Nordische Kombination Eric Frenzels goldene Olympia-Taktik

Auf dem Siegerpodest: Eric Frenzel dominierte bei den Kombinierern.
Auf dem Siegerpodest: Eric Frenzel dominierte bei den Kombinierern. © Foto: Christof Stache/afp
Pyeongchang / Manuela Harant 15.02.2018

Die Fahne konnte sich Eric Frenzel zwar nicht mehr schnappen, dafür war ihm Akito Watabe zu dicht auf den Fersen. Aber die hatte der Ausnahmesportler ja schon durchs Olympiastadion getragen. Und für einen beherzten Schritt über die Ziellinie samt Urschrei reichte es dennoch. Der 29-Jährige hat es mal wieder geschafft: Trotz einer Saison, in der ihm zeitweise das Sieger-Gen abhanden zu kommen schien, holte der Weltmeister, Gesamtweltcupgewinner und Olympiasieger erneut Gold.

Während er aber 2014 in Sotschi nach dem Springen von der Normalschanze schon als Führender auf die Loipe gegangen war, musste er diesmal acht Sekunden auf Dauer-Widersacher Watabe und 36 Sekunden auf die Spitze aufholen. Trotzdem beschrieb der nun zweifache Olympiasieger die Konstellation als fast perfekt: „Ich war in einer Gruppe, mit der ich gut zusammenarbeiten kann, und die Führenden waren auch nicht zu weit weg, um sie einzuholen“, erklärte Frenzel. „Deshalb wusste ich schon vor dem Start, dass ich hier Gold gewinnen kann.“

Gegner mürbe gemacht

Was folgte, waren Einblicke in ein Renngeschehen, das beispielhaft für die Nordische Kombination steht: Die schwächeren Springer aber besseren Langläufer holen auf. Meist kommt es dann zu einem von Taktik und Attacken geprägten Langlaufrennen, das an Spannung kaum zu überbieten ist. Und wenn es um Renntaktik geht, da sind die Deutschen, auch dank der Erfahrung von ihrem Bundestrainer Hermann Weinbuch, mit allen Wassern gewaschen.

Als Frenzel mit einer Vierer­-Gruppe führte, begann er seinen Masterplan durchzuziehen, den er sich zuvor mit seinem Coach zurechtgelegt hatte. „Wir hatten ein bisschen Angst vor Lukas Klapfer, weil der in letzter Zeit ziemlich gut gelaufen ist. Aber Eric ist sehr entschlossen angegangen, war sehr fokussiert, wir hatten gutes Material“, schickte Weinbuch als Grundlage vorweg: „Er hat dann immer bei den Anstiegen richtig angezogen, ist in jeder Runde scharf angegangen, damit die Leute müde und angeschlagen werden.“

Attacke am letzten Anstieg

Denn die steilen Anstiege fordern ihren Tribut, und angesichts der traditionell starken Laufform der Deutschen strotzte Frenzel vor Selbstbewusstsein. Obwohl er in dieser Saison erst einen Weltcup gewonnen hatte, riskierte er dann am letzten Anstieg alles. „Ich hatte schon vorher in Betracht gezogen, am letzten Anstieg zu attackieren“, erinnerte sich Frenzel hinterher. Doch das bedeutete auch ein gewisses Risiko: „Ich wusste, dass die Attacke so gut sein musste, dass ich ein großes Loch reiße. Sonst wäre für die anderen die Möglichkeit dagewesen, das auf der Abfahrt wieder zuzufahren.“ Einen Zielsprint, bei dem er schon oft den Kürzeren gezogen hatte, galt es zu vermeiden. Letztlich war die Lücke groß genug, und Watabe blieb wieder nur Silber – vor dem Österreicher Lukas Klapfer, der schon früh am Anstieg abreißen lassen musste. Die zuletzt erfolgsverwöhnten Norweger brachten Jarl Magnus Riiber als besten Mann nur auf Rang vier ins Ziel.

Frenzel dagegen konnte eindrucksvoll zeigen, worauf es in seinem spannenden Sport ankommt: Zwei so ungleiche Disziplinen miteinander zu vereinen, so dass ein goldenes Gesamtkonzept herauskommt. Eric Frenzel und sein Trainerteam haben das perfekt verinnerlicht.

Rießle und Rydzek verlieren in der Windlotterie

Starkes Teamergebnis, und doch gab es ein paar unglückliche Gesichter: Hinter Olympiasieger Eric Frenzel kamen Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Vinzenz Geiger auf die Plätze fünf, sieben und neun. Allerdings wäre sowohl für den Oberstdorfer Rydzek als auch für den Schwarzwälder Rießle eine Medaille drin gewesen. Doch im Springen erwischten die beiden ebenso wie die zuvor favorisierten Norweger Jörgen Graabak und Jan Schmid die schlechtesten Windbedingungen und gingen mit großem Rückstand in den Langlauf.

Während Rydzek zwischenzeitlich bis auf sieben Sekunden an die Spitze herankam, stand Rießle von vornherein auf verlorenem Posten: „Das hatten wir von vorneherein gewusst, dass man hier das nötige Windglück braucht. Das hatte ich heute leider nicht“, sagte Rießle. Die nächste Chance gibt’s erst am Dienstag von der Großschanze (17.45 Uhr/9.45 MEZ).

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