Bietigheim-Bissingen Ein Ex-Profi als Vorbild für Talente

Markus Eberl vor dem Mannschaftsfoto der Steelers vor der Saison 2002/2003. Damals spielte der Verteidiger für die Steelers. Sein Trainer war Markus Berwanger.
Markus Eberl vor dem Mannschaftsfoto der Steelers vor der Saison 2002/2003. Damals spielte der Verteidiger für die Steelers. Sein Trainer war Markus Berwanger. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / CLAUS PFITZER 23.06.2015
Markus Eberl ist zurück. Der ehemalige Eishockey-Profi, der fünf Jahre seiner Karriere in Bietigheim verbrachte, ist Nachwuchschef und Trainer bei den Steelers. Der 36-Jährige soll die Jugendarbeit beim DEL-2-Meister forcieren.

Markus Eberl hat in der EgeTrans-Arena sein Büro bezogen. Der 36-Jährige arbeitet seit ein paar Wochen als Nachwuchsleiter und Jugend-Cheftrainer bei den Bietigheim Steelers und ist verantwortlich für die rund 200 Jugendlichen in elf Mannschaften. Dazu bringt er die nötige Ausbildung mit, hat Visionen, jede Menge Ideen und Erfahrung und ist als Profi auch Vorbild für die jungen Sportler.

Als Trainer hat er bei den Steelers die in der Deutschen Nachwuchsliga 2 (DNL 2) spielenden Junioren im Alter von 16 bis 19 Jahren übernommen. Er füllt das Vakuum aus, das durch den Weggang von Uli Liebsch zum Deutschen Eishockey-Bund (DEB) entstanden ist. "Uli Liebsch hat die Nachwuchsabteilung aufgebaut und super Arbeit geleistet. Er ist vor zwei Jahren auch deutscher Meister mit der Jugend geworden", sagt Eberl.

Als er selbst noch Profi bei den Steelers war und in einem Team mit Craig Teeple, Darren Ritchie, Calvin Elfring, Markus Wieland oder auch Andrej Kovalev gespielt hat, gab es nur die enge Eissporthalle nebenan, die jetzt den Jugendteams ausreichend Trainingszeiten gewährt.

Mit 28 Jahren musste Eberl seine Karriere abrupt beenden. Im Training beim EHC München erwischte ihn ein Mitspieler mit dem Schläger am rechten Auge. Nach mehreren Operationen und einer langen Leidenszeit ist seine Sehkraft erheblich eingeschränkt. "Eishockey ist mein Leben", sagt Eberl, der im vergangenen Jahr in seiner Heimatstadt Landshut beim EV eine Nachwuchsmannschaft trainiert hat. "Es gab schon im vergangenen Jahr Kontakte nach Bietigheim", verrät Eberl, der jetzt dem Werben nachgegeben hat. Immerhin findet er in Bietigheim ein großes Betätigungsfeld vor, dass er alleine verantworten darf.

Hinzu kommt, dass er während seiner zweiten aktiven Zeit bei den Steelers seine aus Rutesheim stammende Ehefrau kennengelernt hat. Momentan wohnt Eberl bei den Schwiegereltern in Rutesheim, sucht aber in Bietigheim-Bissingen eine neue Bleibe für die Familie. Die Ehefrau und die drei Kinder sollen zu Beginn der Sommerferien umziehen.

"Reindl macht ernst", sagt Steelers-Jugendleiter Frank Kästner, und meint die Reformen, die der neue DEB-Präsident in seiner Agenda 2026 angekündigt hat. "Er setzt auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Jugendlichen in den Vereinen. Da hat beim DEB ein Umdenken stattgefunden", sagt Kästner. Wichtig sei es jetzt allerdings, dass die Voraussetzungen geschaffen und in den Landesverbänden unterschiedlichen Regeln angepasst würden. Um dem neuen Ansatz beim Verband Rechnung zu tragen, in erster Linie aber um der eigenen Nachwuchsarbeit neuen Schwung und neue Ansätze zu verleihen, holten die Steelers-Verantwortlichen ihren Ex-Profi Eberl zurück.

"Er hat die Ideen und die Ausbildung. Wichtig sind Methodik und Authentizität. Er war neun Jahre Profi, wenn er etwas sagt, glauben die Spieler ihm. Er ist authentisch und natürlich. Das hilft uns. Er findet den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen anders. Das alles verkörpert Markus in Summe. Darum haben wir hart um ihn gekämpft", begründet Kästner die Verpflichtung Eberls. "Der Weggang von Uli Liebsch hat bei uns ein Loch gerissen, vor allem bei der strategischen Ausbildung", sagt der Jugendleiter. Auch der verstorbene Danny Held, der vielfältig im Jugendbereich tätig und ein großes Vorbild für die Talente war, fehle, so Kästner. Neben Eberl arbeiten mit dessen ehemaligem Mitspieler Robert Gratza, Rudi Thomas und Mika Palanen drei weitere hauptamtliche Nachwuchstrainer beim aktuellen Meister der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2).

