Es gibt einige Dinge, die Dennis Uspensky und Anastasiya Klymenko gemeinsam haben. Vor allem, dass sie beide Tennis-Profi werden wollen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, gehen sie jedoch ganz unterschiedliche Wege. Diese kreuzen sich zur Zeit beim LBS Müller Junior Cup, wo das ungleiche Duo in der Altersklasse der U 16 an Position eins gesetzt ist.

Der 15-jährige Dennis Uspensky (USA) ist mit seinem Privattrainer in Ulm. Andrei Karachtchenia war im Mai 2009 Nummer 576 der Weltrangliste, die höchste Platzierung seiner Karriere. Sechs Spiele hat er für Weißrussland im Davis Cup bestritten. Nun reist er mit Dennis Uspensky durch Europa. Diese Woche Ulm, danach ein Turnier in Polen, anschließend wieder eine Veranstaltung in Deutschland bevor es nach Barcelona geht.

Die Ukrainierin Anastasiya Klymenko wird von ihrem Vater Vitaliy begleitet, ein spezieller Trainer ist nicht dabei. Sie ist bereits seit Juni in Deutschland. In der abgelaufenen Oberliga-Saison hat Anastasiya Klymenko für den TK Bietigheim gespielt. An Nummer eins, mit 14 Jahren. Immer wieder entschuldigt sie sich für ihr schlechtes Englisch - dabei ist es völlig in Ordnung.

Dennis Uspensky spricht perfekt Englisch - klar, er ist in New York geboren. Bis zu seinem elften Lebensjahr wohnte er an der amerikanischen Ostküste. Vor vier Jahren zog die Familie nach Barcelona. Vater Alex, ein Immobilienmakler, erhielt dort einen besseren Job. Dass die spanische Metropole für ihre Tennis-Akademie bekannt ist, spielte auch eine Rolle. An der neuen Heimat hat Dennis Uspensky Gefallen gefunden: "New York ist zu groß, da verliert man leicht die Orientierung. Und Moskau ist zu gefährlich." Barcelona sei perfekt.

Aus der russischen Hauptstadt stammt Vater Alex, der dort für den Traditionsklub ZSKA Moskau Fußball gespielt hat. In Barcelona wurde Dennis kleiner Bruder Maxim geboren. Damit sind die Uspenskys endgültig eine Multi-Kulti-Familie. Mama Maria ist halb Russin, halb Ukrainerin - ihre Familie lebt noch immer in der Ukraine.

Neben Englisch spricht Dennis Uspensky fließend Spanisch, Katalanisch und Russisch. Zur Schule geht er aber nicht. Jedenfalls nicht direkt. "Ich lerne im Internet an der Laurel Springs School" - einer Internet-Privat-Schule. "Alle guten Tennisspieler sind da", sagt Dennis Uspensky.

Anastasiya Klymenko ist auf einer normalen Schule in Odessa - nicht einmal ein Tennis-Internat. Zwar unterstützt die Schule sie auf ihrem Weg, Tennis-Profi zu werden, indem sie für die Turniere frei bekommt. Das war es dann aber auch schon. Wenn sie in der Ukraine ist, trainiert sie normal in einem Tennisklub, drei Stunden am Tag.

Das erste Mal zum Schläger griff sie mit vier Jahren, als sie ihren älteren Bruder Artem zum Training begleitete. Dessen Coach erkannte ihr Talent. "Er hat gesagt, dass ich zu klein bin", sagte die noch immer zierliche, 1,65 große Spielerin. Ihr Bruder hat mittlerweile mit dem Tennis spielen aufgehört und arbeitet in Odessa als Tätowierer. Anastasiya Klymenko ist hingegen dabei geblieben.

Bislang ist ihre Größe kein Problem. Sie war bei den U-14-Jährigen die Nummer 16 in Europa. Ihr Ranking bei der U 16 hat sie nicht parat, sie ist erst vor kurzem in die neue Altersklasse aufgestiegen. Sie ist die Nummer 86 in Europa.

Dennis Uspensky steht in der europäischen Rangliste auf Platz 19. Zwar ist er Amerikaner, aber den Großteil seiner Turniere bestreitet er in der Alten Welt. Fünf Stunden am Tag trainiert er. Mal in einem Tennisklub in Barcelona, mal mit seinem Privattrainer. Mit seinem Vorbild, dem Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, hat er schon ein paar Mal gemeinsam trainiert. "Mein Ex-Trainer kam aus Togo und war ein guter Freund von ihm."

Anastasiya Klymenko findet die russische Tennis-Diva Maria Scharapowa gut. Getroffen hat sie die 25-Jährige noch nie. Vielleicht hat sie irgendwann dazu Gelegenheit. Sollte es mit der Tennis-Karriere nichts werden, will sie Sportjournalistin werden. "Aber dazu muss mein Englisch besser werden."

Sich mit Freunden treffen, ins Kino gehen - bei der Freizeitgestaltung unterscheiden sich die beiden Teenager nicht groß. Und noch etwas haben Dennis Uspensky und Anastasiya Klymenko gemeinsam - obwohl an Position eins gesetzt, war gestern für das Duo überraschend im Viertelfinale des LBS Müller Junior Cups Endstation.