Leeds Deutsches Team NetApp-Endura erstmals bei der Tour de France

Streckenverlauf und Etappen der 101. Tour de France
Streckenverlauf und Etappen der 101. Tour de France © Foto: SWP Grafik /Döhring
Leeds / SID 03.07.2014
Das zweitklassige deutsche Radteam NetApp-Endura nimmt ab Samstag erstmals an der Tour de France teil. Die Mannschaft aus dem oberbayerischen Raubling zählt zu den großen Außenseitern.

Auch Ralph Denk hat den Eindruck, dass es aufwärts geht. Mit seiner Mannschaft, klar, denn das deutsche Team NetApp-Endura steht kurz vor seiner Jungfernfahrt bei der Tour de France. Aber genauso mit dem gesamten Radsport hierzulande. Manager Denk muss gerade die Zukunft regeln, er spricht nicht nur mit dem bisherigen Sponsor, sondern auch mit deutschen Unternehmen. "Da ist zwar noch ein Stück Zurückhaltung zu spüren", sagte er, "aber man kriegt inzwischen nicht gleich wieder die Tür zugeschlagen."

Denk klingt ermutigt, nicht etwa besorgt angesichts der noch ungeklärten nächsten Saison. Er hat zwar noch keine offizielle Zusage von NetApp bekommen, aber da ist keine Spur von Existenzangst. Denk weiß, wenn in Leeds am Samstag die Startflagge geschwenkt wird, steigt der Bekanntheitsgrad seiner Equipe sprunghaft an, und vielleicht entwickelt sich dann mit einer deutschen Firma noch mehr als die "echt positiven Gespräche", von denen Denk berichtete.

Natürlich, auch das ist ihm bewusst, darf NetApp bei der Frankreich-Rundfahrt nicht nur "Passagier des Rennens" sein, wie der Rostocker Paul Voss es ausdrückte, der neben dem Oberpfälzer Andreas Schillinger die kleine deutsche Fahrerfraktion bildet. Das zweitklassige Team aus dem oberbayerischen Raubling, das dank einer Einladung des Tour-Veranstalters mitmachen darf, will Akzente setzen, den tschechischen Kapitän Leopold König unter die besten 15 der Gesamtwertung bringen und "aggressiv fahren", sagt Denk.

Die Krönung wäre ein Etappensieg. Und das mit einem Budget, das nur einen Bruchteil von dem der Spitzenteams ausmacht. Dennoch führte der Weg von NetApp seit der Gründung im Oktober 2009 stetig nach oben. "Wir sind mit dem Team diesem Ziel immer näher gekommen", sagt Schillinger, der mit 30 Jahren ebenso auf der ganz großen Bühne debütiert wie all seine Kollegen.

Die Wildcard, mit der NetApp als erstes deutsches Team seit Milram (2010) dabei ist, haben sie auch den Erfolgen von Marcel Kittel, Tony Martin und Co. zu verdanken, und so empfindet Denk ein Stück Verantwortung, das auch zu rechtfertigen. "Wir wollen unseren kleinen Teil beitragen zum Aufwärtstrend in Deutschland", sagt er.

Nur mit der Wahrnehmung ist das so eine Sache. Es fehlt ein einheimischer Spitzenfahrer vom Schlage eines Kittel - und das wird sich so schnell nicht ändern. In deren Gehaltsklasse spielt NetApp nicht mit. "Mit dem derzeitigen Budget sind wir meilenweit davon entfernt", sagt Denk, der sich den Rat von Tour-Legende Bernard Hinault zu Herzen nimmt: "Attackiert und macht euch einen Namen."

Impey positiv getestet

Doping Schon vor dem Tour-Start sorgt ein Dopingskandal für Negativschlagzeilen. Daryl Impey, der 2013 als erster Südafrikaner das Gelbe Trikot getragen hatte, ist in A- und B-Probe positiv auf die verbotene Substanz Probenecid getestet worden. Dies teilte sein Rennstall Orica-GreenEdge mit und nahm Impey aus dem Rennbetrieb. Probenecid wird in der Medizin beispielsweise zur Behandlung von Gicht eingesetzt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur führt das Mittel auf der Verbotsliste, da es zur Verschleierung von Dopingmitteln verwendet werden kann.

SWP

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