Kommentar zur Rücksichtslosigkeit in der Formel 1

Sportredakteur Thomas Gruber
Sportredakteur Thomas Gruber © Foto: Volkmar Könneke
Thomas Gruber 26.06.2017

Wer sich  auf Deutschlands Straßen mit dem Automobil durch hektische Momente bugsiert, der muss schweißgebadet einiges erkennen: Etwa, was in der Hitze des Sommergeschehens oder im aufgestauten Ärger wegen Baustellen manchem Verkehrs­teilnehmer als Blitzableiter dient. Da kann man oft nur verwundert das Fahrzeug in die Garage stellen. Klappe zu, Feierabend. Der „deutsche Autofahrergruß“ (tippender Zeigefinger an die Stirn) ist noch eine der harmloseren Gesten.

 Bekanntlich geht’s auch bei der Formel 1 heiß her: Es staut sich Ärger auf. Allerdings: Es gibt keinen Gegenverkehr, außerdem nur in der Boxengasse Radarfallen, und dennoch rasten die Protagonisten oftmals aus. Negatives Top-Beispiel der jüngeren Historie ist ausgerechnet Sebastian Vettel. Der viermalige Weltmeister ließ sich beim Grand Prix in Aserbaidschan während einer Safety-Car-Phase durch den aufreizend langsam mit gerade einmal 50 km/h dahin tuckernden Lewis Hamilton derart provozieren, dass der Heppenheimer wild gestikulierend auf gleiche Höhe zog und dem Mercedes-Kontrahenten in die Seite rumpelte. Als was für eine Art Vorbild soll der Heppenheimer noch taugen? Der Ferrari-Star bekam eine viel zu harmlose Zehn-Sekunden-Zeitstrafe abzusitzen. Wer nun glaubt, in Vettel-Manier nacheifern zu müssen, der hat seine Pappe einige Zeit lang los. Zurecht. Dem einstigen Champion täte etwas Demut gut.