Oberstdorf Fuchs gegen Fannemel

Tim Fuchs hat mit 17 schon das geschafft, wovon viele Skispringer ihr Leben lang träumen: den Start im Eröffnungsspringen der Vierschanzentournee.
Tim Fuchs hat mit 17 schon das geschafft, wovon viele Skispringer ihr Leben lang träumen: den Start im Eröffnungsspringen der Vierschanzentournee. © Foto: Imago
Oberstdorf / MANUELA HARANT 29.12.2014
Der 17 Jahre alte Tim Fuchs hat seine Chance genutzt. Als jüngster Starter qualifizierte sich der Vertreter des SC Degenfeld über die nationale Gruppe für das Duell mit den ganz Großen bei der Vierschanzentournee.

Als Tim Fuchs nach seinem Qualifikationssprung das Leibchen mit der Startnummer 2 ausziehen soll, gibt er es nur ungern her. Schließlich ist es eine historische Nummer - die seines ersten Sprungs bei der Vierschanzentournee. Doch da weiß der 17-Jährige noch gar nicht, dass er einen Tag später sowieso noch eine Startnummer bekommt, die er für immer behalten darf. Denn der junge Skispringer vom SC Degenfeld schaffte es mit einem Satz über 117 Meter als 43. der Qualifikation in das Eröffnungsspringen in Oberstdorf. Damit darf er als jüngster Teilnehmer der besten 50 Starter den Weltcup-Führenden und einen der Tournee-Favoriten Anders Fannemel herausfordern.

Doch schon die Tatsache, dass er in die sechsköpfige nationale Gruppe des Tournee-Kaders berufen wurde, war für den Nachwuchsspringer aus Stubersheim im Alb-Donau-Kreis die Erfüllung eines Kindheitstraums. Neben einem Ausscheidungsspringen in Engelberg in der Vorwoche hatten die starken Trainingsleistungen des Talents den Ausschlag gegeben.

Jetzt steht der 17-Jährige vom SC Degenfeld, dem auch Skisprung-Olympiasiegerin Carina Vogt angehört, ganz locker in der Mixed-Zone der 25 000 Zuschauer fassenden Oberstdorfer Arena und plaudert wie ein Großer über seinen ersten Auftritt im Skisprung-Weltcup. "Es fühlt sich sehr gut an, hier runterzuspringen. Wenn man oben sitzt, spürt man, dass die Zuschauer voll mitfiebern und einen richtig runterziehen wollen", erzählt Fuchs, der vor eineinhalb Jahren ins Ski-Internat nach Oberstdorf gezogen ist.

Tim Fuchs ist gleichzeitig so geerdet, dass er schon jetzt weiß, dass der ganze Medienrummel nur eine Momentaufnahme ist - und dass es im Skispringen rasant nach oben, aber genauso schnell wieder nach unten gehen kann. "Letztes Jahr habe ich zwei Alpencups gewonnen. Da wusste ich schon in der Früh beim Aufstehen, dass das ein guter Sprung wird. Aber man weiß dann auch nicht warum. Genauso ist es andersherum natürlich auch", sagt der Realschüler, der kurz vor der Mittleren Reife steht und "danach auf jeden Fall weitermachen" will.

Nach den beiden Tournee-Auftritten in Oberstdorf und beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen geht es aber erst einmal wieder mit dem Skisprung-Alltag im zweitklassigen Continental-Cup weiter. Den sportlichen Höhepunkt der Saison bildet für den Schwaben die Junioren-WM Anfang Februar im kasachischen Almaty. In seinem Jahrgang 1997 rechnet er sich dort gute Medaillenchancen aus, "weil ich zu den vier Springern gehöre, die eigentlich immer vorne mit dabei sind".

Doch nicht die dort anvisierte Nummer 1, sondern die Nummer 43 wird Tim Fuchs in besonderer Erinnerung behalten. Denn sie steht für das Duell mit Fannemel, bei dem der bislang nur Insidern bekannte Nachwuchsmann heute von tausenden Zuschauern mit einem langen "Ziiiieh" nach unten getragen wird. Und danach wird er der versammelten Medienmeute vielleicht verraten, welchen Platz in seinem Zimmer das bislang bedeutendste Leibchen seines Lebens bekommen wird.

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