Skisprung Erfolg für Norweger Jacobsen beim Neujahrsspringen

Nicht einmal er selbst hätte gedacht, dass es so gut klappt: Anders Jacobsen freut sich auf seine Art.
Nicht einmal er selbst hätte gedacht, dass es so gut klappt: Anders Jacobsen freut sich auf seine Art. © Foto: dpa
Garmisch-Partenkirchen / MANUELA HARANT 02.01.2015
Ein Norweger hatte beim Neujahrsspringen die Nase vorn, in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee haben zwei Österreicher gute Chancen. Zwei Deutschen erreichten in Garmisch die Top Ten.

Eigentlich hatte Anders Jacobsen die Skisprung-Saison schon abgeschrieben. Nach einer Knie-Operation im Frühjahr kam er nur schwer auf Touren, landete im Weltcup entweder unter ferner liefen oder qualifizierte sich erst gar nicht. Doch im Neujahrsspringen von Garmisch-Partenkirchen kam der Tournee-Sieger von 2006/2007 wie Phoenix aus der Asche und ließ mit 286,0 Punkten (135,5 und 136,5 Meter) dem Zweitplatzierten Simon Ammann (279,4/138 und 133) und Dritten Peter Prevc (276,9/136,5 und 136) keine Chance.

Jacobsen hat eine besondere Beziehung zur Olympia-Schanze von Garmisch. "Diese Schanze hier ist für mich magisch", sagte der 29-Jährige nach seinem insgesamt vierten Tournee-Triumph gestern. Schon 2013 hatte der Norweger an Neujahr triumphiert. "Jacobsen kennt sich auf dieser Schanze unglaublich gut aus, ist hier auch im Continental Cup gesprungen", sagte Bundestrainer Werner Schuster. "Das war heute mit entscheidend." Noch beim Auftaktspringen in Oberstdorf vor drei Tagen war der 29-Jährige nur 14., jetzt hat er mit 540,7 Punkten zumindest wieder theoretische Chancen, die Spitze der Gesamtwertung, Stefan Kraft (Österreich/561,9 Punkte), Peter Prevc (Slowenien/560,8) und Michael Hayböck (Österreich/554,8) einzuholen.

Das zeigt auch, was für die deutschen Skispringer nach dem historisch schlechten Abschneiden von Oberstdorf mit den Plätzen 13 (Severin Freund), 15 (Richard Freitag) und 18 (Marinus Kraus) noch drin gewesen wäre. Doch in Garmisch patzten Freitag und Freund diesmal jeweils im ersten Durchgang und steigerten sich mit guten zweiten Sprüngen immerhin noch auf Platz neun und zehn. Marinus Kraus fiel dafür vom aussichtsreichen neunten Platz in Runde eins noch auf den 13. Rang zurück.

Severin Freund reagierte angefressen nach der Kritik der vergangenen Tage: "Das ist hier halt nicht irgendein Kasperlspringen. Hier gibt jeder alles. Da ist man halt auch mal nicht bei den Glücklichen dabei, die es packen", verteidigte sich der Oberbayer und bemühte den Blick nach vorne: "Da kann immer noch was Gutes rauskommen."

Bundestrainer Werner Schuster wurde konkret: "Unser Ziel ist es jetzt, in einem der letzten beiden Springen aufs Podium zu kommen. Außerdem kann fast jeder meiner Springer noch sein bestes Tournee-Ergebnis erreichen", sagte der deutsche Chefcoach, der sein Team für die Springen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) verkleinern musste. Dadurch steht neben Tim Fuchs vom SC Degenfeld etwas überraschend auch Team-Olympiasieger Andreas Wank vom SC Hinterzarten - gestern 30. - nicht mehr im Aufgebot. Er muss dem 23 Jahre alten Berchtesgadener Daniel Wenig Platz machen. "Andreas hat seinen Olympia-Bonus aufgebraucht und macht momentan nicht den Eindruck, dass er noch eine Rakete zünden kann", sagte Schuster.

Eine Rakete, wie sie Anders Jacobsen gestern gezündet hat. Dabei war er vor neun Jahren eher zufällig in den Profisport gerutscht: Der gelernte Klempner war eigentlich nur Hobby-Skispringer und wurde 2006 vom damaligen Nationaltrainer Mika Kojonkoski ins norwegische Team berufen. In derselben Saison gewann Jacobsen auf Anhieb die Vierschanzentournee. Dieses kleine "Skisprung-Wunder" zu wiederholen, daran denkt Jacobsen aber aktuell nicht: "Es hat schon oft sehr gut angefangen und dann gingen die Leistungen wieder nach unten. Ich muss jetzt noch mehr kämpfen, um das Level zu halten. Dann sehen wir, was am Ende herauskommt."

Hannawald bleibt behält seinen Rekord

Aufatmen Gute Nachricht für Sven Hannawald: Der bislang letzte deutsche Sieger bei der Vierschanzentournee bleibt durch den Sieg von Anders Jacobsen und den sechsten Rang von Oberstdorf-Gewinner Stefan Kraft in Garmisch-Partenkirchen auch 2014/1015 der einzige Springer, der alle vier Wettbewerbe für sich entscheiden konnte. "Die Weltspitze ist so eng, dass kleinste Fehler im Moment einfach so bestraft werden, dass fünf Meter abgehen", erklärt Michael Neumayer, der beim Neujahrsspringen 23. wurde. Skisprung-Rentner Hannawald kann sich nun in Ruhe die nächsten Tournee-Stationen ansehen.

SWP

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