Oberstdorf Gemischte Gefühle im Langlauf-Lager

SID 02.01.2015
Vor dem einzigen Heim-Weltcup der WM-Saison sorgen im deutschen Langlauf-Lager nur die Frauen für gute Laune. Die Herren befinden sich im Tief.

Bei den Frauen läuft's richtig rund, die Männer schlittern geradewegs in die sportliche Katastrophe: Vor dem Start der Tour de Ski morgen in Oberstdorf ist die Stimmung im Lager der deutschen Skilangläufer in arger Schieflage. Zu Bundestrainer Frank Ullrich scheint allerdings nur gute Laune vorgedrungen zu sein. "Ich bin glücklich und froh, dass jetzt die Tour bei prächtigem Winterwetter losgeht", sagte Ullrich. Die Euphorie vor dem Heim-Weltcup ist vor allem dem vorweihnachtlichen Leistungssprung seiner Mädels geschuldet. Nachdem die Sprint-Asse Denise Herrmann und Hanna Kolb für ordentliche Ergebnisse gesorgt hatten, zeigten zuletzt Nicole Fessel und Claudia Nystad, dass der DSV auch im Distanzbereich konkurrenzfähig ist. "Wir liebäugeln bei der Tour mit dem einen oder anderen Top-Ten-Platz - vielleicht sogar im Gesamtklassement", sagt Ullrich, der vor allem Fessel attestiert, "zu einigem in der Lage" zu sein.

Der kurze Freistil-Prolog morgen liegt der 31-Jährigen besonders, zudem skatet Fessel fast an ihrer Haustür vorbei: "Oberstdorf ist meine Heimat. Ich hoffe, dass ich zeigen kann, was in mir steckt." Das will auch die 36 Jahre alte Nystad bei ihrem letzten Weltcup-Auftritt in Deutschland. Die zweimalige Olympiasiegerin, die nach der Saison ihre Karriere beendet, ist laut Ullrich "hochmotiviert, bündelt ihre ganzen Kräfte für die Tour".

Dabei werden allerdings die Norweger, bislang im Weltcup überragend, kaum zu schlagen sein. Anders als im Vorjahr, als sich Marit Björgen im Hinblick auf Olympia frühzeitig verabschiedete, werden sämtliche Norge-Topstars um die Vorjahressieger Therese Johaug und Martin Johnsrud Sundby bis zum Finale am 11. Januar dabei bleiben.

Sollte einer der deutschen Männer bis dahin durchhalten, wäre das ein Erfolg. Bislang hat kein DSV-Läufer auch nur die halbe WM-Norm (Platz 15 oder Sprint-Halbfinale) erfüllt - nicht auszuschließen, dass bei den Weltmeisterschaften im Februar erstmals seit 1950 kein deutscher Starter vertreten ist. Sebastian Eisenlauer, als 68. bester Deutscher im Gesamtweltcup, erreichte einmal Sprint-Platz 14. Josef Wenzl, im Vorjahr zeitweise Führender des Sprint-Weltcups, scheiterte in seiner Spezialdisziplin bei vier Starts dreimal in der Qualifikation, wurde einmal 30.