Bietigheim-Bissingen Deutschland verpasst das olympische Eishockey-Turnier 2014

Trainer Pat Cortina (links), Torschütze Constantin Braun: In der Enttäuschung vereint. Foto: Avanti
Trainer Pat Cortina (links), Torschütze Constantin Braun: In der Enttäuschung vereint. Foto: Avanti
Bietigheim-Bissingen / AXEL HABERMEHL 11.02.2013
Welch eine Enttäuschung: Die Winter-Olympiade 2014 in Sotschi findet ohne das deutsche Eishockeyteam statt. Die Mannschaft siegte zwar 3:2 gegen Österreich - aber erst in der Verlängerung. Das genügte nicht.

"Weil es einfach Österreich ist." So lautete am Freitagabend die Antwort des deutschen Eishockey-Nationalspielers Constantin Braun (24) auf die Frage, warum er an einen Sieg gegen Österreich glaube. Gefragt hatte Braun ein TV-Journalist im Anschluss an das 1:2 gegen Italien - der ersten Niederlage Deutschlands aller Zeiten in einem Olympia-Qualifikationsspiel. "Wir sind Deutschland, die sind Österreich", fügte Braun noch erklärend hinzu.

Gestern gewann seine Mannschaft zwar in der Verlängerung mit 3:2 (1:0, 0:1, 1:1, 1:0) gegen Österreich. Für Olympia 2014 in Sotschi aber qualifizierten sich trotzdem die Verlierer. Deutschland hätte in der regulären Spielzeit siegen müssen, um sich mit drei Punkten noch an die Tabellenspitze des Qualifikationsturniers schieben zu können. So waren zwei Punkte zu wenig.

Die vollmundige Analyse des vollbärtigen Verteidigers Braun trifft auch nach dem 3:2 noch zu. Deutschland ist immer noch Deutschland und hat wieder gegen Österreich gewonnen. Es schickt allerdings 2014 zum ersten Mal seit 1948 kein Eishockeyteam zu den Winterspielen. Österreich ist übrigens auch immer noch Österreich, nimmt allerdings erstmals seit 2002 wieder mit einem Eishockeyteam an den Spielen teil. Die Mannschaft ist der verdiente Sieger des Qualifikationsturniers.

Schwer angeschlagen gratulierte Bundestrainer Pat Cortina dem österreichischen Kollegen Manny Viveiros. Einen Rücktritt schloss Cortina aus. "Wir sind sehr enttäuscht", sagt er, "denn wir sind gut ins Spiel gekommen." Tatsächlich hielt die entscheidende Partie des Turniers, was sie versprochen hatte. Es prallten zwei aggressive Teams aufeinander, die sich wütend beharkten und um jeden Zentimeter Eis kämpften. Beide Seiten hatten aber Probleme, strukturierte Angriffe zu fahren. Ausgerechnet Verteidiger Braun war es, der seinen Worten Taten folgen ließ und das 1:0 (19.) durch Bernhard Kohl mit einem satten Schuss vorbereitete.

Was den Deutschen aber trotz der Führung im Rücken fehlte, waren spielerische Ruhe in Bedrängnis, öffnende Pässe, kurz: ein ordentlicher Spielaufbau. Und treffsichere Stürmer. Zwar untermauerte Österreichs Torwart Bernhard Starkbaum seine starken Turnierleistungen mit vielen guten Reflexen, doch die deutsche Offensive war auch einfach zu phantasielos. Die meisten Angriffe blieben in der gegnerischen Defensive hängen.

Stattdessen traf Andre Lakos mit einem Schlenzer zum 1:1 und auch Michael Wolfs schwer erarbeitetes 2:1 (47.) glich der Österreicher Markus Peintner (53.) wieder aus. Dass die Deutschen in der Verlängerung noch den Siegtreffer durch Patrick Reimer schossen, war Makulatur.

Im anderen Sonntagsspiel, in dem es um nichts mehr gegangen war, hatten sich zuvor die Deutschland-Bezwinger aus Italien gegen aufopferungsvoll kämpfende, aber technisch und spielerisch heillos unterlegene Niederländer mit 4:1 (1:0, 2:1, 1:0) durchgesetzt.

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