London Ein unrühmlicher Gegner

London / DPA 27.07.2013
Nach dem Skandal um Tyson Gay und Asafa Powell ist Ex-Doper Justin Gatlin der einzige Sprinter, der Usain Bolt bei der WM gefährlich werden kann.

So etwas wie Erschöpfung scheint US-Sprinter Justin Gatlin nicht zu kennen. Nach seinem Doppelsieg beim Leichtathletik-Meeting in Monaco beklatschte sich der immerhin schon 31-Jährige zunächst selbst, ehe er noch auf der Laufbahn und ohne große Anzeichen von Müdigkeit die ersten Autogramme gab. Er hatte gerade innerhalb von nur zwei Stunden zunächst die Sprintstaffel zur Weltjahresbestzeit geführt, dann sein Einzelrennen über 100 Meter in 9,94 Sekunden gewonnen. So kurz vor der WM in Moskau wollte er seinen Auftritt als klare Kampfansage an den Superstar Usain Bolt verstanden wissen. "Erst die Staffel und dann die 100 Meter so gelaufen zu sein, zeigt: Ich bin bereit für die Weltmeisterschaften", tönte er.

Ohne die beiden positiv getesteten Dopingsünder Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaika) ist Gatlin der einzig ernstzunehmende Konkurrent, der Bolt bei der WM noch bleibt. Vor allem aber klebt der Generalverdacht, unter dem die Sprinter mittlerweile wieder stehen, an niemandem so hartnäckig wie an dem 2001 und 2006 schon einmal überführten Amerikaner. "Natürlich kriegt man einen Hals, wenn man sieht, wie Justin Gatlin, der schon zweimal gesperrt war, wieder munter mitläuft und bei Olympia auch noch Medaillen gewinnt", sagte der deutsche 100- und 200-Meter-Meister Julian Reus. Ein Blick in Gatlins Vita stärkt wirklich nicht gerade das Vertrauen in den weltweiten Anti-Doping-Kampf.

Dank einer Reihe fragwürdiger Urteile und Entscheidungen hat der frühere Olympiasieger und Weltrekordhalter seine Karriere immer wieder fortsetzen dürfen. 2001 wurde ihm die Einnahme von Amphetaminen nachgewiesen. Die zweijährige Sperre wurde jedoch auf ein Jahr reduziert, weil Gatlin anführte, nicht wissentlich gedopt zu haben, sondern seit seiner Kindheit Medikamente gegen ein Aufmerksamkeitsdefizit zu nehmen. Das führte auch dazu, dass er nicht als Wiederholungstäter galt, als er 2006 erneut positiv getestet wurde - diesmal auf Testosteron. Gatlin wurde zunächst nur für acht Jahre statt wie bei Wiederholungstätern üblich lebenslang gesperrt und erwirkte später vor Gericht eine Halbierung selbst dieser Strafe.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel