Tennis Der Maestro hofft auf Stuttgart-Coup

Roger Federer geht meist mit viel Euphorie in ein Turnier. Mit einem Blick auf die Auslosung werde  diese immer schnell gebremst, bekennt er. Auf dem Stuttgarter Rasen fühle er sich bislang wohl.
Roger Federer geht meist mit viel Euphorie in ein Turnier. Mit einem Blick auf die Auslosung werde diese immer schnell gebremst, bekennt er. Auf dem Stuttgarter Rasen fühle er sich bislang wohl. © Foto: Joe Castro/AAP/dpa
Stuttgart / Helen Weible 12.06.2018

Als Rafael Nadal „sandköniglich“ seinen elften French-Open-Sieg feierte, war Roger Federer fleißig am Trainieren. Auf schwäbischem Boden stimmte sich der Schweizer Tennis-Superstar auf sein vielbeachtetes Comeback nach dreimonatiger Turnierpause ein. „Ich habe von dem Finale in Paris nichts gesehen, aber muss ich auch nicht. Rafael spielt das fast locker. Elf Mal das gleiche Turnier zu gewinnen, ist das Unglaublichste. Für ihn gibt es nur Superlativen“, spielt Federer den Ball sanft in Richtung seines Dauerrivalen auf der Tennisbühne. Für seinen spanischen Konkurrenten habe der 36-jährige Schweizer nur großes Lob übrig. Und Nadal würde dieselben Huldigungen retournieren. Denn beide, der Sandplatzkönig von Paris und der große Maestro auf englischem Rasen, schätzen sich gegenseitig und kommentieren die eigene Leistung gleichwohl bescheiden. Weiche Worte werden gesprochen, die Ballwechsel sind umso härter – auf Sand oder auf Rasen. Die Nummer eins und die Nummer zwei der Welt.

Roger Federer kommt zum dritten Mal zum Turnier beim TC Weissenhof, dem mit rund 730 000 Euro dotierten Tennis-­Spektakel auf dem Stuttgarter Killesberg. Das Vorbereitungsturnier auf Rasen taugt dem vierfachen Familienvater besonders, weil er hier sein Tennis auf Wimbledon-Niveau steigern kann. Weil er hier seinen Erfolgsmarsch auf Rasen starten möchte und im besten Falle in London zum neunten Mal triumphiert. Denn Wimbledon bleibt für ihn das „Nonplusultra“.

Nach einer Trainingseinheit mit Philipp Kohlschreiber am Sonntag fühle er sich gut, „frisch und gesund“. Am liebsten würde er gleich loslegen. Doch sein erstes Match steht erst am Mittwoch an, hier geht es gegen den Deutschen Mischa Zverev.

Das mit sechs Top-30-Spielern attraktive Feld des 40. MercedesCup wird von Federer besonders aufgewertet. Doch zusätzlich gewinnt dessen diesjährige Teilnahme an Brisanz. Hundert Punkte trennen den Weltranglistenersten Nadal (8770 Punkte) vom Zweiten Federer (8670) im Ranking. Mit einem Turniersieg in Stuttgart könnte der Altstar seinen mallorquinischen Widersacher vom Thron stoßen und wieder die Spitzenposition erklimmen. Zwei Mal schon hatten die Zuschauer vergebens auf den charmanten Tennis-Maestro als Turniersieger getippt. 2016 war er im Halbfinale am aktuellen Paris-Finalisten Dominic Thiem gescheitert. Das vergangene, verregnete Jahr war schon in der ersten Runde Schluss für den an Knieproblemen leidenden Federer – und dann auch noch gegen Kumpel Tommy Haas bei dessen Abschiedstour. Dieses Mal soll es besser laufen, aber dennoch passiert alles aus einem „Kaltstart“ heraus, wie Federer zugibt. Denn hinter dem 20-fachen Grand-Slam-Sieger liegen acht Wochen aus erholsamen Urlaubstrips, zuerst nach Miami, später ein Aufenthalt in Afrika und erst seit einem Monat schwingt er wieder mit dem Eifer eines Profis den Schläger.

Die Nummer eins der Welt war Federer schon für 309 Wochen. Ein Rekord, den ihm so schnell niemand streitig machen kann. Was treibt den Spitzenmann in seinen alten Jahren überhaupt an? „Die Freude am Spiel, das Gefühl zu gewinnen und die Zuschauer zu erfreuen“, meint er. Und seine Frau und seine vier Kinder unterstützen ihn stets dabei. Und das nahende Karriereende? „Das wird lustig, ich bin gespannt auf die Zeit danach“, sagt er.

Auftaktgegner gibt sich cool

Mischa Zverev besiegte gestern Nachmittag unter gefährlich grauem Himmel in der ersten Runde von Stuttgart den Russen Mikhail Youzhny mit 7:6, 6:3. „Ich hab mich wohl gefühlt“, sagte der 30-jährige Bruder des seit den French Open verletzten Tennis-Stars Alexander Zverev. „Ich habe auf sein gefährliches Spiel mit niedrigen Bällen gute Antworten gefunden.“ Vor dem nächsten Match gegen den an eins gesetzten Roger Federer mache er sich keinen Druck: „Ich überlege nicht viel“, sagte er, er wolle sich „auf Roger einstellen“. hel

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