Wimbledon Im Gleichschritt ins Viertelfinale

DPA/SID 02.07.2014
Zwei deutsche Damen stehen im Viertelfinale von Wimbledon. Mit großem Kampfgeist schaltete Kerber die Topfavoritin Scharapowa aus. Lisicki zeigt Schwächen, setzte sich aber dennoch durch.

Sabine Lisicki kauerte auf dem Rasen von Wimbledon und schrie sich die Erleichterung aus dem Leib. Ein zweistündiges Fehlerfestival gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa lag hinter der 24-Jährigen, vor ihr jedoch das fünfte Viertelfinale in Folge im All England Club.

Dort muss sich die Vorjahresfinalistin heute jedoch gewaltig steigern und am besten solch ein Match abliefern wie Fed-Cup-Kollegin Angelique Kerber gegen Paris-Champion Maria Scharapowa. Deutschlands Nummer eins zeigte auf dem Centre Court eine herausragende Vorstellung und gewann nach 2:37 Stunden 7:6 (7:4), 4:6, 6:4. "Das war das Spiel ihres Lebens", schwärmte Bundestrainerin Barbara Rittner.

"Es ist unglaublich, es war so ein großartiges Match", sagte Kerber nachdem sie ihren siebten Matchball verwandelt hatte: "Jeder Satz war so knapp. Sie ist solch eine große Spielerin. Wir haben beide auf einem sehr hohen Level gespielt." Mit Lisickis Achtelfinale (6:3, 3:6, 6:4) verhielt es sich dagegen eher so wie mit dem WM-Zittersieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Algerien: Überzeugen konnten beide nicht, am Ende zählte alleine der Sieg. "Ich habe gebissen und bin glücklich, dass es gut ausgegangen ist", sagte Lisicki, der 20 Doppelfehler unterlaufen waren. Das sei ihr zum ersten Mal in ihrem Leben passiert.

Lisicki knüpfte zu keinem Zeitpunkt an die grandiose Leistung aus dem Entscheidungssatz gegen Ana Ivanovic an. Als das Lächeln gerade aus ihrem Gesicht verschwand, rief sie den Physiotherapeuten auf den Platz - ausgerechnet bei Breakball gegen sich. Ein verunglückter Schlag war ihr ins Kreuz geschossen. Nach minutenlanger Behandlungspause kam Lisicki zurück, brachte ihren Aufschlag durch und verwandelte wenig später ihren dritten Matchball zum Sieg.

Sie selbst bezeichnete den Zeitpunkt der Unterbrechung nach dem Match als "unglücklich", wehrte sich aber gegen die Kritik, die Pause nur aus taktischen Gründen genommen zu haben. "Es war offensichtlich, dass ich Hilfe brauchte", sagte Lisicki: "Ich muss jetzt zum Arzt und hoffe, dass es nur eine Blockade im Rücken ist."

Gewöhnlich stabiler tritt Angelique Kerber auf, deshalb steht die Linkshänderin aus Kiel auch seit Jahren konstant unter den besten zehn Spielerinnen der Welt. Weniger Tiefpunkte bedeuten in dem Spiel der Defensivkünstlerin allerdings auch weniger Höhen. Während Lisickis Geschichte vom unvollendeten Sommermärchen 2013 um die Welt ging, sind Kerbers Halbfinals bei den Grand Slams in New York 2011 und Wimbledon 2012 beinahe in Vergessenheit geraten.

Das könnte sich nun ändern, immerhin schmiss die 26-Jährige in Maria Scharapowa die Spielerin aus dem Turnier, die zuletzt als große Turnierfavoritin gehandelt worden war. Nach dem Aus der 17-maligen Grand-Slam-Siegerin Serena Williams scheinen Überraschungen jedoch an der Tagesordnung zu sein.

Kerber trifft nun auf Eugenie Bouchard. Die Kanadierin hatte in Runde drei Andrea Petkovic bezwungen. Die Deutsche hat mit der Aufsteigerin der Saison noch eine Rechnung offen, im Achtelfinale von Paris war Kerber chancenlos an Bouchard gescheitert.