Ehrung Erschöpfte Laura Dahlmeier und müder Johannes Rydzek als Sportler des Jahres gewählt

Bitte lächeln: Die Beachvolleyballerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig nebst Johannes Rydzek und Laura Dahlmeier (v.l.). 
Bitte lächeln: Die Beachvolleyballerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig nebst Johannes Rydzek und Laura Dahlmeier (v.l.).  © Foto: dpa
Von Helen Weible 19.12.2017

Ohne Ausdauer geht bei den Biathleten und bei den Kombinierern gar nichts. Ausdauer zum Feiern bei der Sportlerwahl 2017 im Baden-Badener Kurhaus hatten an diesem ereignisreichen Tag aber beide Vertreter dieser Wintersportdisziplinen nicht mehr. Die Titel-Erbin von Tennis-Star Angelique Kerber, Ausnahme-Biathletin Laura Dahlmeier, hatte um 12 Uhr noch in den französischen Alpen im Schnee gelegen, nachdem sie als Dritte im Massenstart ins Ziel gefahren war. Johannes Rydzek verzichtete um kurz nach 13 Uhr in Ramsau am Dachstein auf den direkten Kontakt mit dem eisigen Nass. Der 26-Jährige, der am zurückliegenden Sonntag Fünfter wurde, hatte aber genauso viel Hektik, um rechtzeitig bei der traditionellen Sportler-Show einzutreffen.

Rydzek, welcher „sehr dankbar“ über diese Auszeichnung der 1300 Juroren war, blieb tapfer und gönnte sich noch um kurz nach Mitternacht einen Gin Tonic an der Bar im Benazétsaal. Das Tanzen bis in die Nacht hinein überließen Dahlmeier und Rydzek aber den anderen – etwa den Zweit-, Drittplatzierten und Ehemaligen. Speerwerfer Johannes Vetter, der sich bei der Wahl den dritten Rang geholt hatte, bekam jedenfalls noch lange Gesellschaft von seiner Leichtathletik-Familie um Robert Harting und Co. Ausdauernd war etwa auch Kugelstoß-Paralympicssieger Niko Kappel, der sich an der Seite des letztjährigen Sportler des Jahres, Fabian Hambüchen, noch prima amüsierte. Hawaii-Ironman-Triumphator Patrick Lange war es als Zweitplatzierten nicht ganz gelungen, es seinem Triathlon-Kollegen Jan Frodeno nachzumachen. Der hatte Ende des Jahres 2015 die Auszeichnung erhalten.

Laura Dahlmeier, die in einem süßen, weinroten Dirndl und geflochtenen Haaren erschienen war, verabschiedete sich noch viel früher als ihr DSV-Kollege Rydzek. Von ihrem Laudator Alexander Huber wurde die 24-Jährige treffend „Kind der Berge“ genannt. Auch das Bergsteigen ist eine Leidenschaft von ihr, wie Deutschland erfahren durfte. „Momentan macht mir Biathlon zu viel Spaß, um etwas anderes zu machen“, entgegnete sie der Frage, ob sie sich selbst als Ex­trembergsteigerin vorstellen könnte. Und überhaupt stehen spannende Wochen und Monate an. In den verschneiten Bergen von Pyeongchang soll es dann im kommenden Jahr erfolgreich weitergehen für die Medaillensammlerin aus Garmisch-Partenkirchen. Sie verriet, dass sie dort bereits einen Glücksziegel mit einem Wunsch für die Olympischen Spiele deponiert habe. Wünschenswert fände sie letztlich auch, wenn die „ungedopten Wintersportler aus Russland eine Chance kriegen“. Ganz ohne diese ernsten, politischen Themen kam der Abend eben nicht aus. Auch Rydzek musste sich zum Ausschluss der russischen Konkurrenten bei den Winterspielen äußern: „Das Drumherum kriegen wir als Sportler nicht mit. Darum ist es auch schwer einzuschätzen, wer zurecht ausgeschlossen wird und wer nicht.“

An die heißeren Tage dieses Jahres fühlten sich die Gäste in Baden-Baden und am Bildschirm zurückversetzt, als die Beachvolleyballerinnen ihren Auftritt hatten. Beim WM-Turnier in Wien hatten Laura Ludwig und Kira Walkenhorst mal wieder die Konkurrenz dominiert und auf ihren Olympia-Coup sensationell noch WM-Gold oben drauf gesetzt. Das reichte, um den Deutschland-Achter und die Nordischen Kombinierer bei der Auszeichnung für die „Mannschaft des Jahres“ in den Schatten zu stellen. Entsprechend überrascht waren die beiden auch. „Es war ein hartes, aber ein tolles Jahr“, bekannte das erfolgreiche Duo, das die Dimension dieser Ehrung gar nicht fassen konnte.

Als das Duo 2016 das erste Mal gekürt worden war, stand Laura Ludwig mit einer Armschlinge da. Jetzt war es Kira Walkenhorst, die mit Krücken, rotem Kleid und Turnschuhen über den roten Teppich stakste, weil sie vor wenigen Tagen an der Hüfte operiert worden war. „Das müssen wir erst sacken lassen. Es ist jedenfalls eine Riesen-Ehre, wieder gewählt worden zu sein“, sagte Laura Ludwig und zeigte ihr Strahlen.

Vorbild für den Sport: Gesa Krause

Wahre Größe zeigte einmal mehr Leichtathletin Gesa Felicitas Krause, die den Sparkassenpreis für Vorbilder im Sport 2017 am Sonntag im Kurhaus Baden-Baden verliehen bekam. Die 25-jährige Hindernisläuferin hatte nach ihrer Niederlage bei der WM in London außergewöhnlich reagiert und ihrer Konkurrentin nicht die Schuld gegeben. Und auch am Abend ihrer Auszeichnung wurde sie große Worte los: „Mir ist es wichtig, dem Sport etwas zurückzugeben“, sagte die WM-Zimmergenossin von Alina Reh. Das Preisgeld kommt dem Heimatverein TV Dillenburg sowie einem Projekt an der Dillenburger Schule zugute. Ihre Motivation für die EM in Berlin 2018 sei groß. hel

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