Leichtathletik-EM Flug in ungeahnte Höhen

Startet für Schweden, ist aber Amerikaner durch und durch: der erst 18-jährige Europameister Armand Duplantis.
Startet für Schweden, ist aber Amerikaner durch und durch: der erst 18-jährige Europameister Armand Duplantis. © Foto: Andrej Isakovic/afp
Berlin / Wolfgang Scheerer 14.08.2018

Weltklasse schon als Teenager: Zwei junge Leichtathleten haben zum EM-Abschluss in Berlin besonders Furore gemacht: der 17-jährige norwegische „Wunderläufer“ Jakob Ingebrigtsen und der für Schweden startende Stabhochsprung-Überflieger Armand Duplantis.

Ingebrigtsen verblüffte mit dem Doppelsieg über 1500 und 5000 Meter. Allein schon die drei Brüder Henrik, Filip und Jakob waren bei den Titelkämpfen der Hingucker. Der Jüngste trumpfte unbekümmert auf. Und in einem der besten EM-Wettkämpfe überhaupt glänze ein weiterer „Skandinavier“, der allerdings seine Höhen von Metern und Zentimetern immer gleich in Fuß und Zoll umrechnet: Armand Duplantis, genannt Mondo, gewann Gold im Stabhochsprung mit U-20-Weltrekord von 6,05 Metern.

Er ist Amerikaner durch und durch. Weil seine Mutter Helena, eine ehemalige Volleyballerin, aus Schweden in die USA ausgewandert ist, hat er sich für den schwedischen Pass entschieden. Das bringt unter anderem den Vorteil, dass er jetzt in einem außergewöhnlichen Wettkampf Europameister werden konnte. Armands Vater Greg Duplantis war selbst 5,80-Meter-Stabhochspringer und trainiert den Sohn.

Extrem sportliche Familien

Genau wie bei den Ingebrigtsens handelt es sich um eine außergewöhnlich sportbegeisterte Familie. Auch Armands Geschwister Andreas, Antoine und Johanna haben ein Faible für Stabhochsprung.  Deshalb ist er auch nicht der einzige Weltrekordler mit Namen Duplantis. Die drei Jahre jüngere Schwester Johanna hält den Altersgrupperekord für Sechs-, Sieben- und für Zwölfjährige mit einer persönlichen Bestleistung von zehn Fuß (3,05 Meter).

Die Familie lebt in Lafayette/Louisiana in den Südstaaten der USA. Dort trainiert Duplantis – und fliegt jetzt buchstäblich um die Welt. Im Berliner Olympiastadion trieb sich ein Trio bei besten Bedingungen und Windstille gegenseitig immer weiter in die Höhe: Duplantis schwang sich schließlich als einziger über 6,05.

Der Russe Timur Morgunow, der unter neutraler Flagge antrat, überwand mit 6,00 Metern ebenfalls die magische Marke. Dem Olympiasieger von 2012, Renaud Lavillenie, blieb trotz ebenfalls sehr starken 5,95 Metern nur noch die Bronzemedaille.

Schulterklopfend umarmte der mittlerweile 31-jährige Franzose seinen designierten Nachfolger: Lavillenie hält seit 2014 zwar den Weltrekord mit 6,16 Metern, aufgestellt allerdings in der Halle. Im Freien ist er nur ebenso hoch gesprungen wie jetzt Duplantis: 6,05 Meter. Und lediglich der legendäre Ukrainer Sergej Bubka (6,14) kam draußen höher als Ausnahmetalent Duplantis, den die New York Times den „Tiger Woods des Stabhochsprungs“ nannte.

Armand „Mondo“ Duplantis ist mit seinen 18 Jahren unter den besten sechs Springern der Geschichte. Junger Schwede! „Es ist unglaublich, was er drauf hat und wie konstant er springt“, sagte Lavillenie über den 1,68 Meter großen und 67 Kilogramm wiegenden Konkurrenten mit ähnlicher Kunstturner-Statur wie er selbst.

Und der, Armand Duplantis, war „einfach nur happy“ über seine 6,05 Meter – oder wie sie daheim in Lafayette/USA rechnen würden: 19,85 Fuß.

Nur Zuschauer im Olympiastadion

Raphael Holzdeppe war am Sonntagabend im Berliner Olympiastadion und schaute beim hochspannenden Stabhochsprung-Finale zu. Der Ex-Weltmeister aus Zweibrücken war wie der deutsche Meister Bo Kanda Lita Baehre (Bayer Leverkusen) und Torben Laidig (LAV Tübingen) bereits in der Qualifikation am Freitagmittag ausgeschieden.

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