Wangen/Allgäu Er hat noch nicht genug

Wangen/Allgäu / LYDIA BENTSCHE 15.02.2012
Geländefahrten, Sechstagerennen, Paris-Dakar-Rallyes: Herbert Schek aus Wangen im Allgäu war viel unterwegs. Und er heimste namhafte Motorrad-Titel ein. Jetzt ist der Sport sein "Kampf gegen das Alter".

Er ist 79. Er sieht aber jünger aus. Ob das vom vielen Motorradfahren kommt? Alle zwei Tage sitzt Herbert Schek noch auf einer seiner Maschinen. Er trainiert. Um fit zu bleiben. Um bei Klassik-Rennen mit den "jungen Kerlen" mithalten zu können.

Was sein größter Erfolg war, kann Schek nicht sagen. "Wenn man zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft gewinnt, ist das ein tolles Gefühl", erzählt er, die Offroad-Legende aus Wangen im Allgäu. Er gewann 1962 in der 250-Kubikzentimeter-Klasse. Dann erzählt der große, schlanke Mann mit den wachen Augen und dem schelmischen Lächeln weiter. Von allem, was danach kam. Und das war viel. Europa-Cup-Sieger, Europameister und Mannschaftsweltmeister im Gelände. 19 Medaillen aus 25 Sechstagefahrten, und von 1981 bis 1998 noch 15 Paris-Dakar-Rallyes.

Zum Motorrad kam Schek über das Auto- und Motorradgeschäft seines Vaters, in dem er seine Lehre machte und das er 1958 übernahm. Dort lernte er auch das Werkeln und Schrauben, das zu seinem sportlichen Erfolg beitrug. "Weil wir nicht viel hatten, sind wir jedes Rennen mit dem gleichen Motorrad gefahren", erzählt er. "Das habe ich mir immer hergerichtet. Das wars billigste." Auch auf der Strecke musste er manches Mal Hand anlegen. "Wir haben ja nie gewusst, wie weit man mit den Motorrädern kommt."

Seine großen Erfolge fuhr Schek in verschiedenen Klassen als Werksfahrer für Maico und BMW ein. Während der Sechstagerennen hatte er bemerkt: "Mit diesen Maschinen kann man nicht gewinnen." Also machte er die Serienmotorräder leichter und damit geländetauglicher. Mehr noch: Er baute mit Werkmaterial eigene Maschinen. Statt 180 oder 190 Kilogramm wog eine etwa nur 125 Kilogramm.

Erfolg hin oder her, 25 Sechstagefahrten sind genug, beschloss der Verband im Jahr 1981. Rekordhalter Schek musste mit dem professionellen Geländefahren aufhören, erhielt eine Sonderehrung. "Ich sollte den Jungen eine Chance geben", erinnert er sich. "Aber ich wollte noch nicht aufhören." Also suchte er eine neue Herausforderung, die ihn um die Welt führte: die Paris-Dakar-Rallye. 700-Kilometer-Tagesfahrten. Stundenlange Konzentration. Gefährliche Streckenabschnitte. Die Ausdauer, "das Durchhalten von Mensch und Maschine" reizte ihn.

"Heute kommen ja 70 bis 80 Prozent durch, die Fahrer haben Lkw mit Technikern dabei", sagt Schek. "Ich habs bei 15 Teilnahmen viermal geschafft, 1984 die Marathon-Wertung gewonnen." Es sei brutal gewesen. Tagsüber fahren, nachts die Motorräder in Schuss halten, mit wenig Schlaf am nächsten Tag wieder aufsteigen und Gas geben. Unversehrt hat er die Rallyes nicht überstanden. Nach einem Unfall lag er mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma wochenlang im Koma.

Er erinnert sich aber auch an die Faszination. 350 000 Menschen fieberten beim Start in Paris mit. "Die Begeisterung hat durch ganz Frankreich angehalten." Heute sei es schwer, die Jugend für den Motorradsport zu begeistern. "Das Interesse hat in Deutschland gewaltig nachgelassen. Das Fernsehen überträgt ja keine Rennen mehr. Früher war normal, dass berichtet wurde." Ein paar junge, erfolgreiche Enduro-Fahrer aus der Republik kennt Schek. "Es gibt ein paar, die sehr gut sind, aber international nicht oben mitfahren. Sie wollen das manchmal auch gar nicht, es ist sehr teuer und schwer, Sponsoren zu finden."

Fans allerdings erinnern sich bis heute an die selbst gebauten Schek-BMW. "Wenn ich in Isny mit der Maico starten will, sagen sie mir: ,Herbert, das kannst du sein lassen, komm mit der BMW. Das wollen die Leute sehen." Von seinen 16 Motorrädern ist ihm trotzdem die österreichische Puch eine der liebsten. Auf ihr feierte er in den 50er Jahren seine ersten Erfolge.

"Mit 80 höre ich auf", hat Schek einmal gesagt. Seine Frau meint damit seinen 80. Geburtstag Ende des Jahres. "Ich meine erst den 81.", sagt er und grinst. Motorradfahren ist auch sein "Kampf gegen das Alter", das er so lange wie möglich hinauszögern möchte. Schon seit einigen Jahren merkt er, dass Augen, Ohren und Reaktionsfähigkeit nachlassen. Während er vor sechs Jahren bei seinem "Heimrennen" in Isny noch gewann, wurde er jetzt 13. Gegen die jungen Kerle kommt er eben nicht mehr an. Schlimm findet Schek das nicht. "Du musst mit dir selber zufrieden sein. Darum geht es. Basta."

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