Madonna di Campiglio Hirschers Schutzengel

Glück im Unglück: Die TV-Bilder zeigen, wie die Kamera-Drohne knapp hinter Marcel Hirscher einschlägt.
Glück im Unglück: Die TV-Bilder zeigen, wie die Kamera-Drohne knapp hinter Marcel Hirscher einschlägt. © Foto: dpa
HELEN WEIBLE 24.12.2015
Gut, dass Marcel Hirscher so schnell unterwegs war und seinen Schutzengel bei sich hatte. Der Österreicher entging beim Weltcup-Rennen im italienischen Madonna di Campiglio nur knapp einem Unglück.

Skirennfahrer brauchen Schutzengel. Scheinbar nicht nur, weil sie in hoher Geschwindigkeit die Piste hinunterbrettern. Nein, zuweilen drohen auch andere Gefahren - und nicht alles Gute kommt von oben. Beim Weltcup-Nachtslalom im italienischen Madonna di Campiglio konnte sich der Österreicher Marcel Hirscher jedenfalls ganz auf seinen Schutzengel verlassen. Als er im zweiten Durchgang als vorletzter Läufer die Canalone Miramonti hinunterpreschte, stürzte um Haaresbreite hinter ihm eine defekte Kamera-Drohne ab. Hirscher entging nur knapp einem Unglück.

Normalerweise kreisen diese Drohnen, die aus der Vogelperspektive spektakuläre Aufnahmen des Renngeschehens liefern sollen, in einem festgelegten Flugkorridor in sicherem Abstand über die Piste. Über diese Drohne hatte die TV-Produkstionsfirma wohl die Kontrolle verloren. Fast hätte es den am Ende Zweitplatzierten erwischt.

"Eine absolute Frechheit. Man darf gar nicht nachdenken, was da passieren kann. Bitte, passt besser auf!", sagte Hirscher, nachdem er die Sequenzen von der unmittelbar hinter ihm abstürzenden und zersplitternden Drohne gesehen hatte. "Wenn ich mir die Bilder im Internet ansehe, bekomme ich feuchte Hände und zittere", ergänzte er am Mittwoch in seinem Blog bei "Red Bull".

Der Rennfahrer hatte einen Helm auf, der ihn vielleicht vor dem Schlimmsten bewahrt hätte. Wäre die mehrere Tausend Euro teure Drohne aber in die Zuschauermenge am Pistenrand gestürzt, hätte dies fatale Folgen gehabt. Jetzt wird eine Diskussion angefacht, ob solche Flugobjekte überhaupt bei Rennen weiterhin erlaubt sind.

Nach Angaben des Tourismusverbands Trentino sollen 12.000 Zuschauer das Spektakel verfolgt haben. Sie bewegte aber nicht der mit 1,25 Sekunden Vorsprung überaus deutliche Erfolg des Norwegers Henrik Kristoffersen, sondern eben dieses Beinahe-Unglück. In den folgenden Stunden schien es im Internet nur dieses eine Thema zu geben. Gut eine Stunde nach Rennende war ein Video auf Eurosport, das zeigt, wie die TV-Drohne hinter Hirscher hinabgestürzt war, schon über 47.000 Mal angeklickt worden. "Dichter Flugverkehr in Italien!", witzelte Hirscher später auf seiner Facebook-Seite, als er seinen Humor wiedergefunden hatte.

Die Organisatoren waren schwer bemüht, sich schnell Klarheit darüber zu verschaffen, wer bei diesem Absturz Schuld zu tragen hatte. Nach Gesprächen mit dem Weltverband Fis sagte ein Sprecher des Rennveranstalters, dass es alleine in der Verantwortung der TV-Produktion läge, man als Organisator darauf letztlich keinen Einfluss habe. Der für die Kameradrohne verantwortliche TV-Rechte-Inhaber Infront entschuldigte sich bei Hirscher und der Fis für den "unglücklichen Zwischenfall".

Für Felix Neureuther lief das Rennen zum Abschluss der Dolomitentour indes enttäuschend. In Durchgang zwei leistete er sich einen Fehler und rutschte ein gutes Stück der Piste nur noch herunter. Dabei war seine Freundin Miriam Gössner nach dem ersten Lauf über die Zuschauerränge extra zu ihm in den Zielbereich gegangen und hatte ihm von hinten die Augen zugehalten - und überrascht.

Die Überraschung schien ihm allerdings etwas von seiner Konzentration gekostet zu haben. Viel sagen wollte der sonst interviewfreudige Garmischer nach dem Rennen nicht mehr - und zog mit seinem blonden Engel von dannen.

Die gefährlichsten Zwischenfälle im Sport

September 2015 Bei einem Zweitrundenspiel der US Open zwischen Flavia Pennetta und Monica Niculescu knallt eine Drohne zwischen die leeren Zuschauerreihen. Nach einer kurzen Unterbrechung wird das Match fortgesetzt.

August 2015 Ein Football-Spiel zwischen zwei Highschool-Teams in New Jersey wird wegen einer tieffliegenden Drohne für 20 Minuten unterbrochen. Das Fluggerät hatte sich den Spielern bis auf wenige Meter genähert.

Oktober 2014 Während des Fußball-EM-Qualifikationsspiels Serbien gegen Albanien schwebt eine Drohne ins Stadion. Sie zieht eine Fahne mit einer Silhouette von Großalbanien hinter sich her. Als ein Spieler die Fahne an sich reißt, kommt es zu Tumulten zwischen Fußballern und Zuschauern. Das Spiel wird abgebrochen.

April 2014 Die Teilnehmerin eines Triathlon-Wettbewerbs in Westaustralien wird während ihres Laufs von einer abstürzenden Kameradrohne am Kopf getroffen. Ihre Wunde wird mit mehreren Stichen genäht.