Ulm Cheftrainer der Skicrosser spricht über Bohnackers Olympia-Chancen

Ulm / THOMAS GRUBER 25.07.2013
Alex Böhme ist seit 2007 Bundestrainer der Skicrosser. Seine Athleten bereitet der 40-jährige Buchberger auf den Olympia-Winter vor, darunter die Medaillenhoffnung Daniel Bohnacker vom SC Gerhausen.

Herr Böhme, bei den derzeitigen Temperaturen denkt niemand an Schnee. Nur Sie stecken mit ihren Skicrossern in Winterklamotten und trainieren in der Skihalle in Neuss

ALEX BÖHME: Das passt uns sehr gut rein, mit den drei Tagen in Neuss kommen wir auf insgesamt 60 Schneetage vor dem Weltcup-Start Anfang Dezember im kanadischen Nakiska.

Wie sieht denn der Trainingsplan vorm Olympia-Winter aus?

BÖHME: Wir haben im Mai mit einem Konditionsblock begonnen, da lag der Schwerpunkt auf der Ausdauer. Den Abschluss dieses Blocks haben wir im Juni am Gardasee absolviert. Bis Mitte August steht Muskelaufbau an. Dann fahren wir ins Schneetraining nach Lom, dem höchsten Gletscher in Norwegen.

Mit Daniel Bohnacker haben Sie ein Talent vom SC Gerhausen unter Ihren Fittichen. Wie beurteilen Sie seine Entwicklung?

BÖHME: Daniel ist jemand, der sich über die Jahre kontinuierlich entwickelt hat. Bei ihm ist eine aufsteigende Tendenz auszumachen.

Zuletzt sind aber die ganz großen Ergebnisse ausgeblieben

BÖHME: Im Winter 2010/11, als er seinen ersten Weltcup-Sieg eingefahren hatte, wurde er gar zum "Rookie of the Year" erkoren. Für einen so jungen Sportler ist es ganz normal, dass es danach wieder etwas bergab gehen kann. Zum einen fehlt die Reife, zum anderen wirds insgesamt nicht einfacher, weil die Gegner ihn nun kennen und ihn auf dem Plan haben.

Hinzu kam eine Schulter-OP

BÖHME: Das hat er ganz gut weggesteckt, da wurde auch am Olympia-Stützpunkt in Stuttgart gute Arbeit geleistet. Daniel hat dort ein gutes Reha-Programm machen können.

Ohne großartig Druck aufzubauen, was erwarten Sie denn von Ihrer Mannschaft und speziell von Daniel Bohnacker bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi?

BÖHME: Wir haben realistisch die Chance, dass zwei Herren und zwei Damen aufs Podium fahren könnten. Es wäre gelogen, wenn ich nicht erwarten würde, dass Daniel eine Medaille holen könnte. Das ist auch sein Ziel, wie er sagte.

Die Generalprobe im vergangenen Winter ging für ihn in Russland aber gründlich daneben

BÖHME: Ja, fürs Rennen hatte er sich nicht qualifiziert. Das war recht untypisch für ihn. Daniel hatte zum Saisonende ein Tief, da ist er nicht mehr mit dem letzten Push gefahren. Die Leistungsdichte ist mittlerweile so eng, da kann jeder der 32 Final-Teilnehmer gewinnen. Und was Sotschi betrifft: Olympia ist ein Tages-Event. Da zählt die Tagesform, da kommt es auch darauf an, wer am besten die äußeren Einflüsse wie den Medienrummel ausblenden kann. Skicross in Sotschi wird sicher spektakulär, allein der Zielsprung geht 60 Meter weit.

Was fehlt Bohnacker denn noch zum konstanten Spitzenfahrer?

BÖHME: Wir werden intensiv an seinem Start arbeiten, außerdem muss er im Kopf stabiler werden. Und in schnellen Kurven muss er sich alpin-technisch verbessern.

Zur Person vom 25. Juli 2013
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