, was wir bisher erreicht haben.

Gibt es für Sie einen Lieblingsspieler?

SCHNABEL: Es sind Eishockey-Profis, die charakterlich unterschiedlich sind. Sie kommen mit dem einen besser aus. Es ist wie im Leben, es gibt Kollegen, mit denen kommen sie super aus und würden zwei Bier am Abend trinken, mit einem würden sie kein Bier trinken gehen.

Wann gibt es Ihrer Einschätzung nach einen durchgehenden Auf- und Abstieg zwischen DEL, DEL 2 und Oberliga?

SCHNABEL: Letztendlich gibt es ja bei uns einen durchgehenden Auf- und Abstieg von den unteren Ligen in die Zweite Liga. Aber von der Zweiten Liga in die DEL? Wenn ich das wüsste, wäre ich Prophet. Ich hoffe, dass dies in den nächsten zwei, drei Jahren der Fall sein wird. Es muss auch sein, denn sonst sehe ich keine rosigen Zeiten auf die Zweite Bundesliga zukommen.

Wo spielen die Steelers in fünf Jahren?

SCHNABEL: Hoffentlich in der DEL.

Was muss dazu passieren?

SCHNABEL: Es muss der sportliche Auf- und Abstieg garantiert sein. Es muss das Sponsorenumfeld diese neue Herausforderung annehmen. Ich glaube, dass es da Möglichkeiten geben wird, dies umzusetzen.

Warum ist es so schwer, einen Hauptsponsor oder Sponsoren zu finden?

SCHNABEL: Ganz einfach: Sie sind in der Zweiten Liga regional gebunden. Sie haben so gut wie keine nationalen Blickkontakte, sprich Fernsehen und nationale Presse interessiert sich nicht für Sie. Und das hindert natürlich große, nationale Unternehmen daran, hier als Hauptsponsor einzusteigen. Wenn Sie in Servus-TV bei diversen Liveübertragungen permanent hiunderttausend Zuschauern gegenüberstehen ist das ein ganz anderer Anreiz. Sportsponsoering zu machen, als wenn sie regional eingegrenzt sind.

Sind die regionalen Sponsoren ausgereizt?

SCHNABEL: Gucken Sie sich die Gegend an im Großraum Stuttgart, wie viele Profivereine in diversen Sportarten Sie haben: Fußball, Basketball, selbst in Bietigheim zwei ambitionierte Vereine. Ausgereizt ist nie etwas, es gibt immer Möglichkeiten. Wir haben auch mit einer Berliner Agentur jetzt über 200 Klein- und Mittelsponsoren gewinnen können. Zufrieden darf man nie sein. Für die Zweite Liga sind wir auch, was das Sponsoring-Volumen angeht, relativ gut aufgestellt.

Verraten Sie Ihre beruflichen Pläne?

SCHNABEL: Habe ich im Moment noch keine. Das heißt, ich habe weder ein anderes Angebot bis zum heutigen Tag angenommen, noch weiß ich, was ich in den nächsten sechs bis acht Wochen tun werde, außer, dass ich jetzt mal ein bisschen Abstand nehme, zum ersten Mal zwei oder drei Wochen Urlaub machen und meinen Sohn in den USA besuchen will.

Bleiben Sie den Steelers verbunden?

SCHNABEL: Sicher. Ich war ja von Anfang an Mitglied bei den Steelers und stehe dem Aufsichtsrat jederzeit zur Verfügung. Und wenn irgendwas ansteht, habe ich auch kein Problem, während der Woche mal zu kommen. Nur die Fahrerei sechs Jahre lang jeden Tag mit 250 Kilometern langt mir einfach.

Zur Person vom 29. August 2013
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