Darts Darts im „Ally Pally“: 15 Tage Präzision und Party

London / Von Fabian Schäfer 14.12.2017
Karneval trifft Konzentration, mentaler Hochleistungssport trifft das Ambiente eines Junggesellenabschieds – bei der Darts-WM erwartet die Spieler wieder ein völlig verrückter Hexenkessel.

Wenn am heutigen Donnerstagabend gegen 20 Uhr deutscher Zeit der Brite Steve Beaton und der Ire William O‘Connor die West Hall des Alexandra Palace (Ally Pally) betreten und die WM eröffnen, wird die Stimmung unter den über 3000 verkleideten Fans bereits prächtig sein. Gesang, Kostüme – und Bier: Die Party kann starten. Mit der  jährlichen Weltmeisterschaft im Londoner Norden findet das Wettbewerbsjahr der Professional Darts Corporation (PDC) – des führenden Welt-Dartverbandes – seinen Höhepunkt. Vom 14. Dezember bis zum 1. Januar werfen 72 Spieler aus aller Welt um den Titel – und das Preisgeld von 400 000 Pfund für den Sieger.

Das Reglement

Darts ist simpel: Zwei Spieler treten gegeneinander an, indem sie abwechselnd drei Pfeile werfen. Die Scheibe, das Dartboard, ist in die Zahlen von eins bis 20 unterteilt (siehe Grafik). Bei den meisten Turnieren wird im Leg-Modus gespielt. Ein Leg (Durchgang) sind 501 Punkte, die heruntergespielt werden müssen. Dabei ist wichtig, dass der letzte Wurf auf ein Doppelfeld erfolgen muss. Wer 40 Punkte Rest hat, benötigt also die Doppel 20. Das Bulls Eye in der Mitte ist das höchste Doppelfeld und zählt 50 Punkte. Es ist jedoch nicht das höchste Feld auf der Scheibe. Das ist die Triple (Treble) 20, die 60 Punkte bringt. Drei Darts in diesem Feld ergeben die 180. Bei der Weltmeisterschaft benötigt man drei Legs für einen Satz. Die Anzahl der erforderlichen Sätze für den Matchgewinn erhöht sich im Laufe des Turnieres. Wer im Finale zuerst sieben Sätze gewinnt, ist Weltmeister.

Die Teilnehmer

Für die Weltmeisterschaft gesetzt sind automatisch die besten 32 Spieler der Weltrangliste der PDC. Diese basiert jedoch nicht auf Punkten, sondern auf dem verdienten Preisgeld der Profis in den vergangenen zwei Jahren. Weitere 16 Teilnehmer ergeben sich aus einer anderen Rangliste, die nur das bei Pro-Tour-Events (verschiedene kleinere Turniere, unter anderem auch in Deutschland) verdiente Preisgeld berücksichtigt. Zu guter Letzt werden noch 24 Wildcards bei nationalen Qualifikations-Turnieren vergeben. Dadurch ergibt sich auch für komplett unbekannte Spieler die Möglichkeit, beim größten Darts­turnier des Jahres dabei zu sein.

Die Favoriten

Wie bei eigentlich jedem Turnier in diesem Jahr geht der Niederländer Michael van Gerwen als klarer Topfavorit ins Rennen. Die Nummer eins der Welt spielte 2017 ein überragendes Jahr, das mit dem Triumph bei der WM 2017 begann. „Mighty Mikes“ härtester Konkurrent könnte der Schotte Peter „Snakebite“ Wright werden, der sich in diesem Jahr auf Rang zwei der Weltrangliste vorgearbeitet hat. Wright hat derzeit allerdings Verdacht auf Gallensteine. Ob er überhaupt an der WM teilnehmen kann, ist noch nicht gesichert. Der 47-Jährige, der bei seinen Auftritten stets exotische Outfits und bunte Frisuren trägt, gilt als absoluter Fanliebling.

Auch der zweimalige Weltmeister und Vorjahresfinalist Gary Anderson aus Schottland rechnet sich Chancen aus, obwohl das Jahr 2017 für die Nummer drei der Welt eher durchwachsen war. Der „Flying Scotsman“ demonstrierte jedoch schon in den Vorjahren, dass er im Ally Pally stets zur Hochform aufläuft. Und auch mit dem Rekord-Champ Phil „The Power“ Taylor muss gerechnet werden. Zumal es die letzte WM in der Karriere des 57-Jährigen sein wird (siehe „Der Abschied“).

Die Deutschen

Mit Martin Schindler aus Strausberg (Brandenburg) und Kevin Münch aus Herne treten in diesem Jahr zwei deutsche Spieler bei der PDC-WM an. Der 21 Jahre alte Schindler ist derzeit die Nummer 75 der Welt und spielt 2017 seine erste Weltmeisterschaft. „The Wall“ bestreitet sein Erstrundenmatch am Mittwoch gegen den „Wizard“, Simon Whitlock aus Australien. Die Nummer zehn der Welt spielte ein starkes Jahr und ist für den deutschen Youngster wohl nur an einem absoluten Sahnetag zu schlagen.

Der 29 Jahre alte Kevin Münch ist bereits zum zweiten Mal im Ally Pally dabei. „The Dragon“ muss am Dienstag zunächst die Vorrunde gegen den Russen Aleksandr Oreshkin überstehen. Sollte er diese – machbare – Aufgabe lösen, wartet am gleichen Abend Doppelweltmeister Adrian „Jackpot“ Lewis, dessen Form stetig schwankt, der an guten Tagen jedoch zu den besten Spielern der Welt gehört. Deutschlands Nummer eins Max Hopp konnte sich in diesem Jahr nicht für die WM qualifizieren. Der 21-Jährige aus Idstein ist zum ersten Mal seit 2011 nicht im Ally Pally dabei.

Der Abschied der Legende

In diesem Jahr ruhen jedoch alle Augen – noch mehr als sonst – auf Großmeister Phil „The Power“ Taylor, dem besten Dartspieler  in der Geschichte des Sports. Der Rekordweltmeister (16 Titel), der zwischen 1995 und 2002 achtmal in Folge im Ally Pally siegte, kündigte Anfang dieses Jahres sein Karriereende an. Die WM 2018 wird sein letztes Turnier sein. Taylor war Mitbegründer der PDC und sorgte erheblich mit für die wachsende Popularität von Darts. Es gibt kein Major-Turnier, das der Familienvater noch nicht gewinnen konnte. Doch für den 57-Jährigen aus Stoke-on-Trent (England) liefen die vergangenen Jahre nicht mehr so gut. Nach der WM 2014 löste ihn Michael van Gerwen erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit als Nummer eins der Welt ab. Am Freitagabend trifft Taylor auf den Briten Chris Dobey. Es könnte das letzte Match seiner Karriere sein.

„The Power“ verabschiedet sich von der Bühne

Die Darts-Weltmeisterschaft 2018 wird das letzte Turnier in der Profi-Karriere des großen Phil „The Power“ Taylors sein. Der 57-Jährige aus Stoke-on-Trent (England) gilt als Ikone und ist mit 16 Weltmeister-Titeln der erfolgreichste Dartspieler in der Geschichte des Sports. Er war Mitbegründer der PDC und hat einen großen Anteil an der wachsenden Popularität von Darts. Zwischen 1995 und 2002 wurde Taylor achtmal in Folge Weltmeister. Nachdem die vergangenen drei Jahre für den Briten weniger rund liefen, kündigte Taylor Anfang dieses Jahres an, seine Karriere nach der WM 2018 zu beenden. Viele trauen ihm zu, dort noch einmal richtig aufzutrumpfen.

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