Santa Caterina/Kühtai Gemischte Gefühle

Josef Ferstl (links) riskierte viel und wurde mit Rang sieben belohnt - Viktoria Rebensburg kämpfte, aber es läuft nicht rund bei ihr im Riesenslalom. Fotos: dpa/Eibner
Josef Ferstl (links) riskierte viel und wurde mit Rang sieben belohnt - Viktoria Rebensburg kämpfte, aber es läuft nicht rund bei ihr im Riesenslalom. Fotos: dpa/Eibner
Santa Caterina/Kühtai / SID 29.12.2014
Heftiges Auf und Ab bei den deutschen Ski-Rennläufern: Abfahrer Josef Ferstl gelingt ein Resultat mit Seltenheitswert. Viktoria Rebensburg fährt ihrem eigenen Anspruch weiter hinterher.

Josef Ferstl sah glücklich aus. Er lächelte, zwischendurch lachte er, es gab Küsschen von mehr oder weniger wildfremden Menschen. Ein siebter Rang für einen deutschen Ski-Rennläufer in einem Abfahrts-Rennen kommt ja auch nicht alle Tage vor. Ferstl blieb dennoch eher zurückhaltend. "Dass mir das so gelungen ist, das ist schon echt gut", sagte er über das beste Resultat seiner Karriere und zudem das beste für einen deutschen Abfahrer seit zwei Jahren. Er freute sich dann doch eher still, auch über den Umstand, dass er gerade die WM-Norm erfüllt hatte.

Dabei gelang dem Sohn des zweimaligen Kitzbühel-Siegers Sepp Ferstl gestern im italienischen Santa Caterina eine Fahrt, die aus deutscher Sicht Seltenheitswert hat. Seit dem überraschenden Sieg von Max Rauffer in Gröden am 18. Dezember 2004 hatten in der alpinen Königsdisziplin 94 Weltcup-Rennen stattgefunden und nur in sechs gab es für DSV-Läufer eine Platzierung unter den ersten Zehn, so zum Beispiel im Dezember 2012, als der Oberstdorfer Tobias Stechert Rang fünf im kanadischen Lake Louise belegte.

Beim überraschenden ersten Weltcup-Sieg von Travis Ganong aus den USA, der vor Olympiasieger Matthias Mayer aus Österreich und Dominik Paris aus Italien gewann, fuhr Ferstl nun zum zweiten Mal nach einem neunten Rang im Februar 2013 in Garmisch-Partenkirchen mitten hinein in die Weltelite.

Im Gegensatz zu Ferstl blickte Viktoria Rebensburg im dichten Schneetreiben nach dem Riesenslalom im österreichischen Kühtai unglücklich drein. "Da ist noch Luft nach oben. Zum Glück habe ich noch eine Top-Ten-Platzierung gerettet", sagte sie über Rang zehn beim ersten Weltcup-Sieg der Schwedin Sara Hector: Die 22-Jährige gewann vor Super-G-Olympiasiegerin Anna Fenninger aus Österreich und Slalom-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Mikaela Shiffrin aus den USA.

Rebensburg fuhr im Finale noch von Rang 18 nach vorne, zufrieden war sie nicht. "Es ist gut, dass es noch ein bisschen nach vorne ging, aber mein Anspruch im Riesenslalom ist schon ein anderer", betonte sie. Das sah auch Alpindirektor Wolfgang Maier so: "Platz zehn ist okay, aber da kann ich nicht in Jubelstürme ausbrechen, weil ich weiß, dass die Vicky besser fahren kann." Gleiches gilt für Simona Hösl (Berchtesgaden), die Rang 27 belegte.

Beim letzten Riesenslalom vor der Weltmeisterschaft im Februar (2. bis 15.) in Vail/Beaver Creek hinterließ Rebensburg, immerhin Olympiasiegerin von 2010 und Olympiadritte von 2014, nicht den Eindruck, als könne sie in fünf Wochen wie erhofft eine Medaille gewinnen, zumindest nicht im Riesenslalom.

Mit ein Grund: Nach einem Materialwechsel vor der Saison passt die Abstimmung nicht, ein Umstand, der an ihr nagt. "Der Riesenslalom ist nun mal meine Lieblingsdisziplin, aber ich werde weiterarbeiten, dass das Setup passt."

Ganongs sportlicher Werdegang

Durchbruch US-Skirennfahrer Travis Ganong gelang in Santa Caterina der erste Weltcup-Abfahrtssieg seiner Karriere. Bislang fiel der 26-Jährige vom Squaw Valley Skiclub auf dem europäischen Kontinent nicht besonders auf. Zwar wurde er in den Staaten dreimal amerikanischer Meister, aber speziell in den Weltcup-Rennen fuhr er bislang meist hinterher, obwohl Ganong schon 2009 sein Debüt gab. Seine größten Erfolge waren bislang ein 12. Platz auf der Kitzbüheler "Streif" im Jahr 2012 und der fünfte Abfahrtsrang bei der olympischen Abfahrt in Sotschi. Zum Ausklang des vergangenen Winters bei der Abfahrt im norwegischen Kvitfjell deutete Ganong mit der ersten Podest-Platzierung (3.) an, dass mit ihm künftig auch im Weltcup zu rechnen sein könnte.

EB

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