Neben seinen Aufgaben als hauptamtlich Verantwortlicher für den gesamten Nachwuchsbereich mit elf Mannschaften kümmert sich Eberl als Trainer um die DNL-Mannschaft. Und da stellt er hohe Anforderungen an die 35 jungen Männer seines Kaders. "Wir müssen das Denken reinbringen, dass DNL Leistungssport ist. Das müssen die Jungs wissen. Unser Ziel ist es, sie so gut auszubilden, dass sie den Weg in die Profimannschaft finden. Dabei ist uns bewusst, dass nicht jeder Profi wird", sagt Eberl, der größten Wert auf Teambildung, Respekt und Arbeit legt. Von seinem Team werden immer wieder Spieler auch im Regionalligateam von Trainer Gratza zum Einsatz kommen.

Zwei, die bereits in der abgelaufenen Saison DEL-2-Luft schnupperten und weiterhin in der DNL-Truppe zum Einsatz kommen, sind Lukas Fröhlich und Michael Fink, denen Eberl zutraut, den Sprung zum Profi zu schaffen. Allerdings sei das gar nicht so einfach, den Spagat zwischen beruflicher Ausbildung und Leistungssport hinzubekommen, so Eberl.

In diese Richtung gehen seine Ideen, wenn er ein Sportinternat oder Schulklassen mit einer speziellen Förderung von begabten Sportlern anregt, an denen nicht nur Eishockeyspieler, sondern auch Fußballer und Handballer oder Talente aus anderen Sportarten gefördert werden und denen Zeit eingeräumt wird, um auch vormittags aufs Eis zu gehen oder in ihren Sportstätten zu trainieren. "Es gibt einfach eine sehr enge Zeitspanne, wenn die jungen Spieler bis 16 Uhr in der Schule sind und wir dann nur bis 20 Uhr Zeit für Training haben", so der Ex-Profi. "Ich würde gerne mit jeder Mannschaft aufs Eis gehen, aber das funktioniert so nicht", meint er.

Mit der Oscar-Paret-Schule in Freiberg besteht eine Kooperation. Da fällt Eberl eine Anekdote aus seiner Profizeit in Bietigheim ein: "Ich sollte dort Autogramme geben. Dann waren zuerst 100 Kinder zu einer Spieleinheit da, anschließend habe ich in einem Hörsaal vom Leben als Profi berichtet und erst danach kam ich dazu, Autogramme zu schreiben. Da waren dann alle da. Diese Erlebnis werde ich nie vergessen."

Auch wegen dieser Episode, aber auch um für Eishockey zu werben und Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern, will Eberl Kontakte zu Schulen und Kindergärten aufnehmen. Dort möchte er auch um Verständnis werben. "Ohne Kooperationen mit diesen Einrichtungen geht es nicht." Gerne würde er auch mit Jugendlichen anderer Sportarten trainieren, damit sie Bewegungserfahrungen machen.

Er selbst schwört dabei auf die Ausbildung mit den Langhanteln, die er an der Sporthochschule in Köln während des Erwerbs der Trainerlizenz genossen hat. "Ich will mein Fachwissen einbringen, den Jungs eine gute Ausbildung anbieten und eigene Leute nach oben bringen. Das ist ein bisschen eingeschlafen, da müssen wir was tun", beschreibt Eberl einen Teil seiner Aufgaben.

Auch er setzt auf Änderungen innerhalb des Verbandes. "Die Ausbildung bei den Kleinen sollte auf gleicher Schiene ablaufen und eine hohe Einheitlichkeit aufweisen. Aber sie soll nicht nur am Erfolg ausgerichtet sein, sondern den Kindern Spaß am Eishockey vermitteln. Das bringt sie weiter, als wenn man früh schon alles auf Erfolg ausrichtet", sagt Eberl. Das komme später.

Zur Person vom 23. Juni 2015

Markus Eberl wurde am 23. April 1979 in Landshut geboren, er ist verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von elf, neun und fünf Jahren. In seiner aktiven Karriere als Eishockey-Profi spielte er bei den Bietigheim Steelers (1997/1998 und 2000 bis 2004), bei den Heilbronner Falken (1998 bis 2000), den Landshut Cannbals (2004/2005) und dem EHC München (2005 bis 2007).

Nach einer im Training erlittenen Augenverletzung musste er seine Karriere mit 28 Jahren beenden. Er war 1999 bei der U-20-WM für Deutschland im Einsatz. Als Jugendtrainer arbeitete er in Moosbrunn, beim EHC Straubing und beim EV Landshut. Seit 1. Mai 2015 ist er Nachwuchschef bei den Bietigheim Steelers.

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