Am Sonntag ist es wieder soweit – die American Football Welt in der nordamerikanischen Profiliga NFL steht Kopf, wenn die Los Angeles Rams in Super Bowl LIII, also der 53. Ausgabe, auf die New England Patriots um Star-Quarterback Tom Brady treffen. Ganz genau hinschauen wird dabei auch der deutsche Profi Moritz Böhringer – denn auf Seiten der Rams kann er seinen neuen Trainer Zac Taylor beobachten. Noch ist es aufgrund einer Regelung der NFL nicht offiziell, aber es gilt als nahezu sicher, dass Taylor, momentan noch der Quarterback-Trainer für Los Angeles, der neue Cheftrainer der Cincinnati Bengals wird.

Das ist das Team, bei dem Böhringer auf der sogenannten „Practice Squad“ steht. Das bedeutet, dass er vollwertig mittrainiert, aber nicht spielen darf. Wer den Super Bowl gewinnt, sei ihm „egal“, wie er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE erklärt. Er erhofft sich ein spannendes Spiel, sieht aber die Patriots in der Favoritenrolle. Der Grund: mehr Erfahrung auf diesem Niveau.

Der 25-Jährige, der in Aalen aufgewachsen ist, hat eine ansprechende Karriere vor sich. 2015 spielte er noch bei den Schwäbisch Hall Unicorns in der GFL, der höchsten deutschen Spielklasse. Wann immer er in Deutschland ist, schaut er bei den Unicorns vorbei, sagt er. Den German Bowl Sieg der Schwäbisch Haller über Frankfurt Universe im vergangenen Jahr hat er per Livestream im Internet verfolgt. Er ist einmal im Jahr im Lande, mit der Familie und Freunden telefoniert er regelmäßig.

Böhringer machte 2016 bei einem Probetraining auf sich aufmerksam – durch sagenhafte athletische Fähigkeiten. Wenig später wurde er der erste Spieler aus Europa, der kein College in den USA besucht hat und im NFL-Draft gezogen wurde. Dort sichern sich die Teams die Rechte an talentierten Spielern.

Neue Aufgabe für Böhringer

Nachdem er es bei den Minnesota Vikings zwei Jahre lang nicht in den endgültigen Kader geschafft hat, haben ihn die Bengals 2018 unter Vertrag genommen. Die vergangene Saison hat er damit verbracht, eine neue Position zu lernen. Er ist jetzt nicht mehr Wide Receiver, also der primäre Passempfänger des Quarterbacks, sondern Tight End. Auf dieser Position fängt man zwar auch Pässe, muss aber auch Gegenspieler blocken. Zum Teil sind die über 130 Kilogramm schwer. Böhringer gibt zu, dass das eine Umstellung für ihn war, „aber jeden Tag im Training daran zu arbeiten, hat auf jeden Fall geholfen.“ Generell sieht er seine erste Saison bei den Bengals sehr positiv. Er habe sich „deutlich verbessert“ und er glaubt, dass er auf die Verantwortlichen einen guten Eindruck hinterlassen habe.

Momentan trainiert Böhringer privat in der IMG Academy in Florida. Unter dem neuen Trainer hat er wichtige Monate vor sich, um endgültig den letzten Schritt zum NFL-Spieler zu gehen.

In Atlanta treffen Gegensätze aufeinander: der wohl beste Quarterback der Geschichte, Tom Brady, trifft auf den jungen Shootingstar Jared Goff. Und auch die beiden Cheftrainer könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Rams-Coach Sean McVay (33) als Wunderkind gilt, das mit einer simplen Taktik die Gegner zur Verzweiflung bringt, ist sein Gegenüber Bill Belichick so erfolgreich, wie er wortkarg ist. Der 66-Jährige verlangt seinen Spielern mehr ab als jeder andere Trainer in der NFL – vor allem mental. Sein Team spielt jede Woche anders, alles ist auf den Gegner ausgerichtet.

Laufspiel gefragt

Belichicks Spezialität ist es, die besten Offensivspieler des Gegners aus dem Spiel zu nehmen. Damit hat er schon fünfmal den Super Bowl gewonnen.

Ob in der Nacht auf Montag ein sechster Titel dazukommt, wird auch stark davon abhängen, ob die Rams ihr von den Gegnern gefürchtetes Laufspiel etablieren können. Mit dem Star-Running Back Todd Gurley hat Los Angeles da einen der besten Spieler der Liga auf seiner Position, hinzu kommt der erfahrene CJ Anderson. Spannung pur: Die Offensive Line der Rams, die den Quarterback beschützen soll, ist eine der besten der NFL.

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Mitfiebern vor dem Bildschirm


Kickoff für das Spiel der Spiele ist um 0.30 Uhr in der Nacht auf Montag. Im deutschen Fernsehen können die Fans das Spiel auf ProSieben live verfolgen. Die Streamingplattform DAZN überträgt das Spiel im englischen Kommentar. Austragungsort ist das Mercedes-Benz Stadium in Atlanta im Bundesstaat Georgia. In der Halbzeitshow tritt Maroon 5 auf.