Exot Fatih Ipcioglu vertritt die türkischen Farben

Tollkühner Türke: Fatih Ipcioglu.
Tollkühner Türke: Fatih Ipcioglu. © Foto: Joachim Hahne
Partenkirchen / Manuela Harant 02.01.2018

So ein Gedränge herrscht selten unter den Reportern. Zumal gerade nur die Qualifikation zu Ende gegangen ist. Doch den Mann mit dem roten Sprunganzug will jeder persönlich sprechen – obwohl es nur zu einem vergleichsweise kurzen Hopser gereicht hat. Dabei ist er kein Lokalmatador oder junger Shootingstar. Nein, der rote Sprunganzug trägt die Nationalfarben von von Fatih Ipcioglu. Der Türke ist der Exot bei dieser Tournee.

Wie ein Großer beantwortet der 20-Jährige die unzähligen Reporterfragen. Ja, er sei stolz darauf, vor 15 000 Zuschauern springen zu dürfen. Und nein, seine Eltern wollten nicht, dass er diesen gefährlichen Sport ergreift. „Ich habe als kleiner Junge die Tournee im türkischen Fernsehen gesehen, und jetzt bin ich hier“, sagt Ipcioglu mit einem breiten Grinsen. Man kann nur erahnen, wie viele Opfer er dafür bringen musste. „Als ich mir vor fünf Jahren beide Beine brach, sagten meine Eltern: ,Hör auf, das kannst Du nicht machen“, erzählt er. Doch der junge Rebell machte weiter. Nun war er in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen dabei – wo er jeweils in der Quali sang- und klanglos ausschied. „Der Sport ist bei uns sehr jung, aber wir bauen etwas auf“, sagt Ipcioglu mit einer Portion Pioniergeist.

Den hat er aus seiner Heimat Erzurum mitgenommen. Denn dort befindet sich die hochmoderne Skisprunganlage, an der er mit weiteren 20 bis 30 Skisprung-Talenten und zwei finnischen Trainern an seiner Technik feilt. Der Lohn: Der tollkühne Türke darf als einziger Vertreter seines Landes im Februar in Pyeongchang am olympischen Skisprung-Wettbewerb teilnehmen. „Wir haben Berge, wir arbeiten sehr gut. Wir werden immer stärker“, sagt Ipcioglu. Die finanzielle Unterstützung dafür kommt allein von der türkischen Regierung. Die Türkei will irgendwann auch im Konzert der Großen mitmischen – und Fatih Ipcioglu ist der Anfang.

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