Bietigheim-Bissingen Im Süden daheim: In Kanada Vorfreude auf Bietigheim

Kevin Gaudet stehend an seinem Arbeitsplatz: als Eishockey-Trainer der Bietigheim Steelers hinter der Bande. Seit 20 Jahren arbeitet der Kanadier in Deutschland. Er war aber vor Bietigheim nur an zwei Stationen.
Kevin Gaudet stehend an seinem Arbeitsplatz: als Eishockey-Trainer der Bietigheim Steelers hinter der Bande. Seit 20 Jahren arbeitet der Kanadier in Deutschland. Er war aber vor Bietigheim nur an zwei Stationen. © Foto: Avanti
Bietigheim-Bissingen / CLAUS PFITZER 31.10.2014
20 Jahre arbeitet Kevin Gaudet schon als Eishockey-Trainer in Deutschland. Seit Ende 2011 ist der 51-jährige Kanadier für die Bietigheim Steelers tätig. Jedes Jahr verbringt er in der Spielpause drei bis vier Monate im kanadischen Moncton, seiner Geburtsstadt.

Kevin Gaudet teilt nicht das Schicksal so mancher Profitrainer, die mal hier und mal dort arbeiten. In den 20 Jahren in Deutschland war er erst bei drei Vereinen tätig. Hinzu kommt ein vierjähriger Abstecher nach Wien. Seit November 2011 ist er bei den Bietigheim Steelers und fühlt sich auch hier wohl und heimisch wie zuvor schon in Niedersachsen und in Niederbayern

"Ich hatte auf jeder Station Erfolg. Ich habe immer versucht, dorthin zu gehen, wohin ich will, und nicht weil ich muss", erklärt Gaudet, warum ihm das Schicksal von Kollegen auch aus anderen Sportarten erspart geblieben ist, die häufig den Klub wechseln. "Das ist der Job, dass viele gefeuert werden", so Gaudet, für den ein häufiger Ortswechsel nicht vorstellbar ist. In Hannover, seiner ersten Station in Deutschland, war er insgesamt zwölf Jahre tätig, in Straubing waren es vier, und auch in Bietigheim geht er bald in sein viertes Jahr. Vor seinem Engagement in Hannover war er sechs Jahre in Frankreich als Spieler und Trainer unter Vertrag. Überall hat er Spuren hinterlassen und Freunde gefunden.

"Meine Heimat ist Kanada, meine zweite Heimat ist Deutschland. Ich liebe Deutschland und seine Geschichte. Ich war schon in der Schule sehr an Geschichte interessiert. Deswegen freue ich mich, hier zu sein", sagt der Bietigheimer Erfolgstrainer, der die vor dem Abstieg stehenden Steelers übernommen und eineinhalb Jahre später zur deutschen Zweitliga-Meisterschaft geführt hat.

Mit seiner Ehefrau Robin Niderost, die ihm bei den Steelers als Fitness-Trainerin assistiert, ist er viel in der Umgebung unterwegs. "Wir besuchen jeden Monat eine größere Stadt, weil ich die Geschichte dort liebe. Wir waren auch schon in Heidelberg und Baden-Baden. Wien war natürlich wunderschön. Die Zeit dort war hervorragend", erzählt er. Auch das gute Essen hier schätzen er und seine Frau. Beide sind immer auf der Suche nach geeigneten Lokalen. "Wir essen eigentlich alles, die italienische Küche lieben wir", so Gaudet.

Meist von Ende April bis Anfang August, wenn der Spielbetrieb ruht, hält sich das Ehepaar Gaudet/Niderost in der kanadischen Heimat in Moncton auf. "Der Sommer ist dort die beste Zeit. Wir hatten aber auch schon im Mai noch schlechtes Wetter mit viel Schnee. Den Schnee aus Kanada vermisse ich hier nicht", so der passionierte Hobby-Golfer. "Ich vermisse überhaupt nicht viel. Je älter ich werde, desto weniger wird es. Die vielen Freunde und Familie vermissen wir allerdings schon, meine Frau noch mehr als ich", erzählt Gaudet.

"Es gibt überhaupt keine großen Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland. Wir fahren hier die gleichen Autos, und auch die Wohnungen sind gleich. Aber die Temperaturen sind hier viel besser. In Spanien wäre es vielleicht etwas anders, aber hier vermisse ich nicht viel", meint der 51-Jährige. "Wenn der Sommer in Kanada vorbei ist, freue ich mich wieder auf Bietigheim. Ich liebe diese kleine Stadt", bekennt Gaudet, der als Profitrainer aus Kanada beruflich sein Glück in Deutschland gefunden hat.

Zur Person vom 31. Oktober 2014

Kevin Gaudet ist am 22. Oktober 1963 im kanadischen Moncton geboren. Als aktiver Spieler stand er mit Try-out-Verträgen in den Aufgeboten der NHL-Klubs Edmonton Oilers und Minnesota North Stars. 1985 kam er nach Europa. Die erste Station des Stürmers war der HC Val Vanoise in Frankreich. Dort war er auch Trainer. 1991 kam er nach Deutschland und wurde Spielertrainer beim ESC Wedemark. Mit dem ESC, der mittlerweile Hannover Scorpions heißt, stieg er als Trainer in die DEL auf. Im Dezember 2001 wurde er Trainer beim Zweitligisten EHC Straubing. 2004 kehrte er nach Hannover zurück, 2007 erfolgte der Wechsel zu den Vienna Capitals nach Wien.

Steelers Am 25. November 2011 übernahm er den Zweitligisten Bietigheim Steelers in nahezu aussichtsloser Lage und führte ihn zum Klassenerhalt und zum Pokalsieg. Neben der Titelverteidigung in diesem Wettbewerb holte Gaudet mit den Bietigheimern 2013 auch die deutsche Zweitliga-Meisterschaft. 2014 zog er mit seinem Team erneut ins Finale ein. Er ist seit drei Jahren mit Robin Niderost verheiratet, die als Fitness-Trainerin bei den Steelers arbeitet.

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