Handball Handballerinnen wollen bei Heim-WM ins Halbfinale

Deutschland will im eigenen Land bei der Weltmeisterschaft beim Kampf um die Medaillen mitmischen: Anna Loerper (rechts) und ihr Team machten in der Vorbereitung eine gute Figur.
Deutschland will im eigenen Land bei der Weltmeisterschaft beim Kampf um die Medaillen mitmischen: Anna Loerper (rechts) und ihr Team machten in der Vorbereitung eine gute Figur. © Foto: Imago
Leipzig / Von Michael Wilkening 30.11.2017
Die Frauenhandball-WM im eigenen Land soll der Sportart einen Popularitätsschub einbringen.Damit das gelingt, sollten die Gastgeberinnen das Halbfinale erreichen. Das Turnier ist aber auch für den Männer-Handball wichtig.

Das schlimmste Szenario wurde gerade noch abgewendet und Mark Schober war maximal erleichtert, dass es so gekommen ist. Der Geschäftsführer der Deutschen Handballbundes (DHB) musste monatelang bangen, ehe sichergestellt war, dass die Spiele der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden.

Bei Sport 1 flimmern die „Biegler-Ladies“ ab Freitag über den TV-Schirm. Mit Unterstützung von starken Bildern sollen die Spielerinnen ihrer Sportart Aufmerksamkeit und damit Auftrieb geben. „Wir hätten unser Ziel, den Mädchen- und Frauenhandball in Deutschland neu zu positionieren, nicht erreichen können, wenn die Spiele in Deutschland gar nicht oder nur in einem Internet-Stream zu sehen gewesen wären“, sagt Schober.

Damit beschäftigen sich Michael Biegler und die Spielerinnen nicht, die am Freitag gegen Kamerun in die Vorrunde starten (19 Uhr/Sport 1). Trainer und Mannschaft wollen sich von der Atmosphäre tragen lassen, die sie in der Arena in Leipzig erwartet. In Sachsen tragen die Deutschen alle Vorrundenpartien aus, in denen nach Kamerun noch Südkorea, Serbien, China und die Niederlande als Gegner warten. Vier der sechs Nationen erreichen das Achtelfinale, in dem die DHB-Auswahl ihre Begegnung in Magdeburg austragen würde, ehe ein Viertelfinale erneut in Leipzig gespielt würde.

Doch die Sehnsüchte der Deutschen enden nicht dort, sondern in der Arena in Hamburg. „Wir träumen alle davon, dann noch mit dabei zu sein und vor solch einer Kulisse antreten zu können“, sagt Anna Loerper. Die Spielführerin gehört im Alter von 33 Jahren zu den Erfahrenen, doch auch sie verspürt Gänsehaut, wenn sie an ein mögliches Halbfinale denkt. „Diese Vorgabe hat der Verband gemacht, aber wir haben die gleichen Ziele“, sagt die Spielgestalterin.

Unter Biegler gut entwickelt

Um diese mit einer realistischen Ausgangslage zu unterfüttern, verpflichtete der DHB vor knapp 20 Monaten Michael Biegler als Nationaltrainer, mit dem die von ihm so titulierten „Ladies“ einen beachtlichen Leistungssprung gemacht haben. Bei der EM im vergangenen Dezember schrammte das Team nur knapp am Halbfinaleinzug vorbei und wurde am Ende Sechster. Bei den vorherigen Turnieren hatte es nicht einmal zu einem einstelligen Platz in der Endabrechnung gereicht.

Die Hoffnung auf ein sportlich erfolgreiches Abschneiden ist groß, für den Verband ist die Weltmeisterschaft im eigenen Land aber noch aus einem anderen Grund elementar wichtig: sie dient als Testlauf für die Männer-WM, die im Januar 2019 in Deutschland einen Handball-Boom auslösen soll. „Natürlich lernen wir bei der Durchführung der Frauen-WM Dinge, die uns im Januar 2019 nützlich sein sollen“, gibt Schober zu. Der Generalsekretär des DHB versucht gar nicht, den „Mehr-Wert“ zu verschleiern, schließlich ist er offenkundig – und gewollt. Viele Parameter bei der Organisation einer solchen Veranstaltung sind deckungsgleich und können schablonenhaft von der Frauen- auf die Herren-WM übertragen werden.

Weil das Turnier der „Ladies“ in fast allen Bereichen eine Nummer kleiner ist, können unerwartet auftretende Fehler oder Versäumnisse schneller und einfacher behoben werden. Es dient aus diesem Grund als ideale Generalprobe. Weil der Erkenntnisgewinn im Dezember gewollt und monetär kaum zu beziffern ist, wirkt der eingeplante Verlust von etwa einer halben Million Euro wie eine gut angelegte Investition. Kasse gemacht werden soll dann im Januar 2019.

Nationalspielerinnen aus Metzingen sind „heiß“

Die Metzinger Vertreterinnen in der deutschen Handball-Nationalmannschaft gehen gut vorbereitet und voller Vorfreude auf die WM. „Wir sind über die beiden Siege gegen die Slowakei und Island sehr glücklich und froh, dass alle Spielerinnen soweit genesen sind“, sagte Spielführerin Anna Loerper, die nach Verletzungen gerade rechtzeitig zum Höhepunkt vor heimischer Kulisse fit geworden ist.“ Das Team habe sich in den vergangenen Tagen an ihrem Spielort Leipzig den letzten Feinschliff für die Gruppenspiele geholt. TusSies-Nationalspielerin Shenia Minveskaja kann ihr da nur beipflichten: „Wir sind gut vorbereitet und alle heiß darauf, dass es endlich losgeht.“ swp

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel