Hamburg Doppelpack in Deutschland

Er scheints selbst kaum zu glauben: Der Italiener Fabio Fognini gewann zum zweiten Mal in Folge ein Tennis-Turnier in Deutschland. Foto: dpa
Er scheints selbst kaum zu glauben: Der Italiener Fabio Fognini gewann zum zweiten Mal in Folge ein Tennis-Turnier in Deutschland. Foto: dpa
Hamburg / DPA 22.07.2013
Auf deutschen Sandplätzen fühlt sich Fabio Fognini wohl. Nach Stuttgart gewann der Italiener auch das Hamburger Tennisturnier. Roger Federer hingegen ist derzeit ein Schatten seiner selbst.

Der italienische Tennisprofi Fabio Fognini hat nach Abwehr von drei Matchbällen seinen erstaunlichen Doppelpack in Deutschland perfekt gemacht. Eine Woche nach seinem Turniersieg in Stuttgart entschied der 25-Jährige gestern durch das 4:6, 7:6 (10:8), 6:2 über den argentinischen Federer-Bezwinger Federico Delbonis auch das Finale in der Hansestadt für sich. Für den Erfolg bei der Sandplatz-Veranstaltung strich Fognini 251 200 Euro ein. Zudem wird er erstmals unter die Top 20 der Tennis-Welt vorstoßen.

Sein geschlagener Kontrahent Delbonis, der sich durch die Qualifikation gekämpft und im Halbfinale Roger Federer ausgeschaltet hatte, war nach der Niederlage hingegen untröstlich. Schließlich hatte der Weltranglisten-114. im Tiebreak des zweiten Satzes gleich dreimal die Möglichkeit, seinen sensationellen Siegeszug zu krönen. Doch in den entscheidenden Augenblicken versagten dem argentinischen Außenseiter bei den Matchbällen die Nerven. So musste sich Delbonis nach dem 2:27 Stunden dauernden Kraftakt mit einem Scheck über 114 510 Euro und dem Sprung unter die Top 70 der Welt trösten. Einen Tag vor seiner unglücklichen Finalniederlage war er nach dem 7:6 (9:7), 7:6 (7:4) über den großen Favoriten Federer noch überglücklich gewesen. "Ich fühle mich, als ob ich träume", sagte er. Für Federer war es ein Albtraum. Dennoch sagte der Schweizer: "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich zum letzten Mal hier war." Prompt kündigte Turnierdirektor Michael Stich an: "Wir werden versuchen, Roger nochmals wiederzukriegen."

Es wäre auch eines viermaligen Rothenbaum-Champions unwürdig, sollte sein letzter Auftritt an der Hallerstraße die deprimierende Niederlage gegen den argentinischen Qualifikanten Delbonis sein.

Federer lässt derzeit all das vermissen, was ihn über Jahre zum Dominator der Tennis-Szene gemacht hat. Dem 31-Jährigen unterliefen etliche leichte Fehler, zudem agierte er bei den Big Points nicht mehr mit jener selbstverständlichen Souveränität, die ihm den Nimbus einer kaum zu schlagenden Ausnahmeerscheinung auf der ATP-Tour eingebracht hatte.

Bereits bei seinem sensationellen Zweitrundenaus in Wimbledon hatte Federer erkennen müssen, dass selbst Spieler aus der dritten Reihe wie der Ukrainer Sergej Stachowski gegen ihn keine Angst mehr haben. Nun war es Delbonis, der dem auf Weltranglistenplatz fünf abgerutschten Familienvater mit druckvollen Schlägen enorm zusetzte. "Er war eine Spur aggressiver als ich", räumte denn auch Federer ein.

Klar ist: Auf der Suche nach der alten Leichtigkeit muss sich der 77-fache Turniersieger auf eine lange Geduldsprobe einstellen. Zumal der Schweizer noch etwas Zeit braucht, um sich an sein neues Racket - nach dem Wimbledon-Schock hatte er sich für einen Schlägerwechsel entschieden - zu gewöhnen. Das weiß auch Federer. Und so strich er bewusst heraus, trotz der erneuten Pleite gegen einen Akteur jenseits der Top 100 auch "sehr viel Positives" aus Hamburg mitzunehmen.

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