Ulm Boxerin Rola El-Halabi peilt erneut den WM-Titel an

Der Moment, als klar ist, dass Rola El-Halabi (links) erstmals als Profi-Boxerin verloren hat. Inzwischen kann sie der Niederlage sogar etwas Positives abgewinnen.
Der Moment, als klar ist, dass Rola El-Halabi (links) erstmals als Profi-Boxerin verloren hat. Inzwischen kann sie der Niederlage sogar etwas Positives abgewinnen. © Foto: dpa/Stefan Puchner
Ulm / SEBASTIAN SCHMID 22.04.2013
Am 3. August steigt Rola El-Halabi wieder in den Boxring. Auch wenn die Gegnerin noch nicht fest steht, ist klar, dass es für die 28-Jährige bei der Box-Nacht in Laubach um den Weltmeistertitel gehen wird.

Rola El-Halabis Geständnis ist überraschend: „Ich bin froh, dass ich verloren habe.“ Die Ulmer Profi-Boxerin sieht ihre Niederlage vom Januar, als sie in der Ratiopharm-Arena nach Punkten gegen Lucia Morelli verloren hat, entspannt. 15 Wochen sind seit ihrem Comeback-Kampf vergangen, genügend Zeit für die 28-Jährige, das Ergebnis zu verarbeiten. Bereits kurz nach dem Kampf war ihr klar, dass sie die Box-Handschuhe nicht zum letzten Mal angezogen hat: „Das war der erste Kampf, der mir richtig Spaß gemacht hat.“

Nun steht auch fest, wann die gebürtige Libanesin das nächste Mal in der Ring steigen wird. Am 3. August wird Rola El-Halabi bei der Box-Nacht in Laubach um einen WM-Titel kämpfen. Dafür wird sie eine Klasse nach oben wechseln und im Halbweltergewicht (bis 64 Kilogramm) antreten. Bei welchem Verband und wie die Gegnerin heißen wird, ist noch offen. Sicher ist, dass dabei Tommy Wiedemann Jürgen Grabosch als Trainer ersetzt.

Rola El-Halabi kämpft am 3. August in Laubach

Laubach, ein Dorf bei Ochsenhausen – das klingt nicht nach der großen, glamourösen Welt des Boxens. Die Veranstaltung hat in der Tat Dorffest-Charakter. Der Ring steht außerhalb des kleinen Ortes auf einem Fußballplatz, der an diesem Abend fast komplett von einer Bar umrahmt wird. Kämpfe im Blautal-Center, wie zu Rola El-Halabis Anfangszeit oder in Sporthallen vor ein paar hundert Leuten sind aber auch nicht Las Vegas. Immerhin werden nach Laubach wohl wieder mehr als 4000 Zuschauer kommen.

Für die ehemalige Doppel-Weltmeisterin ist es nicht der erste Auftritt am Rande des 500-Seelen-Ortes. Zweimal war sie schon dort, zuletzt 2008 als sie zum ersten Mal ihren EM-Gürtel verteidigte. Mittlerweile hat sich viel verändert. Nachdem ihr Stiefvater Hicham El-Halabi Rola viermal angeschossen hat, kämpfte sie sich zurück in den Ring – und nimmt ihren Beruf nun ganz anders wahr: „Davor war alles selbstverständlich: In den Ring zu steigen, zu kämpfen, zu gewinnen.“

Die Welt geht nicht unter, "wenn ich mal verliere"

Trotz der Niederlage vom Januar hat sie aus dem Auftritt Zuversicht gezogen. Rola El-Halabi hat gesehen, dass sie noch einmal Weltmeisterin werden kann und dass ihre Karriere als Profi-Boxerin noch nicht vorbei ist. Bei ihrem zweiten Kampf nach dem Comeback wird vieles einfacher sein. Sie muss nicht bei Null anfangen, sie ist nicht Veranstalterin und muss sich um alle Details kümmern. Sie trägt nicht das finanzielle Risiko und sie weiß, dass sie boxerisch mit der Weltklasse mithalten kann.

Am wichtigsten aber ist, dass sie gelernt hat, zu verlieren. 2006, in ihrem letzten Kampf als Amateurin, hatte die ehemalige Kickboxerin das letzte Mal verloren. Es folgten elf Profi-Kämpfe, die sie zumeist dominierte und überlegen gewann. Dann kam ihr Comeback-Kampf, die Niederlage gegen Morelli und die Erkenntnis, dass die „Welt nicht untergeht, wenn ich mal verliere“. Was Laubach angeht, sagt Rola El-Halabi: „Ich muss gar nichts!“ Das heißt aber nicht, dass sie keine Ziele hat. Rola El-Halabi will wieder Weltmeisterin werden. Wo, wann und wie ist ihr egal.

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