EISHOCKEY Der Mann hinter Gaudet setzt auf Charakterstärke

Beobachter: Bei den Spielen der Steelers richtet sich der Blick von Co-Trainer Marc St. Jean vor allem auf die Defensivarbeit.
Beobachter: Bei den Spielen der Steelers richtet sich der Blick von Co-Trainer Marc St. Jean vor allem auf die Defensivarbeit. © Foto: Imago
Bietigheim-Bissingen / CLAUS PFITZER 16.04.2015
Marc St. Jean hat mit den Bietigheim Steelers auch in der zweiten Saison als Co-Trainer von Kevin Gaudet das Playoff-Finale erreicht. "Ich hätte keinen besseren Verein finden können", sagt der 36-jährige Kanadier mit deutschem Pass.

Sowohl der Chef als auch sein engster Mitarbeiter sprechen unabhängig voneinander von einem "Glücksfall", wenn die Rede auf den anderen kommt. Dass die Zusammenarbeit zwischen Trainer Kevin Gaudet und seinem Assistenten Marc St. Jean bei den Bietigheim Steelers in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL 2) optimal funktioniert, lässt sich schon alleine daran erkennen, dass die beiden gebürtigen Kanadier auch im zweiten Jahr ihre Mannschaft ins Playoff-Finale geführt haben. Das ist umso bemerkenswerter, nachdem es im vergangenen Jahr doch einen größeren personellen Umbruch im Kader gegeben hat. Vor allem in der Verteidigung, dem Kerngebiet des Assistenztrainers.

Der 36-Jährige St. Jean kam zur Saison 2013/2014 zu den Steelers, bei denen er einen Vertrag bis 2017 besitzt. Kurz vor Weihnachten 2011 war seine Karriere als Spieler urplötzlich beendet. Nach 203 Spielen in der Zweiten Bundesliga und 121 Partien in der Oberliga. In einem Spiel mit den Dresdner Eislöwen zog er sich eine schwere Gehirnerschütterung und ein Schädel-Hirn-Trauma zu. "Die 18 Monate danach waren eine schwierige Zeit", erinnert er sich an die Rekonvaleszenz."

Als er sich wieder gut fühlte und in den Eishockeysport zurückkehren wollte, fragte er seine ehemaligen Mitspieler Bastian Steingroß und Henry Martens von den Steelers, ob in Bietigheim die Stelle des Assistenztrainers frei wäre. "Ich hatte mit beiden immer Kontakt. Dass es geklappt hat, war Glück und Zufall. Ich hätte keinen besseren Verein finden können", sagt St. Jean nach fast zwei Spielzeiten an der Seite von Gaudet. Steingroß ist immer noch bei den Steelers, fällt aber für die Finalserie aus. Martens spielt mittlerweile für Frankfurt.

Der ehemalige Verteidiger St. Jean absolviert bei den Steelers auch eine Umschulung zum sportlichen Leiter. "Ich habe Sport an der Uni studiert, da passt das jetzt. Unser Geschäftsführer Volker Schoch unterstützt mich sehr", erzählt er. Neben seinem Job als Co-Trainer kümmert sich St. Jean speziell um Talente wie Michael Fink oder Lukas Fröhlich, die an der Schwelle zum Profi-Kader stehen. Auch auf der Geschäftsstelle übernimmt er Aufgaben und ist bei Sponsorentreffen Ansprechpartner. "Das ist sehr interessant, das alles zu sehen. Es macht wirklich viel Spaß hier zu sein", so St. Jean.

Spaß und Freude an der Zusammenarbeit hat auch Gaudet. "Marc ist ein Topmann, da haben wir Glück gehabt. Er ist ein großer Helfer und hat viel zu tun mit unseren Verteidigern. Ich bin sehr, sehr froh, dass er da ist", so der Chefcoach. Eine wichtige Rolle spielt der Deutsch-Kanadier auch bei der Kaderplanung und der Umsetzung der Transfers. "Ich helfe Kevin und er hat viel Vertrauen in mich, wenn wir neue Spieler holen. Wir tauschen uns immer aus. Vertrauen und Kommunikation sind sehr wichtig. Es ist ein Riesenvorteil, dass ich in der Liga gespielt habe und viele Spieler persönlich kenne. Ich weiß, wer uns sportlich und vor allem auch charakterlich helfen kann. Unsere großen Vorteile sind die Charakterstärke und die Mentalität der Mannschaft", so St. Jean. "Wir haben ja nach der vergangenen Saison vor allem in der Abwehr viel geändert. Da war es mein Job, neue Verteidiger zu suchen. Mit Benjamin Hüfner habe ich in Dresden zusammengespielt, mit Adam Borzecki in Schwenningen und in Bad Tölz. Dominic Auger, der eine unglaubliche Saison spielt, kenne ich auch gut, ebenso Jason Pinizzotto", zählt St. Jean Neuzugänge auf, die alle auf Anhieb eingeschlagen haben.

Im Training und während des Spiels ist St. Jean für die Verteidiger zuständig, während sich sein Chef Gaudet um die Offensive und das große Ganze kümmert. "Es ist kein Nachteil, dass wir nur fünf Verteidiger haben. Alle sind sehr fit. Wir achten darauf, dass sie gleiche Eiszeiten bekommen. Es spielen immer zwei, die gut passen, das legen wir vorher fest. Meist ist einer dabei, der mehr offensiv spielt und einer, der seine Stärken mehr in der Defensive hat. Das balancieren wir aus. Alle arbeiten zusammen in unserem Konzept", gewährt St. Jean Einblicke in seine Überlegungen. Gegen die Fischtown Pinguins kommen ab Freitag auf die Steelers-Verteidiger Hochkaräter zu. "Das ist eine kämpferische Mannschaft, deren Taktik der Infight ist. Das müssen wir akzeptieren und einen Weg finden. Bremerhaven hat viel Qualität. Während bei uns die halbe Mannschaft neu ist im Vergleich zum Vorjahr, hat sich Bremerhaven mit einigen eingedeutschten Spielern und einem Torhüter verstärkt", so St. Jean über den Finalgegner.

Zur Person vom 16. April 2015

Marc St. Jean kam 2004 nach Deutschland, spielte bis 2012 für die Heilbronner Falken, den EV Landsberg, den EC Bad Tölz, den EV Ravensburg, die Schwenninger Wild Wings und die Dresdner Eislöwen. 2010 erhielt der im kanadischen Ottawa geborene Verteidiger die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit Ablauf der Saison 2011/2012 beendete er aufgrund einer Kopfverletzung seine aktive Karriere. Seit 2013 ist er Co-Trainer bei den Steelers, bei denen er auch eine Ausbildung zum sportlichen Leiter absolviert. In Kanada hat er Sportwissenschaft studiert. Er lebt mit siener Familie in Bad Friedrichshall.

CP

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