Kaum hatte Frank Stäbler in Las Vegas den Jackpot geknackt, da ging's richtig rund. Eltern, Großeltern, Bruder, Freundin Sandra und 22 Kumpel ließen es mit dem neuen Ringer-Weltmeister aus Musberg auf den Fildern bis in die frühen Morgenstunden krachen. Schwäbische Feier-Stunden.

Und die Mutter des Champions war froh, dass der Zufall bei ihrem Sohn schon in jungen Jahren eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Damals, als Klein-Frank gerade vier war, wollte sie ihren Filius mitsamt Bruder Stefan beim Mutter- und-Kind-Turnen anmelden. Doch zum Glück für Frank und den Deutschen Ringer-Bund (DRB) war dieser Kurs schon überbelegt. Deswegen unternahm Frank Stäbler notgedrungen seine ersten Gehversuche im "Ringer-Kindergarten" des TSV Musberg. "Das Raufen nach Regeln hat richtig Spaß gemacht", erinnert sich der gerade gekürte Weltmeister in der griechisch-römischen Kategorie bis 66 Kilogramm.

Stäblers Triumph ist übrigens der erste für den Deutschen Ringer-Bund seit 1994. Damals hatten Alfred Ter-Mkrtychyan und der Aalener Thomas Zander im finnischen Tampere die bislang letzten Titel in der klassischen Stilart geholt. Ihr Nachfolger Frank Stäbler lässt sich Zeit mit der Rückkehr in die schwäbische Heimat. Mit seinem Anhang tourt der gebürtige Böblinger erst einmal durch die USA, bevor auf ihn nach seiner Rückkehr am 26. September eine Riesenfete seines Heimatvereins TSV Musberg wartet.

Seit 2006, als er bei der Kadetten-Europameisterschaft mit Bronze seine erste Medaille geholt hatte, hat er sich kontinuierlich in der Weltspitze etabliert und sogar zum Vorzeige-Athleten entwickelt. "Wie lange habe ich von diesem Titel geträumt", sagte der Mann mit dem Irokesenschnitt ergriffen, als ihm jetzt der ganz große Wurf in Las Vegas gelang.

Dass er von Freunden und Verwandten in das Spielerparadies begleitet wurde, ist kein Zufall. "Das familiäre Umfeld ist für mich ganz wichtig", betont Stäbler, der in der Bundesliga für den ASV Nendingen ringt. Als er vor vier Jahren eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolvierte, fand er Job und Spitzensport sogar leistungsfördernd: "Wenn du im Betrieb gefordert bist und der Geist funktioniert, bist du mental stark."

Deshalb wird Stäbler auch bereits realisiert haben, dass er nun für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Rio als Favorit gilt. Schließlich hat der Europameister von 2012 auf dem Weg zu Gold zwei Ex-Weltmeister geschlagen. Im Halbfinale bezwang der 26-Jährige den serbischen Titelverteidiger Davor Stefanek, im Finale dessen Vorgänger Ryu Han-Su (Südkorea) - beide deutlich mit 5:1. Spätestens in Las Vegas haben sich die sechs Stunden Training pro Tag für Frank Stäbler bezahlt gemacht.

Das sieht auch die sportliche Leitung so. Für DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis war die Vorstellung Stäblers, der sein Lebensmotto "Caritas, Fides, Spes" (Liebe, Glaube, Hoffnung) seit 2012 als Tätowierung auf dem Unterarm trägt, "einfach spitze".

Angesichts all der lobenden Worte für ihren Sohn und der großen Sause im Hotel freute sich Mutter Stäbler, weil im Leben nicht immer alles nach Plan läuft...